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ab(i)checken: Wie hilft mir ein Praktikum bei der Berufsorientierung?

Einfach mal machen und ausprobieren – so könnte das Motto eines Praktikums lauten. Praktische Erfahrungen in einem Tätigkeitsbereich, einem Beruf und (verschiedenen) Unternehmen zu sammeln, kann ungemein förderlich für die Berufsorientierung sein. Wie ein Praktikum jungen Menschen bei der beruflichen Orientierung hilft und was Praktikantinnen und Praktikanten tun können, um das Beste aus ihrer Praxiserfahrung herauszuholen, beantwortet diese abi» Podcast-Folge.

  • Portrait von Anna Katharina H.

    Das Wichtigste ist, dass man die Neugierde behält, Lust auf Neues hat und Eigeninitiative zeigt. Und ich glaube, man sollte sich auch keine Gedanken machen, ob man vielleicht in ein Fettnäpfchen treten könnte oder nicht. Wichtiger ist, dass man aktiv bleibt im Praktikum.

    Anna Katharina Hirseland

Textversion des Podcasts zum Lesen (Audio-Transkript)

Jingle: abi», dein Podcast für die Berufsorientierung.

abi»: Einfach mal machen und ausprobieren: So könnte das Motto eines Praktikums lauten. Praktische Erfahrungen in einem Tätigkeitsbereich, einem Beruf und verschiedenen Unternehmen zu sammeln, kann ungemein förderlich für die Berufsorientierung sein. Wie ein Praktikum jungen Menschen bei der beruflichen Orientierung hilft und was Praktikantinnen und Praktikanten tun können, um das Beste aus ihrer Praxiserfahrung herauszuholen, beantwortet dir diese abi» Podcast-Folge, in der ich mich mit der Berufsberaterin Frau Anna Katharina Hirseland unterhalten habe. Viel Spaß dabei, und jetzt erst mal herzlich willkommen, Frau Hirseland!

Anna Katharina Hirseland: Danke für die Einladung.

abi»: Frau Hirseland, warum ist es sinnvoll, in der beruflichen Orientierung Praktika zu absolvieren?

Anna Katharina Hirseland: Oh, da gibt es sogar ganz viele Gründe, warum ein Praktikum sinnvoll sein kann. Zum einen ermöglicht ein Praktikum Einblicke in den beruflichen Alltag. Man hat Ideen von seinen Interessen und bestenfalls auch von den eigenen Fähigkeiten, die man mitbringt. Aber um zu überprüfen, wie dieser Berufsalltag tatsächlich abläuft und ob die eigenen Vorstellungen der Realität entsprechen, ist so ein Praktikum ganz wunderbar, um erste Einblicke in diesen Berufsalltag erhalten zu können. Und durch das Praktikum kann man dann eben herausfinden, was bedeutet das überhaupt, in einem bestimmten Beruf zu arbeiten, wie sind Arbeitsabläufe in einem Unternehmen, und welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten gibt es überhaupt, die damit verbunden sind, mit dem Beruf, den ich mir vorstellen könnte.

Man kann darüber hinaus Erfahrungen sammeln, einerseits über sich selbst, aber auch über die Arbeit, die im Praktikum vollzogen wird, die vielleicht auch für den Beruf später wichtig sind. Und man hat dann auch die Möglichkeit, eigene Stärken und eigene Schwächen nochmal zu reflektieren und zu erkennen, wo brauche ich vielleicht noch mal andere Fähigkeiten, oder welche Fähigkeiten darf ich noch ausbauen, um in meinem Beruf, den ich mir dann ausgewählt habe, noch erfolgreicher sein zu können. Ein dritter Punkt, den es noch gibt, sind die Netzwerke, die ich mir während eines Praktikums aufbaue. Es ist gerade jetzt zu Zeiten des Fachkräftemangels so, dass ganz oft auch Ausbildungsverhältnisse aus einem Praktikum heraus entstehen. Es ist eigentlich ganz schön, weil sowohl der Arbeitgeber als auch der Schüler oder die Schülerin merken, ja, es funktioniert mit den beiden ganz gut zusammen, von beiden Seiten dann eine positive Erfahrung, sodass dann eben auch ein positiver Faktor daraus entstehen kann, dass man vielleicht sofort einen Ausbildungsplatz oder einen Job später in der Tasche hat.

Ein Praktikum kann dann eben auch helfen, vielleicht nochmal als vierter und letzter Punkt, einfach Annahmen über einen Beruf oder eine Branche zu bestätigen, zu validieren oder auch vielleicht sogar zu revidieren, also, dass man merkt, okay, ich hatte jetzt in dem Moment Vorurteile, die lassen sich überhaupt nicht bestätigen. Es könnte doch ein Job für mich sein, den ich vorher gar nicht so in Betracht bezogen habe. Oder man bestätigt halt, die Realität des Berufsalltags passt mit dem überein, was ich mir vorgestellt habe.

abi»: Okay, Dankeschön schon mal. Also das heißt, es spricht ja wirklich viel dafür, mal ein Praktikum zu machen.

