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Schifffahrtskaufmann – Trampschifffahrt: Schiffe wie Sammeltaxis

Martin Kaven (32) ist für die Beladung hochspezialisierter Tankschiffe in Nord- und Ostsee sowie im Mittelmeer zuständig. Dabei disponiert er die Schiffe und deren Ladung nach Transportbedarf, denn die Trampschifffahrt folgt keinem festen Fahrplan.

Ein Frachter auf dem Nord-Ostsee-Kanal (Foto: Thorsten Mischke)

Die erste Frage, die sich Martin Kaven jeden Morgen stellt, lautet: „Ist noch alles wie gestern?“ Sobald am Morgen sein Computer hochgefahren ist, ruft er die Berichte aus der Abteilung Operations ab. In diesem Bereich finden im Wesentlichen die Verwaltung, Reiseplanung und Kommunikation mit dem jeweiligen Schiff statt.

Läuft dann nicht alles wie geplant, muss Martin Kaven schnell handeln. Viele Vorgänge sind für ihn Alltag, beispielsweise wenn ein Schiff nicht wie geplant an seinem Liegeplatz im Hafen anlegen kann, weil das vorangegangene Schiff nicht pünktlich entladen (gelöscht) wurde. Dann plant der Schifffahrtskaufmann geschickt um und verteilt die Ladungen auf ein oder mehrere andere der 34 Schiffe der Flotte, damit sie termingerecht ihren Bestimmungsort erreichen kann. Da die Flotte aus verschiedenen Schiffstypen besteht, ist seine Kreativität gefragt und das Wissen, das er sich im Laufe der Jahre über die Produkte und seine Schiffe angeeignet hat.

Trampschifffahrt: Fahrpläne selbst gestalten

Porträt Martin Kaven (Foto: Svenja Kaven) Porträt Martin Kaven (Foto: Svenja Kaven)

Martin Kaven

Läuft alles nach Plan, kann Martin Kaven in Ruhe mit Kund*innen oder deren Makler*innen telefonieren und auf dem Markt angebotene Ladung für sein Unternehmen gewinnen. „Bei uns in der Trampschifffahrt werden die Schiffe wie Sammeltaxis beladen“, erklärt er. Es kommen mehrere Parteien mit an Bord, die in etwa die gleiche Zielrichtung haben und sich somit anteilig an den Gesamtkosten der Reise beteiligen.“ Im Gegensatz dazu folgen die Schiffe in der Linienschifffahrt vorgegebenen Fahrplänen und transportieren zumeist Container.

„Viele Konzerne haben Volumenverträge bei uns. Das heißt, diese Ladungen sind über einen gewissen Zeitraum an unsere Reederei gebunden.“ Dafür kann mit guter Vorlaufzeit ein Schiff von A nach B positioniert werden. „Und dann gibt es Ladungen auf dem Markt, für die wir uns mit einem guten Angebot bewerben müssen. Solche Ladungen werden zum Beispiel auf dem bereits positionierten Schiff dazu gebucht. So gestalten wir unsere Fahrpläne“, erklärt Martin Kaven.

Kommunikation und Planungsgeschick

Nach Abitur und Zivildienst bei der Hamburger Feuerwehr startete Martin Kaven 2008 seine Ausbildung bei der Reederei John. T. Essberger. Im Anschluss an die auf zweieinhalb Jahre verkürzte Lehrzeit erhielt er von einer Hafenagentur ein gutes Jobangebot und klarierte (einsatzbereit machen, Anm.d. Redaktion) für drei Jahre Schiffe in Hamburg. Für verschiedene Reedereien meldete er Schiffe bei den Hafenbehörden und beim Zoll an und kümmerte sich um alles, was bei einem Anlauf im Hafen anfallen kann: Er koordinierte Treibstoff- oder Proviantlieferungen und führte Besatzungswechsel durch. Als sich 2014 jedoch eine interessante Stelle im Bereich Operations bot, kehrte Martin Kaven zu seinem Ausbildungsbetrieb zurück.

Seitdem betreut er hochspezialisierte Schiffe, die bis zu 24 Edelstahltanks haben, in denen Chemikalien transportiert werden. Es handelt sich um Ware, die die Industrie beispielsweise für die Herstellung von Kunststoffen oder Reinigungsmitteln benötigt. Und diese muss so auf ein Schiff geladen und kombiniert werden, dass sie sowohl vom Gewicht als auch von ihrer Beschaffenheit zusammenpassen. „Säuren können wir auch nicht neben Laugen transportieren, denn die Stoffe reagieren miteinander“, berichtet der gebürtige Hamburger.

Viel Bewegung in der Branche

Normalerweise fährt Martin Kaven morgens in sein Büro in Hamburg Altona. In Lockdown-Zeiten der Pandemie aber arbeitet er überwiegend von zu Hause. Das hat den Vorteil, dass er direkt nach Feierabend bei seiner Familie ist und keine Zeiten für Wege aufwenden muss. Gleichzeitig vermisst er den direkten Austausch mit Kolleg*innen, den jetzt virtuelle Gespräche ersetzen müssen: „Die Digitalisierung ist mit Corona nochmal vorangeschritten. Wir haben zum Beispiel für jedes unserer 34 Schiffe eine eigene Chat-Gruppe“, sagt er.

Mit dem, was er tut, ist Martin Kaven glücklich, sein Blick bleibt aber nach vorne gerichtet: „Die Firma ist in ständigem Wandel, da bietet sich über kurz oder lang sicher mal eine Aufstiegschance.“

Weitere Infos

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Schifffahrtskaufmann/-frau)
berufenet.arbeitsagentur.de

JOBSUCHE der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

Verband Deutscher Reeder

Der Verband repräsentiert die deutsche Schifffahrtsbranche und führt als Arbeitgeberverband Tarif- und Sozialpartnerverhandlungen. Auf der Internetpräsenz werden alle Ausbildungsberufe rund um die Seeschifffahrt vorgestellt.
reederverband.de

Video: Schifffahrtskaufmann/-frau

Der Artikel enthält ein Video mit weiteren Informationen.

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