Zwei in einem

Werkzeug und Ordner liegen auf einem Schreibtisch
Duale Studiengänge verbinden Theorie und Praxis miteinander.
Foto: Martin Rehm

Duales Studium

Zwei in einem

Wissenschaftliches Studium plus Berufserfahrung: Wer dual studiert, qualifiziert sich gleichzeitig in Theorie und Praxis. Dies erfordert gute Selbstorganisation und bringt Vorteile: etwa abwechslungsreiches Lernen und eine monatliche Vergütung bereits im Studium.

Carina Hahn (24) hat ihren dualen Abschluss in der Tasche: Sie hat das IT-Förderstudium der Bundesagentur für Arbeit absolviert. Das theoretische Wissen erwarb sie im Informatikstudium an der Technischen Hochschule Nürnberg, die Praxiserfahrungen kamen im IT-Systemhaus, dem operativen IT-Dienstleister der Bundesagentur für Arbeit, dazu. „Mir war wichtig, nicht nur theoretisch und wissenschaftlich etwas zu lernen, sondern auch zu erfahren, wie man dieses Wissen im Beruf einsetzen kann“, begründet sie ihre Entscheidung für das duale Studium. „Ich wollte schon immer beruflich etwas Naturwissenschaftliches machen. Logisches Denken fasziniert mich. Allerdings wollte ich dabei nicht allein vor dem Computer sitzen. Im IT-Systemhaus arbeiten wir in Teams. So kommt auch das Zwischenmenschliche nicht zu kurz.“

Theorie direkt anwenden

Ein Porträt-Foto von Carina Hahn

Carina Hahn

Foto: privat

Ihr Studium an der Technischen Hochschule Nürnberg hat Carina Hahn gemeinsam mit den Vollzeitstudierenden in Informatik absolviert: „Ich habe genauso Vorlesungen, Übungen und Praktika besucht, Hausaufgaben und Prüfungen gemacht, wie meine Kommilitonen in Vollzeit“, erzählt sie. „Die Praxisphasen fanden in den Semester-, Weihnachts- und Osterferien statt. Außerdem habe ich während meines Praxissemesters im IT-Systemhaus gearbeitet und meine Bachelorarbeit über Wissensmanagement dort geschrieben.“

Ihr an der Hochschule erworbenes Wissen zu Themen wie Grundlagen der Informatik, Programmiersprachen oder Rechnersysteme konnte die Informatikerin direkt anwenden. „Im Betrieb bekomme ich einen Überblick über die praktischen Aufgabengebiete und weiß, was ich mit der Theorie anfangen kann. Außerdem erhalte ich so eine Orientierung, was ich nach dem Studium gerne machen möchte“, erzählt Carina Hahn. In den Praxisphasen lernte sie in ihrer 39-Stunden-Woche die Arbeit in den verschiedenen Teams des IT-Systemhauses kennen, erledigte Aufgaben aus den Abteilungen und bearbeitete eigene kleine Projekte, wie die Programmierung eines Tools für ein kleines Team in der Abteilung. „An der Praxis gefällt mir besonders, für die Nutzer einen Mehrwert zu schaffen“, erklärt die Informatikerin. „Wenn wir als Feedback bekommen, dass eine entwickelte Software die Arbeit tatsächlich erleichtert, gibt das unserer Tätigkeit einen Sinn.“

Gehalt und Übernahme

Ein weiterer Vorteil der dualen Variante war für Carina Hahn die Vergütung, mit der sie ihr Studium finanzieren konnte. Der monatliche Grundbetrag wurde in den Praxisphasen noch aufgestockt. Allerdings erfordert die doppelte Qualifikation auch ein gutes Zeitmanagement, um Theorie- und Praxisphasen unter einen Hut zu bekommen. „In den Semesterferien ist man immer im Betrieb und hat dort nur wenige Urlaubstage. So muss man lernen, sich zu anderen Zeiten Freiräume zu schaffen.“

Ihr duales Studium schloss Carina Hahn mit dem Bachelor of Science ab. Seitdem arbeitet sie im IT-Systemhaus der Bundeagentur für Arbeit als Softwareentwicklerin, hält Schulungen und ist Scrum Master eines Teams, eine besondere Position im Projektmanagement.