Anna Katharina Hirseland: Genau.

abi»: Was würden Sie denn sagen: Zu welchen Zeitpunkten sind Praktika empfehlenswert für Schülerinnen und Schüler?

Anna Katharina Hirseland: Da darf man tatsächlich so ein bisschen differenzieren. In manchen Schulen ist es ja so, dass das Praktikum sowieso ab Klasse zehn schon in den Lehrplan mit eingebaut ist. An anderen Schulen beginnen die Praktikumsphasen ab Klasse elf und zwölf. Die Chancen sollte man auf jeden Fall nutzen, sich für Praktika zu entscheiden, die vielleicht schon den Interessen entgegenkommen. Man darf aber ruhig auch gerne noch die Ferien nutzen, wenn man sich dazu motivieren kann. Es gibt auch ganz oft die Möglichkeit, in den Herbstferien oder in den Osterferien beispielsweise einfach mal die Wochen zu nutzen und verschiedene Berufe noch mal kennenzulernen, und dann ist eigentlich ein ganz guter Zeitpunkt für die berufliche Orientierung, um dann eben auch später die Bewerbungsfristen einhalten zu können.

abi»: Wenn sie dann ein Praktikum antreten, wie können sich junge Menschen optimal auf die Erfahrung vorbereiten?

Anna Katharina Hirseland: Also, um sich vorzubereiten, hilft es, genau, sich gut zu informieren: Wer ist mein Ansprechpartner oder meine Ansprechpartnerin in dem Unternehmen? Man hat sich vielleicht auch schon mit den Arbeitszeiten vertraut gemacht, die einem bevorstehen werden. Das heißt, man erscheint pünktlich, man informiert sich vorher schon, wie wird mein Arbeitsweg sein während des Praktikums? Wie kann ich das organisieren, morgens pünktlich zum Praktikumsbetrieb hinzukommen? Muss ich gegebenenfalls noch mal vielleicht auch eine Fahrgelegenheit, eine Mitfahrgelegenheit, organisieren? Welche Kleidung benötige ich im Unternehmen, oder gibt es spezielle Vorgaben, die ich vielleicht vorher erfragen sollte? Dann ist es auch immer ganz gut, das Handy vielleicht an den Tagen des Praktikums aus zu lassen oder wenigstens stumm zu schalten, also nicht zu viel zu nutzen. Genau, vor allem während des Praktikums ist es einfach wichtig, präsent zu sein und viel Interesse und Eigeninitiative zu zeigen.

abi»: Ganz viele Tipps, das ist super. Jetzt sind sie schon darauf eingegangen: Die nächste Frage ist: Was kann ich als Praktikantin oder Praktikant tun, um das Beste aus dem Praktikum herauszuholen? Wenn sie noch etwas haben, was sie anfügen möchten? Jetzt sehr gerne.

Anna Katharina Hirseland: Genau, also, das Wichtigste ist eigentlich, dass man die Neugierde behält, dass man Lust auf Neues hat und die Eigeninitiative zeigt. Und ich glaube, man sollte sich auch keine Gedanken machen, ob man vielleicht in ein Fettnäpfchen treten könnte oder nicht, weil wichtig ist einfach, dass man freundlich bleibt, Fehler vielleicht auch zugeben kann, aber dass man vor allem aktiv bleibt im Praktikum.

abi»: Ja, das heißt, man lernt viele Softskills auch, oder darf schon mal viele Softskills anwenden.

Anna Katharina Hirseland: Ja, genau das ist ja auch das Schöne, dass man vielleicht auch im Nachgang einfach mal um ehrliches Feedback bitten kann, vielleicht auch eine Beurteilung erfragen darf. Und dann, im besten Fall erhält man natürlich auch eine Referenz, die man dann den Bewerbungsunterlagen zufügen kann.

abi»: Das ist natürlich ein weiterer Nutzen, den man aus einem Praktikum ziehen kann. Sprechen wir mal über die Vergütung. Wann werden denn Praktika vergütet, und welche Rechte und Pflichten habe ich?

Anna Katharina Hirseland: Die regulären Schulpraktika werden in der Regel nicht vergütet. Es ist so, dass man ab dem 18. Lebensjahr dem Mindestlohn unterliegt, also, dass dann, wenn man außerhalb der Schule ein Praktikum absolviert, dieses Praktikum vergütet werden könnte. Genau, früher war das tatsächlich anders, da wurden keine Praktika vergütet. Es ist aber so, dass man schon einen gewissen Kostenaufwand für ein Praktikum haben könnte, wenn es vielleicht Fahrtkosten sind, die der Arbeitgeber aber nicht übernimmt, oder wenn man vielleicht doch nochmal eine Unterkunft organisieren müsste. Das muss man dann mit dem Arbeitgeber klären, inwieweit der dann entgegenkommen könnte. Aber längere Praktika werden inzwischen in der Regel vergütet.

abi»: Und können Sie noch was zu Rechten und Pflichten während des Praktikums sagen?

