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Justizfachangestellte

Akten voller Leben

Hüsniye Türkmen (21) macht eine Ausbildung zur Justizfachangestellten und hat tagtäglich mit Akten, Protokollen und Schriftverkehr zu tun, die voller Geschichten mitten aus dem Leben stecken.

Türschild eines Sitzungssaals

Die angehende Justizfachangestellte Hüsniye Türkmen ist manchmal bei Gerichtsverhandlungen dabei und führt Protokoll.

Wenn sie nicht mit ihrer Schulkasse im Fach Sozialwissenschaften das Amtsgericht in Bergisch Gladbach besucht hätte, hätte sie wohl vom Beruf des*r Justizfachangestellte*r gar nicht erfahren, mutmaßt Hüsniye Türkmen: „Wir saßen in mehreren Verhandlungen – öffentliche Strafsitzungen – das fand ich sehr spannend.“ Am Ende wies die Richterin auf den Ausbildungsberuf am Gericht hin. Ein Jahr später nutzte sie das Schulpraktikum, um eine Woche dort hinter die Kulissen zu schauen: „Das hat mich bestärkt“, erinnert sie sich.

Hüsniye Türkmen erledigt hauptsächlich verwaltungstechnische und organisatorische Abläufe in der Justiz.

Wer Justizfachangestellte*r wird, arbeitet meist bei Staatsanwaltschaften und Gerichten, also im öffentlichen Dienst. Die Vergütung dort und eine gewisse Jobsicherheit waren für Hüsniye Türkmen weitere Gründe, sich für die Ausbildung zu entscheiden. In Nordrhein-Westfalen dauert die Ausbildung in der Regel 2,5 Jahre, in anderen Bundesländern können es auch drei Jahre sein.

Erben, heiraten, streiten

Mittlerweile ist Hüsniye Türkmen im zweiten Ausbildungsjahr und hat schon einige verwaltungstechnische und organisatorische Abläufe in der Justiz kennengelernt. Derzeit arbeitet sie am Amtsgericht in Bergisch-Gladbach: „Wir haben verschiedene Servicestellen und Abteilungen, die sich zum Beispiel mit Straf- und Familiensachen, Zwangsvollstreckung und mit Grundbucheinträgen befassen“, schildert die 21-Jährige. Beim Amtsgericht kümmern sich Richter*innen nicht nur um Zivilklagen oder Strafverfahren, hier werden auch Testamente hinterlegt, Grundbucheinträge vorgenommen oder Führerscheine eingezogen.

In ihrer Ausbildung zur Justizfachangestellten lernt Hüsniye Türkmen viel über Menschen. Die Akten, Protokolle und der Schriftverkehr, mit denen sie täglich arbeitet, sind voller Geschichten mitten aus dem Leben. Waren es anfangs vor allem die Strafprozesse, die sie faszinierten, sind es heute die Fälle, die vor den Familiengerichten landen. „Jeder hat eine Familie und vieles, was dort verhandelt wird, ist einfach so nah dran am Leben“, erzählt sie. „Bei Familienrecht denken wohl die meisten an das Thema Scheidung. Aber das ist eben nur eine Seite. Es geht auch um Gewalt in Beziehungen, um Kinder und Jugendliche, die in sehr schwierigen Verhältnissen aufwachsen, oder einfach nur um eine Bestätigung, etwa dass eine Scheidungssache abgeschlossen ist, und der- oder diejenige wieder heiraten kann.“ Der damit verbundene Schriftverkehr wird von ihr und ihren Kolleg*innen sorgfältig bearbeitet. „Ganz wichtig ist dabei die Beachtung von Fristen. Hier muss man sehr genau sein, weil das natürlich stets mit Konsequenzen für die Betroffenen verbunden ist“, erzählt die Auszubildende.

Im Gerichtssaal

Hüsniye Türkmen arbeitet bei ihren Aufgaben eng mit Rechtspfleger*innen und Richter*innen zusammen und hat in den Servicestellen Kontakt zu Bürger*innen: „Man sollte gut mit Menschen umgehen können. Denn egal, ob es um die Annahme von Anträgen, Akteneinsicht, Einhaltung von Fristen oder die Beglaubigung von Schriftstücken geht, ich bin immer Ansprechpartnerin und erkläre rechtliche Abläufe und Verfahren“, erläutert sie.

Die angehende Justizfachangestellte sitzt aber nicht nur am Schreibtisch. Manchmal ist sie bei Gerichtsverhandlungen dabei und führt Protokoll. Dann muss sie den Verlauf einer Sitzung mitschreiben: Zeugenaussagen, Äußerungen der Staatsanwält*innen und die Plädoyers der Verteidigung. „Da muss man schnell tippen können und sehr gute Deutschkenntnisse mitbringen“, betont sie. Die kamen ihr schon bei einer ihrer ersten Stationen in der Ausbildung zugute: Bei der Kölner Staatsanwaltschaft hat Hüsniye Türkmen bei der Verfolgung, Anklage und Vollstreckung von Straftaten unterstützt.

Berufsschule und Weiterbildung

Von Anfang an hat sie zweimal die Woche die Berufsschule besucht: Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), Strafgesetzbuch, Zivilprozessordnung – viele Paragrafen kennt sie mittlerweile schon auswendig: „Man sollte Spaß daran haben, Paragrafen anwenden zu können“, sagt sie. Und später? Hüsniye Türkmen hätte die Möglichkeit, sich zum Beispiel zur Gerichtsvollzieherin oder zur Justizfachwirtin weiterzubilden. Ob sie dies anstrebt, kann sie heute noch nicht sagen. Erstmal möchte sie ihre Ausbildung gut beenden.

>> So kann ein typischer Arbeitstag aussehen

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Stand: 22.02.2021

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