Zwei Lernorte

Immer mehr Studienanfänger entscheiden sich dafür, ihr Studium dual zu absolvieren: „Ein duales Studium findet in der Regel an einer Fachhochschule, einer Berufsakademie oder einer Universität statt und ist mit einer integrierenden Berufsausbildung oder mit Praxisphasen in einem Unternehmen verzahnt,“ erklärt Silvia Hofmann vom Fachportal für duale Studiengänge „AusbildungPlus“ des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). „Mindestens zwei Lernorte werden miteinander verbunden, zwischen denen in regelmäßigen Abständen gewechselt wird. Im Vergleich zu klassischen Studiengängen hat ein duales Studium einen höheren Praxisbezug. Die Berufspraxis im Betrieb und das Studium an der Hochschule sind eng miteinander verknüpft.“

„Aktuelle Trends zeigen, dass vor allem Ingenieurwissenschaften eine beliebte Wahl sind“, erläutert Silvia Hofmann. „An zweiter und dritter Stelle stehen Wirtschaftswissenschaften und Informatik, danach folgt der Bereich Soziales, Pflege, Erziehung und Gesundheit, der in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Auch im öffentlichen Dienst gibt es Angebote für beispielsweise Verwaltung, Polizei oder Zoll.“ (Mehr Infos zum dualen Studium im Öffentlichen Dienst findest du hier.)

Angebot steigt

Egal, ob ausbildungs-, praxis- oder berufsintegrierend (Informationen zu den verschiedenen Modellen des dualen Studiums findest du in den FAQ), die Anzahl der dualen Studiengänge und dual Studierenden ist gestiegen: „Das Format entwickelt sich in allen Fachrichtungen“, so die Expertin von AusbildungPlus. „Für die Erstausbildung mit ausbildungs- und praxisintegrierenden Formaten gab es 2011 noch knapp 900 Angebote. Mittlerweile sind es 1.592. Mit 1.100 Studiengängen gehören die Fachhochschulen zu den größten Anbietern, bei den Universitäten gibt es lediglich 69, der Rest verteilt sich auf die Duale Hochschule Baden-Württemberg (211) und die Berufsakademien (186). Die Zahlen der dual Studierenden insgesamt sind auf über 100.000 gestiegen.“

Herausforderung mit vielen Vorteilen

Wer sich für ein duales Studium entscheidet, qualifiziert sich nicht nur doppelt, sondern erarbeitet sich auch gute Jobchancen: „Der hohe Praxisbezug macht es möglich, das im Studium erworbene Wissen direkt im Betrieb anzuwenden. Das steigert die Lernmotivation. Außerdem haben Absolventen später sehr gute Übernahmechancen in den Unternehmen“, fasst die Expertin von AusbildungPlus zusammen. „Allerdings sind die Anforderungen durch die straffe zeitliche Organisation und die hohe Lernbelastung sehr hoch. Es ist ein Studium für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler: Sie brauchen sehr viel Selbstdisziplin, gutes Organisationstalent und sehr gutes Zeitmanagement.“

Belohnt werden die Studierenden bei ausbildungsintegrierenden Varianten sogar mit zwei Abschlüssen. Außerdem bekommen dual Studierende, schon während des Studiums ein Gehalt durch das Unternehmen ausbezahlt. Neben der zeitlichen Herausforderung durch die doppelte Qualifikation können auch zusätzliche Anforderungen durch die beiden Lernorte hinzukommen. So ist es möglich, dass Studienort und Betrieb nicht in unmittelbarer Nähe liegen und man zwischen zwei Wohnsitzen pendeln muss.

Dual im Master

Die meisten Absolventen dualer Studiengänge wechseln nach dem Bachelorabschluss direkt in den Beruf. Für die Weiterqualifikation durch Masterstudiengänge gilt es, sich im Vorfeld genau zu informieren: „Manchmal gibt es Probleme, wenn dual Studierende einen Masterstudiengang aufnehmen möchten“, erklärt Silvia Hofmann. „Die Zulassung wird meist individuell geprüft. Sollte die Qualifikation durch das duale Studium nicht für die Aufnahme in den Masterstudiengang reichen, gibt es aber separate Kurse zur Vorbereitung.“ Da geht es ihnen wie allen Absolventen grundständiger Studiengänge, die einen Master anschließen möchten.