Anna Katharina Hirseland: Genau, man unterschreibt in der Regel, also gerade bei längeren Praktika, einen Praktikumsvertrag, das heißt, man hat auch Tage zur Verfügung, die man sich frei nehmen kann, im Prinzip Urlaubstage. Und man ist dann auch über den Arbeitgeber versichert, in dem Moment, also hat eine Unfallversicherung, falls was passieren sollte.

abi»: Jetzt stellen wir uns mal vor, ich bin eine Schülerin, die gerade festgestellt hat, dass ihr die Tätigkeit und vielleicht sogar der Praktikumsbetrieb gut gefallen. Wie könnte es jetzt weitergehen?

Anna Katharina Hirseland: Das ist erst mal richtig schön, wenn man so gestärkt aus einem Praktikum rausgeht, dass man für sich validiert hat, das, was ich mir vorgestellt habe, entspricht auch tatsächlich der Realität, und ich könnte mir das für meinen späteren beruflichen Weg gut vorstellen. Dann gibt es einmal die Möglichkeit zu schauen, wie ist das Verhältnis mit dem Praktikumsunternehmen: Hat man da so gute Kontakte geknüpft, dass sich vielleicht im Abschlussgespräch Gelegenheit bietet, anzugeben, dass man sich durchaus vorstellen könnte, im Unternehmen zu bleiben? Oder, im besten Fall, wird man vielleicht sogar tatsächlich angesprochen, ob man sich nicht eine Ausbildung oder eine weitere berufliche Karriere im Unternehmen vorstellen könnte. Man hat sonst auch immer die Möglichkeit, sich natürlich auf andere Ausbildungsstellen in diesem Bereich zu bewerben. Und da könnte man auch immer gerne sich an die Berufsberatung beispielsweise wenden, die dann mit Rat und Tat zur Seite steht, natürlich auch noch verschiedene Arbeitgeber kennen in diesem Bereich, die vielleicht eine Ausbildung anbieten. Dann wäre der nächste Schritt, sich einfach fleißig zu bewerben.

abi»: Das ist das Positivbeispiel. Jetzt gibt es natürlich auch noch die andere Seite. Was raten sie jungen Menschen, die durch ein Praktikum herausgefunden haben, was sie nicht machen möchten, aber noch keine Alternative kennen?

Anna Katharina Hirseland: Auch da würde ich jetzt erst mal versuchen, das Ganze positiv zu sehen. Das heißt, es ist im ersten Augenblick natürlich eine Enttäuschung, dass das, was man sich vorgestellt hat, einfach nicht den eigenen Interessen entspricht. Andererseits bietet das auch eine Chance, andere Bereiche noch mal zu betrachten und neue Chancen zu sehen, um nochmal andere berufliche Felder kennenzulernen. Auch da kann man sich nochmal an seine Berufsberaterin oder an seinen Berufsberater wenden, um nochmal neu anzusetzen, zu überlegen, welche Alternativen könnte man sich noch vorstellen? Welche beruflichen Felder hat man vielleicht auch noch gar nicht im Blick gehabt? Und auch dann kann ich immer dazu ermutigen zu sagen: Okay, ich lerne vielleicht einfach noch mal andere Felder kennen und gehen nochmal in weitere Praktika.

abi»: Oder man schaut auch einfach mal auf abi.de.

Anna Katharina Hirseland: Oder auf abi.de, selbstverständlich.

abi»: Ja, vielen Dank, liebe Frau Hirseland, für die vielen Antworten und die Tipps und Hinweise. Danke, dass Sie heute dabei waren.

Anna Katharina Hirseland: Gerne, es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

abi»: Sehr schön! Weitere Beiträge zum Thema Praktikum findest du auf abi.de, beispielsweise im Top Thema „Berufsorientierung mit Praktika“. Bewerbungstipps für ein Praktikum gibt es auf abi.de in der Rubrik Bewerbung > Praktikum und Nebenjob. Weitere Podcasts findest du auf abi.de > Interaktiv > Podcasts. Das war dein abi» Podcast. Redaktion und Produktion Corinna Grümpel für den Meramo Verlag im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit.

Weitere Informationen

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit listet 350 Filme über Ausbildungsberufe und Studiengänge.

www.berufe.tv 

Studienwahl.de

Im Infoportal der Bundesagentur für Arbeit in Kooperation mit der Stiftung für Hoch­schul­zulassung gibt es Informationen und Orientierungshilfen für Studieninteressierte.
www.studienwahl.de/orientieren

BERUFENET

Das Onlinelexikon der Bundesagentur für Arbeit bietet über 3.000 aktuelle Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

www.arbeitsagentur.de/berufenet

Check-U – das Erkundungstool der Bundesagentur für Arbeit

Mit dem Erkundungstool Check-U findest du heraus, welche Ausbildungsberufe und Studienfelder besonders gut zu deinen Stärken und Interessen passen.

www.check-u.de

Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit

In der Studiensuche kannst du recherchieren, welche Studiengänge an welchen Hochschulen in Deutschland angeboten werden.

web.arbeitsagentur.de/studiensuche