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Studieren mit Kind: Zwischen Hörsaal und Kinderzimmer

Während des Studiums Kinder bekommen? Eine anspruchsvolle, aber keine unmögliche Aufgabe. Doch wie kann man den Spagat zwischen Hörsaal und Kinderzimmer bewältigen? abi» berichtet vom Alltag einer alleinerziehenden Studentin und erklärt, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt.

Ein Zug steht auf einer Holzeisenbahn. (Foto: Hans-Martin Issler)

Alina Baeskow studiert Pädagogik und Französische Philologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Während sich die meisten ihrer Kommilitonen ganz auf ihr Studium konzentrieren können, muss die 26-Jährige ihren Alltag als alleinerziehende Mutter auf ihre dreijährige Tochter Matilda abstimmen. Nicht immer einfach, wie die junge Frau berichtet: „Für mich als Mutter steht mein Kind immer im Fokus. Oft fehlt fürs Studium einfach die Zeit.“

Alina Baeskows Alltag ist durchgetaktet: Morgens steht sie früh auf, macht sich und Matilda fertig und bringt die Kleine in die Kita des Studentenwerks. „Die Einrichtung ist zum Glück campusnah“, erzählt die Studentin. Um möglichst viel Zeit mit ihrer Tochter verbringen zu können, besucht sie nur vormittags Lehrveranstaltungen. Mittags holt sie ihre Tochter wieder ab, sie fahren nach Hause und basteln oder spielen bis zum Abendessen. „Erst wenn Matilda schläft, kann ich mich um mein Studium kümmern“, sagt sie. Um das Pensum zu schaffen, hat sie ihr Studium nach der Geburt der Tochter auf Teilzeit umgestellt.

Unterstützung ist wichtig

Ein Porträt-Foto von Alina Baeskow und ihrer Tochter Matilda (Foto: privat) Ein Porträt-Foto von Alina Baeskow und ihrer Tochter Matilda (Foto: privat)

Alina Baeskow mit ihrer Tochter Matilda

Als Alleinerziehende, die ihrem Kind gerecht werden will, aber auch einen Studienabschluss anstrebt, ist Alina Baeskow in einer Extremsituation. Glücklicherweise kann sie auf die Unterstützung ihrer Familie zählen: Sie darf für die Hälfte der regulären Miete im Elternhaus wohnen und ihre Mutter holt die Kleine auch mal von der Kita ab.

Außerdem bekommt die 26-Jährige Unterstützung von der Hochschule und vom Studentenwerk Schleswig-Holstein: Sie nahm während ihrer Schwangerschaft und der Elternzeit Urlaubssemester in Anspruch und Matilda besucht Betreuungseinrichtungen des Studentenwerks. Darüber hinaus erhielt Alina Baeskow ein „Geburtsgeld“ in Höhe 130 Euro vom Studentenwerk, außerdem bekommt sie staatliches Elterngeld, Kindergeld und einen Unterhaltsvorschuss. Damit kommt sie zurecht.

Mehr Chancengleichheit schaffen

„Für Alleinerziehende ist es trotz aller Unterstützung sehr schwierig, Elternschaft und Studium zu vereinbaren“, sagt Isabelle Kappus, Leiterin der Servicestelle „Familienfreundliches Studium“ des Deutschen Studentenwerks. Die Servicestelle unterstützt mit finanzieller Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) Studentenwerke und Hochschulen bei der Bereitstellung einer familienfreundlichen Infrastruktur für Studierende mit Familienaufgaben. „Wir wollen mit unseren Angeboten einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten“, fasst Isabelle Kappus zusammen. Rund 6 Prozent der Studierenden in Deutschland sind Eltern. Durchschnittlich sind diese Studierenden 35 Jahre alt, also etwas älter als Alina Baeskow.

Die deutschen Studentenwerke betreiben bundesweit 209 Kitas mit mehr als 9.100 Plätzen für Kinder bis zu sechs Jahren. „Sie bieten flexible Kinderbetreuung in Randzeiten an, beispielsweise wenn Studierende abends noch Lehrveranstaltungen besuchen müssen.“ Familienfreundliche Wohnungen stellen die Studentenwerke ebenfalls zur Verfügung, in Mensen gibt es kostenloses oder vergünstigtes Essen für die Kinder, Spielecken, Still- und Wickelmöglichkeiten. An manchen Standorten gibt es zur Geburt des Kindes ein Begrüßungspaket mit Geld für die Babyausstattung. Außerdem organisieren einige Studentenwerke Elternstammtische und Eltern-Kind-Spielgruppen für den Austausch. In Pandemiezeiten wurden Angebote auf virtuelle oder Outdoor-Formate umgestellt.