Weitere Informationen

studienwahl.de
Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. In der erweiterten Suche kannst du hier speziell nach dualen Studiengängen suchen.
studienwahl.de

 

Hochschulkompass
Auf der Seite der Hochschulrektorenkonferenz findest du in einer Datenbank duale Studiengänge.
www.hochschulkompass.de

 

BERUFENET
Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.500 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
berufenet.arbeitsagentur.de

 

berufsfeld-info.de
Infoportal der Bundesagentur für Arbeit. In der Berufswelt Studium kannst du dich über die für dich passenden Berufe und Studienrichtungen informieren.
berufsfeld-info.de/abi

 

AusbildungPlus des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)
In diesem Portal für das duale Studium gibt es zahlreiche Informationen und eine Datenbank für die Suche nach Studiengängen.
www.bibb.de/ausbildungplus/de/index.php

 

hochschule dual
Hier findest du alle Infos über das duale Studium in Bayern
www.hochschule-dual.de

 

Duale Hochschule Baden-Württemberg
www.dhbw.de

 

Duales Studium Hessen
Seite der IHK Darmstadt mit Informationen über das duales Studium in Hessen.
www.dualesstudium-hessen.de

 

Duales Studium Brandenburg
Infoportal und Stellenbörse zum dualen Studium in Brandenburg
www.duales-studium-brandenburg.de

 

Duales Studium.de
Plattform mit Informationen, Erfahrungsberichten und Foren rund um das duale Studium
www.duales-studium.de

 

Wegweiser duales Studium
Studienführer für das duale Studium mit Informationen und Datenbanken zum Finden von Stellen und Studiengängen
www.wegweiser-duales-studium.de

 

Mein duales Studium
Angebot der Westfälischen Hochschule mit Informationen über das duale Studium für Schüler und Unternehmen. Hier findest du auch Erfahrungsberichte von dual Studierenden.
mein-duales-studium.de

 

Duales Studium – FAQ

Fragen und Antworten rund um das duale Studium

Lieber Theorie oder doch eher Praxis? Für abi» erklärt Prof. Dr. Franz-Xaver Boos, wissenschaftlicher Leiter von „hochschule dual“, der Dachmarke für das duale Studium in Bayern, wie duale Studiengänge beides kombinieren.

Duales Studium: Was ist das überhaupt?

„Das duale Studium definiert sich dadurch, dass es zwei Lernorte verbindet. Da ist auf der einen Seite die Hochschule und auf der anderen Seite der Betrieb oder die Einrichtung, in dem beziehungsweise in der die Studierenden arbeiten. Die beiden Lernorte stehen jedoch nicht lose nebeneinander, sondern sind zeitlich, vertraglich, organisatorisch und inhaltlich verzahnt. Im Gegensatz zum klassischen Studium werden die theoretischen Inhalte gleich in der Praxis angewendet. Von einer Ausbildung mit Zusatzqualifikation unterscheidet sich das duale Studium durch das wissenschaftliche Arbeiten, das an der Hochschule vermittelt wird. Das duale Studium gibt es hauptsächlich in den Fachgebieten Wirtschaft, Technik und IT, Umwelt und Naturwissenschaft, Gesundheit und Soziales sowie Gestaltung.“

Welche unterschiedlichen Studienmodelle gibt es?

Ein Porträt-Foto von Franz-Xaver Boos.

Prof. Dr. Franz-Xaver Boos

Foto: Julia Bergmeister

„Für junge Leute mit Hochschulzugangsberechtigung sind das ausbildungsintegrierende und das praxisintegrierende Modell interessant. Bei ersterem wird eine klassische Ausbildung mit einem Bachelorstudium verbunden, wie beispielsweise eine Ausbildung zum Mechatroniker mit einem Maschinenbaustudium. Am Ende erreichen die Studierenden eine abgeschlossene Lehre und einen Hochschulabschluss. Bei der praxisintegrierenden Variante werden vertiefte praktische Phasen bei einem Praxispartner in das Studium eingebaut. Einen zusätzlichen Abschluss erhalten die Studierenden hier nicht. Außerdem gibt es noch das berufsintegrierende Modell, bei dem die Berufstätigkeit mit dem Studium kombiniert wird. Dieses Modell ist besonders häufig bei Masterstudiengängen zu finden.“

Welche Zulassungsvoraussetzungen muss man erfüllen, wenn man ein duales Studium beginnen möchte?

