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Werkstoffprüferin: Die Pathologie der Metalle

Als Werkstoffprüferin der Fachrichtung Metalltechnik zerlegt Anika Diesinger unterschiedlichste Bauteile wie Felgen, Rohrleitungen oder Stahlseile in ihre Bestandteile, um sie zu untersuchen. Die 32-Jährige trägt mit ihrer Arbeit bei der DEKRA Automobil GmbH in Saarbrücken entscheidend dazu bei, Alltagsprodukte sicherer zu machen.

Eine junge Frau untersucht Werkstoffmaterial unter einem Digitalmikroskop. (Foto: Katharina Kemme)

Anika Diesingers Tätigkeit im Labor für Werkstofftechnik und Schadensanalytik ist zweigeteilt, wobei beide Bereiche durchaus ineinander greifen: Sie arbeitet in der Metallografie und Schadensanalytik. „Metallografie bedeutet: Kunden schicken mir metallene Bauteile jedweder Art zu, die ich als Qualitätsprüferin auf ihre Eigenschaften untersuche und sie mit Sollvorgaben wie diesen abgleiche: Ist das Bauteil dick genug beschichtet? Ist es tatsächlich das Material, das es sein soll?“

Diese Fragen führen auch direkt zum zweiten Bereich ihrer Arbeit, der Schadensanalytik. Dabei werden mangelhafte Bauteile angeliefert – manche sind rissig oder gar gebrochen, andere korrodiert, also beispielsweise rostig. „Im weitesten Sinne sind wir Werkstoffprüfer so etwas wie Pathologen für Metalle. Wir zerlegen Bauteile so weit in ihre inneren Bestandteile, bis wir herausfinden, ob ein Fehler in ihrer Struktur zu ihrem Versagen beigetragen hat oder ob es Einwirkungen von außen waren.“ Meist schaffen es Anika Diesinger und ihre Kolleginnen und Kollegen, die Ursache für das Problem zu finden und die Kundschaft dabei zu unterstützen, dass so etwas nicht mehr vorkommt.

Rahmenbruch – und dann?

Ein Porträt-Foto von Anika D. (Foto: privat) Ein Porträt-Foto von Anika D. (Foto: privat)

Alle Untersuchungsergebnisse und ihre Bewertungen werden in einem Gutachten zusammengefasst, das die ratsuchende Person oder Institution an die Hand bekommt. Darin sind auch Lösungsvorschläge enthalten. Die Werkstoffprüferin erläutert dies am Beispiel eines Fahrradrahmens – eines der Bauteile, die sie im Arbeitsalltag untersucht: „Wir erhalten einen gebrochenen Rahmen und untersuchen dann unter anderem, wie der Bruch strukturiert ist, wie das Material in sich aufgebaut ist, wie hart es ist. Dabei schauen wir auch, ob die Konstruktion mangelhaft ist, das Bauteil falsch montiert wurde, ob es tatsächlich aus dem Werkstoff ist, der dafür vorgesehen war, oder ob es falsch wärmebehandelt wurde. All diese Fragen helfen bei der Suche nach der Ursache des Problems.“   

Kein Job für Ungeduldige

Herauszufinden, ob Materialien den Anforderungen entsprechen oder warum Fehler entstehen, ist keine Angelegenheit, die mal schnell in fünf Minuten erledigt ist. Man muss geduldig, genau und sorgfältig arbeiten, braucht handwerkliches Geschick und technisches Verständnis, um die Prüfapparaturen sicher zu beherrschen. Auch gute Kenntnisse in Mathematik, Physik und Chemie schaden nicht. Ferner sollte man analytisch denken können, um den Materialproblemen mit System auf den Grund gehen zu können, fügt Anika Diesinger hinzu, die sich der großen Verantwortung in ihrem Arbeitsbereich bewusst ist.

Sie selbst kam erst auf Umwegen zu ihrem Beruf: Nach einem Lehramtsstudium der Fächer Geschichte, Deutsch, Philosophie und Ethik, das sie mit dem Master und dem ersten Staatsexamen abschloss, beschloss sie, nicht als Lehrerin arbeiten zu wollen und suchte nach einer Alternative. Ihre beste Freundin arbeitete schon seit geraumer Zeit als Werkstofftechnikerin und erzählte ihr viel von ihrer Arbeit. Diese Berichte fand die damalige Studentin so interessant, dass sie nach dem Uniabschluss ein Praktikum bei der DEKRA absolvierte und sich danach dort sofort um einen Ausbildungsplatz bewarb. „Die Tätigkeit ist abwechslungsreich, da man sich ständig in neue Sachverhalte einarbeiten muss. Man kann selbstständig agieren und andere bei der Problemlösung unterstützen – alles in allem ganz ähnlich wie bei der Arbeit als Lehrerin.“ Seit rund zwei Jahren ist Anika Diesinger nun im Labor für Werkstofftechnik und Schadensanalytik als Werkstoffprüferin der Fachrichtung Metalltechnik tätig.

Für ihre Zukunft hat sie bereits konkrete Pläne: „Für mich selbst schließe ich derzeit ein weiteres Vollzeitstudium aus, kann mir aber durchaus vorstellen, mich neben dem Beruf zur Werkstofftechnikerin weiterzubilden“, sagt die junge Werkstoffprüferin. Einen interessanten Arbeitsplatz, um das erworbene Wissen anzuwenden, hat sie ja bereits. 

Weitere Infos

BERUFENET

Berufsinformationen einfach finden. Die Datenbank für Ausbildungs- und Tätigkeitsbeschreibungen der Bundesagentur für Arbeit.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

BERUFE.TV

Die Filme bieten eine hilfreiche Orientierung bei der Berufswahl und geben Informationen über den Arbeitsalltag in bestimmten Berufen sowie einen Überblick über Branchen und berufsbezogene Themenfelder.  
berufe.tv

Ausbildungssuche der Bundesagentur für Arbeit

Schritt für Schritt zum Wunschberuf. Die passende Ausbildung finden. Wichtige Tipps und Infos helfen beim Start ins Berufsleben.
www.arbeitsagentur.de/bildung/ausbildung

DIHK

Der deutsche Industrie- und Handelskammertag ist der Dachverband der lokalen Industrie- und Handelskammern (IHKs) und kooperiert eng mit diesen.
www.dihk.de