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Schifffahrtskauffrau - Linienschifffahrt: Transportweg Nummer eins

Was passieren muss, damit Waren rund um den Globus pünktlich am Zielhafen ankommen, lernt Anna-Lena Kaukel (23) in ihrer Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau, Fachrichtung Linienschifffahrt, bei der Hapag-Lloyd AG in Hamburg.

Ein Frachtbrief (Foto: Stefan Malzkorn)

„Mich begeistert an dem Beruf, dass ich international arbeiten kann und ein Großteil der Kommunikation auf Englisch ist“, sagt Anna-Lena Kaukel. Nach ihrem Abitur zog es die junge Frau zunächst ans andere Ende der Welt. Sie arbeitete als Au-pair in Australien und bereiste das Land sowie den Nachbarstaat Neuseeland. In Auckland beobachtete sie im Hafen, wie die Containerschiffe ein- und ausliefen. Dabei fragte sie sich, welche Waren wohin verschifft werden? Dieser Prozess erschien ihr so spannend, dass sie begann, nach Berufen zu recherchieren, die mit Gütern zu tun haben, die weltweit über den Globus geschickt werden. So kam sie auf den Beruf der Schifffahrtskauffrau.

Den Ausbildungsberuf gibt es in zwei Fachrichtungen: die Linien- und die Trampschifffahrt. Während es bei der Trampschifffahrt keinen festen Fahrplan und keine feste Route gibt, sind diese bei der Linienschifffahrt genau vorgegeben. Anna-Lena Kaukel entschied sich für die Fachrichtung Linienschifffahrt und begann 2018 in Hamburg mit ihrer Ausbildung bei der Hapag-Lloyd AG. Die Linienrederei betreibt Büros in 129 Ländern und transportiert alles, was die rund 240 Containerschiffe fassen können.

Eine Reise durch alle Abteilungen

Porträt von Anna-Lena Kaukel (Foto: Privat) Porträt von Anna-Lena Kaukel (Foto: Privat)

Anna-Lena Kaukel

Anna-Lena Kaukel startete in der Abteilung Operations, die im Containerterminal Altenwerder (CTA) stationiert ist und sich um alles kümmert, was mit dem Hafenaufenthalt der Schiffe sowie End- und Beladen zu tun hat. „Es war toll, mit auf die Schiffe zu gehen und zu sehen, wie die Waren gelöscht werden. Allerdings konnten wir Azubis dort selbst noch nicht so viel machen.“

Ihre nächste Station führte sie in die Abteilung Import- und Export, wo sie nach kurzer Zeit selbstständig Frachten buchen und freistellen durfte. In einer weiteren Ausbildungsstation, dem „Global Tender Management“, unterstützte sie bei der Angebotserstellung für Großkunden. Im „Special Cargo“ lernte sie, welche Materialien und Sicherungsmöglichkeiten benötigt werden, um übergroße Frachtstücke seefest an Bord zu verstauen.

Ihr Favorit ist jedoch die Abteilung Trade-Management. Dort werden die Verkaufsraten, sogenannte Quotations, berechnet. „Ich habe festgestellt, dass es mir besonderen Spaß macht, zu rechnen und zu prüfen, ob unsere vorhandenen Routen und Raten kostendeckend sind“, sagt die 23-Jährige.

Der Handel läuft über den Seeweg

Ebenso interessiert sie nach fast zweieinhalb Jahren Ausbildung noch jeder Frachtbrief, weil dort vermerkt ist, was transportiert wird: vom Hundespielzeug über Autoteile bis zu Bananen. „Fast alles, was bei uns in den Regalen steht, wird über den Seeweg importiert“, sagt Anna-Lena Kaukel, die kurz vor ihrem Abschluss steht. Soeben hat sie ihren letzten sechswöchigen Ausbildungsblock inklusive Abschlussprüfungen in der Berufsschule beendet. Zu den Themen der insgesamt sechs Blöcke gehörten Schiffsaufbau, Vertragswesen, Versicherungs- und kaufmännische Angelegenheiten.

Am interessantesten war für sie jedoch Schifffahrtsmanagement und Geografie. „Wir haben uns mit den wichtigsten Häfen weltweit sowie den verschiedenen Meeren und Kanälen wie dem Panamakanal und Suezkanal beschäftigt. Auch die Auswirkungen des Klimas auf die Schifffahrt waren Thema.“ Und natürlich stand der Hamburger Hafen mit den Terminals und deren Bedeutung auf dem Stundenplan.

Schon vor dem Abschlusszeugnis hat Anna-Lena Kaukel das Angebot für eine Weiterbeschäftigung bekommen, erstmal für ein Jahr. Der finale Bereich ergibt sich aus den folgenden Übernahmegesprächen: „Ich habe mich für den Import beworben und freue mich riesig, wenn es klappt.“

Info

Aufgrund der Covid-19-Pandemie leistet Anna-Lena Kaukel Teile ihrer Ausbildung im Homeoffice ab. Damit kommt die angehende Schifffahrtskauffrau aber gut klar, auch wenn sie den direkten Kontakt zu Kolleg*innen vermisst: „Wir arbeiten viel über einen Messenger, in dem wir schreiben und analog oder über Video telefonieren können. Und mein Unternehmen spannt uns Auszubildende trotzdem gut ein.“ Die Ausbildung gehe trotz gewisser Einschränkungen normal weiter.

Video: Schifffahrtskaufmann/-frau

Der Artikel enthält ein Video mit weiteren Informationen.

Weitere Filme findest du auf der abi» Videoübersicht.

So kann ein Ausbildungstag aussehen >>