„In der Regel läuft die Bewerbung für ein duales Studium zunächst über den Praxispartner. Betriebe oder Unternehmen suchen sich in einem Bewerbungsverfahren die geeigneten Kandidaten aus. Was sie außer der allgemeinen oder der Fachhochschulreife an Anforderungen stellen, steht in der jeweiligen Stellenanzeige, die man auf Karriereportalen, in der Datenbank von „hochschule dual“ oder der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit findet. Bei den meisten staatlichen Hochschulen ist darüber hinaus eine Bewerbung an der Hochschule notwendig. Dabei sind die Bewerbungsformalitäten der Hochschulen zu beachten. Bei manchen Studiengängen, insbesondere in Ballungsräumen, kann es Zulassungsbeschränkungen geben.“ (Umfangreiche Informationen zur Bewerbung für ein duales Studium findest du in der abi>> bewerbungsbox)

Wann sollte man sich für ein duales Studium bewerben?

„Generell gilt: So früh wie möglich. Im Idealfall beim dualen Praxispartner mindestens ein Jahr vor Arbeitsantritt. Definitiv sollte man sich aber frühzeitig informieren, um keine Bewerbungsfrist zu verpassen. Spätentschlossene können es im Einzelfall aber auch noch kurzfristig versuchen. Die Fristen für die Bewerbung und die Immatrikulation an den Hochschulen sind aber zwingend einzuhalten.“

Wie ist das duale Studium aufgebaut und wie lange dauert es in der Regel?

„Das duale Bachelorstudium dauert sechs bis sieben Semester. An einer dualen Hochschule wechseln dabei die Theorie- und Praxisphasen alle drei Monate. An anderen Hochschulen, an denen die dual Studierenden mit Vollzeitstudenten zusammen studieren, finden die Praxisphasen in den Semesterferien statt. Außerdem wird das Praxissemester im Betrieb absolviert und die Bachelorarbeit dort geschrieben.“

Wie finanzieren sich dual Studierende?

„Die Studierenden bekommen vom Praxispartner ein Gehalt. Die Beträge können je nach Branche, Bundesland und Unternehmen sehr unterschiedlich sein. Sie können zwischen rund 500 Euro und 1.800 Euro im Monat schwanken. Fallen Studiengebühren an, was meist nur bei privaten Hochschulen der Fall ist, werden diese meistens übernommen. Reicht die Vergütung nicht für die Lebenshaltung, gibt es noch die Möglichkeit, die klassischen Studienfinanzierungshilfen, wie Stipendien oder BAföG, in Anspruch zu nehmen. Zeit für einen weiteren Nebenjob haben duale Studierende in der Regel nicht.“

Ist es möglich, im dualen Studium eine Zeit im Ausland zu verbringen?

„Es gibt die Möglichkeit, ein Semester an einer ausländischen Hochschule zu studieren oder ein Praktikum im Ausland zu machen. Ein Studienauslandssemester ist mittlerweile problemlos möglich. Eine Praxisphase im Ausland zu verbringen, muss mit dem Arbeitgeber abgestimmt werden.“

Müssen dual Studierende die Berufsschule besuchen?

„Die Studierenden in ausbildungsintegrierenden Studiengängen müssen die Abschlussprüfung für ihre Ausbildung bestehen. Es ist nicht vorgeschrieben, dass sie dafür zur Berufsschule gehen. Viele tun dies jedoch, da sie den Stoff lernen müssen. Manche Unternehmen bieten für die Vorbereitung zur Prüfung aber auch Intensivkurse an.“

Für wen ist ein duales Studium besonders geeignet?

