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Ausbildung in einer Kanzlei – Checkliste: Karriere mit Recht! Aber wie?

Die Welt der Paragrafen fasziniert dich? Aber du weißt nicht recht, welcher Beruf der richtige für dich ist? Diese Checkliste fasst zusammen, welche Aspekte du berücksichtigen solltest, wenn es heißt: Ausbildung in einer Kanzlei oder Jura-Studium?

Ein Aktenstapel im Gerichtssaal (Foto: Martin Mangunia)

Was genau fasziniert dich an einer Karriere mit Recht?

Mord und Totschlag, Scheidung, Insolvenz, Kündigung: Willst du in menschliche Abgründe blicken oder lieber mit Urkunden und Verträgen hantieren? Findest du Büroarbeit alles andere als langweilig oder wäre es dir wichtig, auch bei Gericht dabei zu sein?

Während Justizfachangestellte, die an Gerichten oder bei Staatsanwaltschaften arbeiten, oft bei Prozessen dabei sind, haben Rechtsanwaltsfachangestellte dazu nicht immer die Gelegenheit – und Notarfachangestellte so gut wie nie. Diese kümmern sich eher um Urkunden und Vertragsangelegenheit, was aber auch spannend sein kann und Einblicke in das Leben und Wirken von anderen gibt.

Willst du dagegen selbst Recht sprechen, Verteidigungsstrategien entwickeln oder in Vertragsangelegenheiten beraten, musst du ein Jurastudium absolvieren. Anders hast du keine Chance Richter*in, Staatsanwalt*in, Rechtsanwalt*in oder Notar*in zu werden.

Wie viel Verantwortung traust du dir zu?

Willst du große Verantwortung übernehmen oder lieber im Hintergrund für Recht und Ordnung sorgen? Stört es dich, wenn dir andere sagen, was du machen sollst?

Wer als Anwalt*in Mandant*innen vertritt, als Staatsanwalt*in Kriminelle anklagt oder als Richter*in Recht spricht, trägt eine große Verantwortung für menschliche und betriebliche Schicksale. Als Anwalt*in musst du zum Beispiel Verteidigungsstrategien entwickeln, die zu einem Freispruch führen. Je nach Fachgebiet gibt es meist mehrere Wege und Vieles ist Verhandlungssache. Es ist also auch Kreativität gefragt.

Justiz-, Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte sorgen im Hintergrund dafür, dass Rechtsfragen im Sinne der Mandant*innen oder des Gesetzgebers geklärt werden. Sie konzipieren nicht, sondern setzen in der Regel nach Vorgaben um. Dennoch tragen sie Verantwortung. Nur wenn sie sorgfältig arbeiten und sich darum kümmern, dass Fristen eingehalten und Akten sauber geführt werden, können eingeschlagene Strategien auch aufgehen.

Wie wichtig sind dir geregelte Arbeitszeiten?

Anwält*innen mögen vielleicht geregelte Arbeitszeiten für ihre Mandant*innen durchsetzen, sind aber nicht bekannt dafür, dass sie selbst einen 9-to-5 Job haben. Laut der Studie „Anwaltstätigkeit der Gegenwart” des Soldan Instituts (2017) beträgt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit eines Rechtsanwalts 51,1 Stunden. Laut dem ReNo Bundesverband ist für Fachangestellte dagegen eine 40-Stunden-Woche derzeit wieder die Regel geworden.

Willst du lieber schnell oder auf lange Sicht mehr Geld verdienen?

Erst Studium, dann Referendariat: Wer studiert muss natürlich erst einmal eine relativ lange Durststrecke ohne Verdienst überstehen. Anders während einer Ausbildung: Justizfachangestellte bekommen bereits im ersten Jahr 1.037 Euro. Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte je nach Bundesland etwas oder einiges weniger. Laut dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit verdienen Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte später durchschnittlich 2.595 Euro und Justizfachangestellte im öffentlichen Dienst 3.307 Euro.

Bei den Juristen ist ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von mehr als 6.150 Euro angegeben. Hier muss man jedoch wissen: Die Ausschläge nach oben und unten können sehr variabel sein. Und der Gehaltsunterschied kommt über die Stundensätze der Kanzlei beziehungsweise die Gebührenordnung für Rechtsanwälte zustande, sprich, es hängt immer davon ab, in welcher Kanzlei man arbeitet.

Reizt es dich, dich weiterzuentwickeln?

Von der Richterin zur Staatsanwältin, vom Pflichtverteidiger zum Staranwalt im Rampenlicht: Nicht nur Jurist*innen können Karriere machen und sich spezialisieren. Für Fachangestellte, die in einer Kanzlei oder bei Gericht eine Ausbildung gemacht haben, gibt es ebenfalls gute Weiterbildungsmöglichkeiten, die helfen, die Karriereleiter weiter aufzusteigen. Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte sind auch kaufmännische Ausbildungen, wer also Gefallen an Zahlen und betriebswirtschaftlicher Denke hat, kann zum Beispiel Rechtsfachwirt*in, Betriebswirt*in für Recht, Rechtsmanager*in, Geprüfte*r Fachwirt*in für Büro und Projektorganisation oder Geprüfte*r Notarfachwirt*in werden.