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Studienwechsel: „Ein Wechsel ist definitiv kein Weltuntergang“

Nach zwei Semestern Soziologiestudium hat sich Ceyda O. entschieden, ihr Studienfach zu wechseln. Unterstützung erhielt sie dabei unter anderem durch die Studienberatung. Mittlerweile studiert sie im sechsten Semester Betriebswirtschaftslehre – und ist froh, den Wechsel gewagt zu haben.

Ein Mann sitzt an einem PC und recherchiert auf der Webseite einer Universität. (Foto: Katharina Kemme)

Schon im ersten Semester ihres Soziologiestudiums kamen Ceyda O. Zweifel, ob sie mit ihrem Studiengang wirklich die richtige Wahl getroffen hatte. „Anfangs dachte ich, ich muss mich erst ins Studium einfinden“, berichtet die 22-Jährige. „Doch dann gab es da diesen einen Moment in einer Statistikvorlesung, in dem ich plötzlich wusste, ich kann die Zweifel nicht mehr wegschieben.“

Nach ihrem Abitur hatte sie sich für verschiedene Studiengänge beworben, darunter auch Soziologie und Betriebswirtschaftslehre. Als die Zusage der Universität Duisburg-Essen für Soziologie kam, schrieb sie sich ein. „Es wäre hilfreich gewesen, ich hätte mir vorher ein paar Vorlesungen ansehen können“, sagt Ceyda O. „So habe ich erst nach und nach gemerkt, dass mir viele Fächer in dem Studiengang viel zu statistiklastig sind, das konnte ich mir auf Dauer nicht vorstellen.“

Unterstützung durch die Studienberatung

Ein Porträt-Foto von Ceyda (Foto: privat) Ein Porträt-Foto von Ceyda (Foto: privat)

Ceyda

Schließlich fasste sie nach zwei Semestern den Entschluss, das Studienfach zu wechseln. „Erst einmal machte mir die Entscheidung Angst“, erinnert sie sich. „Ich hatte immer die Vorstellung gehabt, dass ich einen geraden Weg gehen muss.“ Sie sprach mit Familie und Freunden über ihre Zweifel. „Meine Eltern haben super reagiert und mir gesagt, dass sie mich unterstützen werden, egal welchen Weg ich gehe.“

Auch bei der Allgemeinen Studienberatung ihrer Hochschule holte sie sich Unterstützung. Sie wollte gern an ihrer Uni bleiben: „Die Studienberater hätten mir aber auch weitergeholfen, wenn ich einen Hochschulwechsel geplant hätte.“ Gemeinsam loteten sie ihre Interessen aus, um herauszufinden, welches Fach besser zu ihr passen könnte. Ihre Wahl fiel schließlich auf Betriebswirtschaftslehre (BWL). „Der Entschluss fiel mir leichter, weil ich mich bereits mit der Uni und ihren Strukturen auskannte“, berichtet Ceyda O. weiter. „Ich habe mir den Studienverlaufsplan und die Inhalte genau angesehen. Außerdem habe ich mit meinem Mitbewohner gesprochen, der BWL studiert und mir ein paar Einblicke geben konnte.“

Ein besseres Bauchgefühl

Der formale Wechsel des Studienfachs verlief problemlos. „Ich habe mich auf dem üblichen Weg beworben und konnte mich nach der Zusage im Immatrikulationsbüro einschreiben – das dauerte zwei Minuten.“ Da sie in den ersten zwei Semestern ihres Soziologiestudiums nicht viele Klausuren geschrieben hatte, konnte sie sich keine Leistungen für das BWL-Studium anrechnen lassen. Anspruch auf Kindergeld hat Ceyda O. weiterhin, da zwischen Studienabbruch und Studienstart keine Pause lag und sie die Altersgrenze von 25 noch nicht überschritten hat. BAföG kann die Studentin weiterbeziehen, da der Studienwechsel vor Beginn des vierten Fachsemesters stattfand.

Der Start ins neue Studium fühlte sich für sie anders an als beim ersten Mal. „Natürlich war auch diesmal alles neu, aber ich hatte von Anfang an ein besseres Bauchgefühl. Diesmal habe ich mich direkt in der Fachschaft engagiert, um schnell Anschluss zu finden und dort sehr gute Freunde kennengelernt“, berichtet die Bachelorstudentin, die sich mittlerweile im sechsten Semester befindet.

Die Semester vor dem Studienwechsel empfindet sie nicht als vergeudete Zeit: „Währenddessen habe ich viel über mich und das Studieren gelernt. Zum Beispiel, dass es normal ist, dass man auch mal durch eine Klausur fällt. Oder dass es nicht darauf ankommt, unbedingt in der Regelstudienzeit fertig zu werden“, sagt Ceyda O. Sie weiß heute, dass ein Wechsel definitiv kein Weltuntergang ist.

„Im Gegenteil: Es zeugt von Mut, wenn Menschen sich dazu entscheiden, einen anderen Weg als ursprünglich geplant zu gehen.“ Angst vor negativen Reaktionen potenzieller Arbeitgeber hat sie keine. „Solange man die Entscheidung begründen kann und dahintersteht, zeigt man einem Arbeitgeber damit, dass man weiß, was man will.“