„Wer studieren möchte und gerne praktisch arbeitet, der kann in einem dualen Studium beides gut miteinander verbinden. Die beiden Lernorte und die direkte Anwendung machen das Studium für viele leichter. Allerdings legt man sich dabei von vornherein auf eine Richtung fest.“

 

Personalreferentin

Gutes Personal finden

Von der Einstellung bis zum Austritt: Stefanie Krebs (28) arbeitet in der Personalabteilung der Diakonie-Krankenhaus Harz GmbH in Elbingerode und ist Ansprechpartnerin für alle Personalfragen der Mitarbeiter.

Wenn das Krankenhaus neue Mitarbeiter sucht, ist Stefanie Krebs gefragt: Stellenanzeigen aufgeben, Bewerbungen sichten, Bewerbungsgespräche führen. „Zu meinen Aufgaben gehört alles rund um die Einstellung neuer Mitarbeiter“, erzählt sie. „Nach der Auswahl verfasse ich die Zu- beziehungsweise Absagen und erstelle den Arbeitsvertrag und andere Einstellungspapiere.“ Weiterhin führt sie für die Mitarbeiter des Krankenhauses die Lohn- und Gehaltsabrechnung durch und ist Ansprechpartnerin für Personalfragen, wie Urlaubsanspruch oder Überstunden. „Auch wenn ein Mitarbeiter austritt, kümmere ich mich um den Verwaltungsablauf“, ergänzt sie.

Die Arbeit in der Personalabteilung gefällt Stefanie Krebs: „Ich mag es, mit Menschen zu arbeiten“, sagt die Personalreferentin. „Gerade in Bewerbungsgesprächen ist es spannend, zu sehen, wer sich alles beworben hat. Wo bekomme ich gutes Personal her? Diese Frage ist immer wieder eine Herausforderung.“

Duales Studium

Ein Porträt-Foto von Stefanie Krebs

Stefanie Krebs

Foto: privat

Auf ihre Tätigkeit in der Personalabteilung wurde Stefanie Krebs in ihrem ausbildungsintegrierenden dualen Studium vorbereitet. Sie hat BWL / Dienstleistungsmanagement an der Hochschule Harz in Wernigerode studiert und parallel die Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen bei der Diakonie-Krankenhaus Harz GmbH absolviert. „Während des Studiums war ich in mehreren Abteilungen der Klinik tätig, zum Beispiel in der Finanzbuchhaltung, in der Patientenverwaltung, der Rezeption und natürlich im Personalwesen“, erzählt sie. „So kannte ich beim Berufseinstieg das ganze Unternehmen und war durch die praktischen Erfahrungen bestens vorbereitet. Es war ein großer Vorteil war, dass ich bereits mit den Kollegen zusammengearbeitet habe.“

Dabei war der Weg in die Personalwesen für Stefanie Krebs nicht von Anfang an klar: „Nach dem Abitur wusste ich nicht, in welche Richtung ich beruflich gehen möchte. In einem Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit wurde mir das duale Studium vorgestellt. Ich habe mich dafür entschieden, um durch die Ausbildungsvergütung während des Studiums finanziell unabhängig zu sein. Außerdem war mir wichtig in Wernigerode studieren, in Elbingerode arbeiten und in der Heimat wohnen bleiben zu können. Zwei Berufsabschlüsse innerhalb von vier Jahren zu erlangen, ist ein weiterer großer Vorteil.“

Zwei Abschlüsse

Um diese zu erreichen, ist jedoch eine Menge Lernerei nötig. Um die IHK-Abschlussprüfung für die Ausbildung als Kauffrau im Gesundheitswesen zu bestehen, musste sich Stefanie Krebs viel Lernstoff aneignen: „Anders als üblich in der Ausbildung bin ich nicht zur Berufsschule gegangen, sondern hatte im Praxissemester meines Studiums einen Privatlehrer einer Umschulungsagentur, mit dem ich die Themen vor der Prüfung durchgegangen bin“, berichtet sie. „Insgesamt bedeutet das duale Studium etwas weniger Freizeit als für die Kommilitonen, die Vollzeit studieren. Für mich war allerdings die Abwechslung zwischen Theorie und Praxis sehr wertvoll. Man sieht direkt, wofür die Theorie gebraucht wird.“

