zum Inhalt

abi» Coaching: Was tun bei Prüfungsangst?

Schlaflose Nächte, schwitzige Hände, ein Blackout während der Klausur – all das können Anzeichen von Prüfungsangst sein. Wie man am besten damit umgeht und wo Betroffene Hilfe finden, erklärt Beraterin Birgitt Bongers von der Agentur für Arbeit in Essen.

Jemand sitzt an einem Tisch mit einem Stift in der Hand und schreibt etwas auf ein Blatt Papier (Foto: Bundesagentur für Arbeit)

Merve:

In meiner Vorprüfung fürs Abitur passierte es zum ersten Mal: Ich saß vor dem leeren Blatt und wusste plötzlich nicht mehr, was ich schreiben soll. Dabei konnte ich den Stoff in- und auswendig und war super vorbereitet. In den Abiprüfungen fiel es mir ebenfalls sehr schwer, meine Nervosität in Schach zu halten. Zum Glück habe ich die Prüfungen bestanden, aber leider nicht so gut, wie ich es wollte. Im Herbst beginne ich im Bachelor BWL zu studieren und habe jetzt schon Angst, in den Klausuren schlecht abzuschneiden oder durchzufallen. Was kann ich dagegen tun?

Birgitt Bongers, Agentur für Arbeit Essen:

Porträtfoto von der Beraterin Birgitt Bongers. (Foto: Falk Lindemann) Porträtfoto von der Beraterin Birgitt Bongers. (Foto: Falk Lindemann)

Liebe Merve,

zunächst ist zu sagen, dass die Aufregung vor einer Prüfung etwas Normales ist, denn: wir begeben uns in eine Situation, die mit Unsicherheiten behaftet ist. Dabei steigt der Adrenalinspiegel an und hält uns erst einmal wach und aufmerksam, ähnlich wie das Lampenfieber bei Schauspielerinnen und Schauspielern vor dem Auftritt. Die Aufregung hat also den positiven Effekt, unsere Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten. Ansonsten würden wir Tests und Prüfungen womöglich auf die leichte Schulter nehmen und uns unzureichend vorbereiten.

Sobald sich jedoch diese Aufregung in eine Form von Angst verwandelt, die uns lähmt oder blockiert, unser Konzentrationsvermögen mindert oder Symptome wie Zittern, Schweißausbrüche und Magenschmerzen verursacht, wird sie zu einem echten Problem, das behandelt werden sollte. Auch wenn uns Prüfungsangst in Klausuren so beeinträchtigt, dass wir unser Wissen nicht mehr abrufen können oder Prüfungen gar nicht mehr antreten, sollte etwas dagegen unternommen werden.

Du weiß nicht, ob du unter Prüfungsangst leidest? Online findest du verschiedene Fragebögen zum Selbstcheck, die dir helfen können, das herauszufinden. Z.B. hier: www.pruefungsratgeber.de

Wie entsteht Prüfungsangst?

Generell können Prüfungsängste zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Leben auftreten – und das auch in unterschiedlicher Intensität. Dabei ist es egal, ob du dich in den Schul- oder Abiklausuren, an der Hochschule oder in der Ausbildung befindest. Auch die Auslöser können vielfältig sein, und die Prüfungsangst kann eventuell in Verbindung mit anderen Ängsten auftreten. In der Regel verschwinden Prüfungsängste nicht von allein, sondern Betroffene müssen aktiv gegensteuern. In einem ersten Schritt ist es wichtig, sich selbst einzugestehen, dass man Hilfe benötigt und sich diese sucht. Danach kann man die Ursachen für die Angst herausfinden und Mechanismen erlernen, mit ihr umzugehen.

An wen kann ich mich bei Prüfungsangst wenden?

Jede Stadt hat Anlaufstellen, an die du dich bei Prüfungsangst wenden kannst. Das sind etwa:

  • die Psychologische Beratung im Berufspsychologischen Service (BPS) deiner örtlichen Arbeitsagentur
  • die Jugendhilfe beziehungsweise der Jugendpsychologische Dienst deiner Stadt
  • die Psychologische Beratung an deiner Hochschule
  • dein Studierendenwerk
  • die Assistierte Ausbildung (AsA) deiner örtlichen Arbeitsagentur

Tipp: Manche Hochschulen und Studierendenwerke bieten neben Einzelgesprächen auch Workshops zum Thema Prüfungsangst an.

Wie kann ich lernen, mit Prüfungsangst umzugehen?

In einem Einzel- oder Gruppengespräch bei der Einrichtung deiner Wahl steht in der Regel zuerst die Ursachenforschung im Vordergrund: Woher könnte meine Angst kommen? Wie stark ist die Angst und ist sie womöglich mit anderen Ängsten verbunden? Oftmals gibt es einen tieferliegenden Grund, woher Prüfungsangst kommt. Das kann Leistungsdruck von außen sein, Zukunftsängste oder die Angst, nicht gut genug zu sein.

Im Anschluss werden gemeinsam Handlungsansätze erarbeitet und Fragen geklärt, wie etwa: Welche personellen (z.B. Einstellungen, Wünsche, Bedürfnisse, Problemlösungsfähigkeiten) und zwischenmenschlichen (z.B. Unterstützung in Familie und Freundeskreis) Ressourcen habe ich? Welche Techniken zur Emotionsregulierung gibt es (z.B. Autogenes Training, Yoga, Atemübungen)? Wie ist mein Selbst- und Zeitmanagement? Darauf folgt konkrete Aufklärungsarbeit, in der nachgeforscht wird: Wie lerne ich am besten? Wie gestalte ich den Tag vor der Prüfung und den Prüfungstag selbst?

Werden schwerwiegende Ängste erkannt, sollte eine Psychotherapie oder eine Selbsthilfegruppe aufgesucht werden, in der auf die psychische Belastung eingegangen werden kann.

Gibt es Ausbildungen oder Studiengänge, die man mit Prüfungsangst besser umgehen sollte?

Prüfungsangst bleibt Prüfungsangst. Egal, in welchem Studienfach oder Ausbildungsberuf man sich befindet: Die Prüfung wird sowieso kommen. Die Hauptsache ist, dass die Ursachen der Angst behandelt werden.

Weitere Informationen

Berufspsychologischer Service (BPS) der Bundesagentur für Arbeit

www.arbeitsagentur.de/ueber-uns/berufspsychologischer-service

Assistierte Ausbildung (AsA) der Bundesagentur für Arbeit

www.arbeitsagentur.de/bildung/ausbildung/assistierte-ausbildung-machen

Deutsches Studentenwerk

www.studentenwerke.de