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weltwärts: Die Stadt der Morgenröte

Auf einer Farm arbeiten, andere Kulturen entdecken und viele internationale Kontakte knüpfen: Das alles konnte Emilia Riegel (19) erleben, als sie nach ihrem Abitur ein knappes Jahr in Auroville, dem größten Ökodorf Indiens, verbrachte.

Ein bepflanztes landwirtschaftliches Feld mit frischem Aufwuchs.

Ein Ort, an dem Menschen aus aller Welt zusammenkommen und gemeinsam an nachhaltigen Projekten arbeiten: Mit dieser Vision wurde Auroville in den 1960er-Jahren im Süden Indiens gegründet. Heute zählt die Stadt, deren Name sich vom französischen Wort für Morgenröte herleitet, rund 3.300 Bewohnerinnen und Bewohner aus etwa 60 Ländern. Einen Teil davon machen Freiwillige aus, die eine gewisse Zeit in Auroville verbringen und sich an verschiedenen Projekten dort beteiligen – so auch Emilia Riegel.

Organisiert von weltwärts, dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), flog sie mit einer Gruppe von insgesamt 14 deutschen Freiwilligen im August 2022 nach Auroville. „Nachdem wir angekommen sind, haben wir erst mal die Umgebung und die unterschiedlichen Projekte der anderen Freiwilligen kennengelernt“, erinnert sich Emilia Riegel. Sie selbst hatte sich für die Arbeit auf einer ökologischen Farm entschieden.

  • Emilia Riegel verbrachte knapp ein Jahr in Auroville, Indien.

    Ich fand es cool, so lange in Indien zu leben. Man lernt das Land und die Leute auf eine ganz andere Art kennen, als wenn man nur ein paar Wochen dort verbringt.

    Emilia Riegel

Das Leben in Auroville

„Auf der Farm habe ich von Montag bis Samstag immer von 7 bis 12 Uhr gearbeitet. Ich habe zum Beispiel Unkraut gejätet und Kompost hergestellt. Es gab auch Kühe und Hühner, die ich versorgt habe“, erzählt Emilia Riegel von ihrem Arbeitsalltag. Insgesamt arbeiteten auf der Farm etwa 15 bis 20 Leute – aus vielen verschiedenen Ländern. „Auf der Farm gab es jeden Tag ein gemeinsames Frühstück mit den Leuten, die dort mit mir gearbeitet haben; man konnte sich gut austauschen und vor allem die Abende waren immer lustig. Natürlich war die Arbeit oft anstrengend, aber mir hat es meistens echt Spaß gemacht“, erinnert sie sich.

Die Freiwilligen bekamen von weltwärts jeweils eigene Unterkünfte zur Verfügung gestellt, in denen sie während ihrer Zeit in Auroville wohnten. Und auch an ihren freien Nachmittagen und an Sonntagen wurde Emilia Riegel nicht langweilig. Denn auch abseits von organischen Farmen oder botanischen Gärten hat das Ökodorf einiges zu bieten. „Es gab verschiedene Freizeitangebote“, sagt die Studentin und zählt auf: „Fitnessstudio, Workshops, Yoga, Singen, Reiten, Tanzen“. Insgesamt einen Monat lang nahm sie sich außerdem frei, um andere Orte in Indien zu bereisen – etwa das Himalaya-Gebirge. Da Auroville selbst durch den hohen Anteil internationaler Bewohnerinnen und Bewohner stark westlich geprägt ist, schätzte sie es sehr, dadurch die Kultur des Landes besser kennenzulernen.

Die Zeit nach dem Abi

Schon während ihrer Schulzeit in Karlsruhe war Emilia Riegel klar, dass sie nach ihrem Abitur eine Zeit lang ins Ausland möchte. „Ich wollte außerhalb von Europa etwas machen, am liebsten in Afrika, Südamerika oder Asien“, erklärt die 19-Jährige. Auf Auroville war sie durch ein Buch über Ökodörfer auf der ganzen Welt aufmerksam geworden. „Meine Mutter erzählte mir, dass „weltwärts“ eine Gruppe junger Erwachsener nach Auroville schickt, die dort ein Jahr verbringen können. Ich habe mich informiert, was man da genau macht und fand die Idee toll.“

Eine wichtige Rolle spielt bei solch großen Vorhaben immer die Frage nach den Kosten. Die Freiwilligen verpflichten sich, vor Reiseantritt je 2.500 Euro Spenden für die Entsendeorganisation „Auroville international“ zu sammeln. Diese konnte Emilia Riegel durch Erspartes, Unterstützung der Familie und Kindergeld aufbringen. Im Laufe des einjährigen Aufenthalts hat sich dieser Unkostenbeitrag aber in jedem Fall gelohnt: „Man bekommt die Flüge und die Unterkunft bezahlt und zusätzlich pro Monat 200 Euro Taschengeld. Damit konnte ich durch die niedrigen Preise in Indien sehr gut leben.“

Sehr viel wert war auch die Betreuung, die die Freiwilligen beim Vorbereitungsprozess und rund um den Auslandsaufenthalt erhielten. „Es waren die ganze Zeit über Koordinatorinnen und Koordinatoren von weltwärts in Auroville und man konnte sich immer an jemanden wenden“, sagt sie. So war sie nicht alleine in einem fremden Land und fühlte sich gut betreut.

Viel mit auf den Weg nehmen

Geplant war Emilia Riegels Aufenthalt in Auroville ursprünglich für 12 Monate. Doch sechs Wochen vor dem Rückreisetermin nach Deutschland hatte sie einen Sportunfall – ein Miniskusriss. Ihr Knie musste operiert werden. „Eigentlich wollte ich das noch in Indien machen lassen, aber das hat versicherungstechnisch nicht geklappt.“ Da sie sechs Wochen später ohnehin zurückgeflogen wäre und in dieser Zeit auch nicht mehr arbeiten, Sport treiben oder reisen konnte, endete ihre Zeit in Auroville vorzeitig.

Doch die knapp elf Monate, in denen sie dort lebte, reichten aus, um wertvolle Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen, die ihr wohl noch lange erhalten bleiben. „Ich fand es cool, so lange in Indien zu leben. Man lernt das Land und die Leute auf eine ganz andere Art kennen, als wenn man nur ein paar Wochen dort verbringt“, ist sie sich sicher.

Die lange Auszeit führte Emilia Riegel außerdem zu einer Studienentscheidung: „Ich habe mich schon immer für Naturwissenschaften interessiert, wusste aber noch nicht genau, was ich studieren möchte. Durch die Arbeit auf der Farm bin ich auf Agrarwissenschaften gekommen“, berichtet die 19-Jährige. Aktuell befindet sie sich in der Prüfungsphase des ersten Semesters an der Uni Hohenheim.

Weitere Informationen

weltwärts

weltwärts ist der entwicklungspolitische Freiwilligendienst des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
www.weltwaerts.de