An der Hochschule absolvierte die Personalreferentin das gleiche Programm wie die Vollzeitstudenten. „Ich war sozusagen ein Prototyp“, erklärt sie. „Weder die Hochschule noch das Krankenhaus hatten bisher den dualen Studiengang mit der Ausbildung angeboten. So habe ich genauso Vorlesungen zu Arbeitsrecht, Buchführung, Kosten- und Leistungsrechnung oder Personalmanagement besucht wie die anderen BWL-Studenten. Und wie sie habe ich das Studium mit dem Bachelor of Arts abgeschlossen. In der Praxis habe ich dann zusätzlich erfahren, wie diese theoretischen Grundlagen mit Hilfe von Computersystemen und Programmen tatsächlich umgesetzt werden und wie die Personalarbeit am Mitarbeiter praktiziert wird.“

Leichterer Berufseinstieg

Der Berufseinstieg fiel Stefanie Krebs deshalb leichter als ihren Kommilitonen, die sich nach dem Vollzeitstudium erst einmal eine Stelle suchen mussten: „In meinem Vertrag stand von vornherein fest, dass ich übernommen werde. Die Sorge, nach dem Studium keinen Job zu bekommen, hatte ich also nicht.“ Auch eine Karriereperspektive gibt es schon: „Ich möchte erst viel Erfahrung im Personalwesen sammeln und meine fachlichen Kenntnisse vertiefen. Denn für das Personalmanagement wird ein gewisser Erfahrungsschatz gebraucht.“

 

Maschinenbau dual

Zwischen Lasern und Robotern

Marko Hansen (24) studiert Maschinenbau in der industriebegleiteten Variante an der Fachhochschule Kiel. Praktische Erfahrungen sammelt er in einem Unternehmen für Lasertechnik.

Schon in der Schule hat sich der Maschinenbaustudent besonders für Physik interessiert. So entschied er sich, nach dem Abitur eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei der Nutech GmbH in Neumünster, einem Betrieb für Fertigungen mit Lasertechnik, zu machen. „Während der Lehre habe ich gemerkt, dass ich mich gerne weiter qualifizieren möchte“, erzählt Marko Hansen. „Ein duales Studium hat sich für mich angeboten, da ich weiter Praxiserfahrung sammeln wollte und durch das Gehalt keine Probleme mit der Studienfinanzierung bekommen habe.“

Studienplatz durch Eigeninitiative

Die Bewerbung um den Studienplatz lief bei dem Industriemechaniker allerdings anders als sonst: „Ich habe mich bei der Nutech GmbH immer sehr wohl gefühlt“, berichtet er. „Deshalb habe ich mich nicht auf Stellen in anderen Unternehmen beworben, sondern bei der Geschäftsführung nachgefragt, ob ich nicht im Unternehmen dual studieren könnte. Mein Vorschlag stieß auf Interesse, auch wenn die Firma das duale Studium bisher nicht angeboten hatte und sich erst einmal mit der FH Kiel in Verbindung setzen musste.“

Mittlerweile studiert Marko Hansen zusammen mit Vollzeitstudenten Maschinenbau im vierten Semester. Einen Tag pro Woche und die kompletten Semesterferien arbeitet er in der Firma. Außerdem wird er seine Bachelorarbeit im Unternehmen schreiben. „An der Hochschule lernen wir die theoretischen Grundlagen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich und in den technischen Fächern, wie Mechanik, Werkstofftechnik oder Maschinenkonstruktion. Da geht es dann beispielsweise darum, wann wo welche Kraft wirkt“, erläutert der Maschinenbaustudent.

Theorie und Praxis im Wechsel

Ein Porträt-Foto von Marko Hansen

Marko Hansen

Foto: privat

Seine Arbeit bei dem Unternehmen für Lasertechnik hat sich im Vergleich zur Lehre verändert: „In der Ausbildung habe ich vor allem an der Maschine gestanden und gedreht oder gefräst“, erzählt Marko Hansen. „Jetzt betreue ich Produktionsprozesse oder plane beispielsweise den Aufbau der Maschine für eine Schweißnaht. Da der Betrieb mit Lasern arbeitet, habe ich mich dort zusätzlich mit den Grundlagen für optische Berechnungen beschäftigt. Besonders spannend war für mich der Aufbau einer Roboteranlage für einen neuen Produktionsprozess, den ich mit Unterstützung meiner Betreuer durchgeführt habe.“ Dabei spielt nicht nur die technische Umsetzung eine Rolle, sondern auch der Nachweis der Qualität der eigenen Arbeit gegenüber dem Kunden.