Bei der Sozialberatung der Studentenwerke bekommen werdende oder junge Eltern Rat zu finanziellen Fragen oder dazu, wie sie die neue Situation managen können. „Auch die Hochschulen helfen den Studierenden mit Kind: Erste Anlaufstelle hierfür ist das Familien- oder das Gleichstellungsbüro“, sagt Isabelle Kappus. „Hier werden die Studierenden beraten, inwiefern ihnen die Hochschule bei der Studienorganisation entgegenkommen kann – mit einem Urlaubssemester, der Umstellung auf ein Teilzeitstudium oder der Verschiebung von Prüfungen.“ Als dritten Pfeiler zur Unterstützung nennt die Expertin staatliche Finanzhilfen wie Elterngeld, Kindergeld, Kinderbetreuungszuschläge im Rahmen des BAföG oder Unterhaltsvorschuss. Auch Wohngeld zu beantragen, kann eine Option sein.

Eine mentale Unterstützung könne, laut Isabelle Kappus, darüber hinaus der Austausch mit Kommilitoninnen und Kommilitonen in der gleichen Situation sein. Das Leben Studierender mit Kind unterscheide sich grundlegend von dem ihrer Mitstudierenden ohne Kinder. Daher sei es eine gute Idee, sich zu vernetzen und gegenseitig praktisch zu unterstützen, aber auch einfach mal darüber zu reden, wie das Studium mit Kind ist.

Kinder im Studium – auch ein Vorteil?

Isabelle Kappus ist der Meinung, dass Eltern mit Hilfe der verschiedenen Unterstützungsmaßnahmen durchaus erfolgreich studieren können. Und sie geht sogar noch weiter: „Es kann nach unserer Erfahrung Vorteile haben, bereits im Studium ein Kind zu bekommen: Man ist jung und flexibel. Zudem entzerrt es gewissermaßen die Rush Hour des Lebens, die Jahre zwischen dreißig und vierzig, in denen viele Menschen gleichzeitig Beruf, Familiengründung und vielleicht noch einen Hausbau bewältigen müssen.“ Ein Kind könne auch Motivation sein, ein Studium erfolgreich durchzuziehen, und fördere den persönlichen Reifeprozess. Zudem könnte es beim Berufseinstieg ein Vorteil sein, die Familiengründungsphase bereits hinter sich zu haben.

Weitere Informationen

arbeitsagentur.de – Familie und Beruf vereinbaren

Auf ihrer Internetseite informiert die Bundesagentur für Arbeit unter anderem über Themen wie Kindergeld oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
www.arbeitsagentur.de/familie-und-kinder

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier findest du Informationen über Studienmöglichkeiten in ganz Deutschland.
studienwahl.de

Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit

Die Studiensuche hilft dir bei der optimalen Auswahl deines Studienorts oder Studienfachs.
arbeitsagentur.de/studiensuche

Deutsches Studentenwerk

Der Verband der 57 deutschen Studenten- und Studierendenwerke mit Sitz in Berlin mit Ansprechpartnern beispielsweise zur Hochschulpolitik, studentischem Wohnen oder studentischer Kultur.
www.studentenwerke.de 

Servicestelle für Familienfreundliches Studium

Familienfreundlich leben und studieren – die Studenten- und Studierendenwerke machen es möglich. Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
www.studentenwerke.de/de/content/test-1

Studierendenwerk Berlin

Hier gibt es auf der Homepage einen empfehlenswerten Bereich mit einer detaillierten Broschüre rund ums Studieren mit Kind.
www.stw.berlin

Sozialerhebung

Die statistischen Daten zum Leben mit Kind in Deutschland stammen aus der letzten Sozialerhebung 2016.
www.sozialerhebung.de 

Studieren mit Kind

Studieren mit Kind ist oft keine leichte Aufgabe – hier gibt es Infos und Tipps dazu.
www.studieren-mit-kind.org 

Bundesstiftung Mutter und Kind

Die Stiftung hilft schwangeren Frauen in Notlagen.
ww.bundesstiftung-mutter-und-kind.de