Im dualen Studium gefällt Marko Hansen vor allem die Abwechslung zwischen Theorie und der Anwendung im Betrieb: „Man sieht so gleich in der Praxis, wie sinnvoll das Gelernte ist“, findet er. „Ein weiterer Vorteil ist das Gehalt, das ich von der Firma bekomme. Außerdem bezahlt der Betrieb bei Schwierigkeiten im Studium Zusatztutorien und zusätzliche Lehrgänge in Projektwochen. Da haben wir dual Studierenden gegenüber den Vollzeitstudenten einen Vorteil.“

Übernahme gesichert

Beim Thema Freizeit ist er hingegen im Nachteil, oder? „Ich habe Urlaubsanspruch und arbeite nicht das ganze Jahr durch“, erklärt er. Da unterscheidet er sich nicht von Kommilitonen, die neben dem Studium einem Nebenjob nachgehen und etwa Praktika in den Semesterferien machen. „Lediglich der Druck, im Studium gut abzuschneiden, ist bei der dualen Variante etwas größer, weil die Noten ja auch im Betrieb vorgezeigt werden müssen.“

Nach dem Bachelorabschluss möchte Marko Hansen noch ein Masterstudium dranhängen, am besten auch dual. „An der FH Kiel kann man sich im Masterstudiengang auf Robotertechnik spezialisieren, was mich sehr interessiert und ein Markt der Zukunft ist, wo Fachkräfte gebraucht werden. Meine Übernahme im Betrieb, wo es mir sehr gefällt, ist bereits vertraglich festgehalten.“

 

Duales Studium – Statements Personalverantwortliche

Mit Engagement dual studieren

Worauf achten Personalverantwortliche bei der Einstellung für ein duales Bachelor- oder Masterstudium? Welche Perspektiven bietet die Qualifikation in Theorie und Praxis? abi» hat bei drei Unternehmen nachgefragt.

Daniel Plötz, Leiter Ausbildung beim Energiedienstleister Avacon AG

Die Avacon AG bietet im technischen Bereich Stellen für dual Studierende der Studiengänge Elektrotechnik (mit IHK-Abschluss Elektroniker/in für Betriebstechnik) und Versorgungstechnik, im kaufmännischen Bereich für den Studiengang Betriebswirtschaftslehre (beide mit praktischen Phasen). Das Format mit der Kombination aus Theorie und Praxis hat sich für uns bewährt, da wir unsere Studierenden gezielt für unser Unternehmen ausbilden und ihnen die für die Energiebranche nötigen Spezialisierungen vermitteln können. Mit dem Abschluss haben die Absolventen ein Netzwerk gebildet, kennen sich im Unternehmen aus und identifizieren sich damit.

Ein Porträt-Foto von Daniel Plötz

Daniel Plötz

Foto: privat

Bei unserem Auswahlverfahren gibt es einen Bewerbertag mit allgemeinen Tests und Gruppenarbeiten sowie ein persönliches Gespräch. Neben der Note im Abitur kommt es uns vor allem darauf an, dass die Bewerber teamfähig sind, Initiative zeigen und sich gut organisieren können. Außerdem brauchen sie ein selbstbewusstes und offenes Auftreten, da sich die Studierenden bei den Praxisdurchläufen immer wieder an den verschiedenen Standorten neu orientieren müssen. In den technischen Studiengängen werden sie nach den elektrotechnischen Grundlagen im ersten Jahr mit Projektmanagementtätigkeiten betraut. Im Studiengang Betriebswirtschaftslehre ist die praktische Tätigkeit eng mit dem Lehrplan der Hochschule verzahnt.

Nach dem Studium möchten die meisten Absolventen bei der Avacon AG bleiben. Wir überlegen mit ihnen gemeinsam, welche Bereiche im Unternehmen sie sich für ihre berufliche Tätigkeit vorstellen können. Unser Ziel ist es, eine langfristige und unbefristete Perspektive mit dem bestmöglichen Arbeitsplatz zu finden.

Barbara Strohbücker, Pflegewissenschaftlerin und Mitbegründerin des dualen Studiengangs „Klinische Pflege“ an der Uniklinik Köln

Die Uniklinik Köln bietet mit der Kölner Universität den dualen Studiengang „Klinische Pflege“ an, der nach vier Jahren mit dem Bachelor of Science und dem Ausbildungsabschluss als Gesundheits- und Krankenpfleger endet. Damit möchten wir den Bereich der Pflege in der Uniklinik Köln weiterentwickeln. Indem der Weg von der wissenschaftlichen Forschung zur Praxis kürzer wird, können wir auch im pflegerischen Bereich Innovationen aus der Forschung für die Uniklinik nutzen. So können wir die Pflege durch innovative Konzepte oder neue pflegerische Angebote voranbringen.

Ein Porträt-Foto von Dr. Barbara Strohbücker

Dr. Barbara Strohbücker

Foto: Medizin Foto Köln

Die Bewerber für den dualen Studiengang nehmen zunächst am Auswahlverfahren für die Ausbildung des Gesundheits- und Krankenpflegers mit Onlinetests zu allgemeinem Wissen und Fähigkeiten teil. Danach folgt ein Bewerbungsgespräch, in dem die Aufgaben im Pflegeberuf besprochen werden und die Bewerber möglichst gut begründen, warum sie das duale Studium in der Pflege absolvieren möchten. Mitbringen sollten sie neben der Hochschulreife vor allem Kommunikationsstärke, Teamfähigkeit, Empathie und Interesse an der direkten Arbeit mit kranken oder behinderten Patienten. Die Studierenden lernen in ihrer Ausbildung alles zur Patientenversorgung. Zusätzlich erwerben sie an der Universität die Fähigkeit, mit wissenschaftlicher Literatur umzugehen, zu moderieren oder theoretische Konzepte zu entwickeln.

Wir möchten die Absolventen später bewusst in der Praxis halten. Dort können sie die Pflege voranbringen und zusätzliche Aufgaben übernehmen, etwa in der Ausbildung sowie der Patienteninformation und -beratung.

Renate Collins, Head of University Programs bei dem Technologiekonzern Voith GmbH & Co. KGaA

Neben Möglichkeiten zum dualen Studium, die zum Bachelorabschluss führen, bieten wir in Kooperation mit dem Center for Advanced Studies (CAS) der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) auch Stellen für duale Masterstudierende in den Fächern Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen an. Die Studiengänge mit Praxisphasen werden meist von Studierenden genutzt, die ihr Bachelorstudium bereits dual absolviert haben. Für uns ist dies eine Methode zur Bindung von Fachkräften ans Unternehmen, wenn diese den Wunsch haben, sich weiter zu qualifizieren, um noch besser für die Arbeitswelt gerüstet zu sein. Offen sind sie jedoch für alle Bewerber mit einem Bachelorabschluss und Berufserfahrung, die ihr Fachwissen und ihre praktischen Tätigkeiten vertiefen möchten.

Ein Porträt-Foto von Renate Collins

Renate Collins

Foto: privat

Für die Auswahl von extern gibt es ein Bewerbungsverfahren und Interviews, bei denen wir neben der fachlichen Komponente Wert darauf legen, dass die Bewerber persönlich zu unserem Unternehmen passen und sich in die Teams integrieren können. Wichtig ist uns außerdem die Motivation, denn die doppelte Belastung aus beruflicher Tätigkeit und Studium ist sehr fordernd. Dabei stellen wir fest, dass es Masterstudierende, die schon länger im Beruf arbeiten und dort gefestigt sind, leichter haben.

Bei der Voith Group können sich die Masterstudierenden entscheiden, ob sie eine Fach- oder eine Führungskräftelaufbahn einschlagen wollen. Für unsere Personalentwicklungsstrategie brauchen wir beides: fachliche Experten und Absolventen, die Teams führen können.


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Stand: 29.02.2020