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Fachaltenpflegerin: Beziehungsarbeit mit viel Gefühl

Silke Weber arbeitet als Gerontopsychiatrische Fachkraft und übernimmt dabei auch Leitungsaufgaben. Im Mittelpunkt der Arbeit der 27-Jährigen stehen Menschen mit Demenz.

Eine Krankenschwester hält die Hand einer Kranken auf der Palliativstation. Foto: Axel Jusseit

Nach dem Abitur 2012 arbeitete Silke Weber als Altenpflegehelferin und entdeckte ihre Leidenschaft für die Arbeit mit Menschen, die an Demenz leiden. „In der Altenpflege kann man dauerhafte Beziehungen mit den Patienten gestalten“, sagt sie. „In der klinischen Pflege sind die Kontakte eher kurzlebig.“ Deshalb hat sie sich in Richtung Altenpflege orientiert, nachdem sie ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin als ersten Teil eines dualen Studiums an der Katholischen Stiftungshochschule München 2016 abgeschlossen hatte.

Ihre Praxiseinsätze in der Ausbildung hat sie in Einrichtungen der Altenpflege der Barmherzigen Schwestern in München absolviert. Dort arbeitete sie auch nach ihrer Weiterbildung zur Gerontopsychiatrischen Fachkraft. Die Versorgung der Bewohner*innen im Stationsalltag gehört zu ihren Aufgaben, aber der Schwerpunkt sind Koordinationsaufgaben. Als Expertin für die Betreuung von Menschen mit Demenz stellt Silke Weber die individuellen Bedarfslagen fest und plant mit Psychiaterinnen und Psychiatern sowie Ergotherapeutinnen und -therapeuten Maßnahmen wie die Medikamentenversorgung und Therapien.

Menschen mit Demenz brauchen Rituale

Porträtfoto von Silke Weber. (Foto: privat) Porträtfoto von Silke Weber. (Foto: privat)

Silke Weber

Hinzu kommen Beratungsaufgaben. Silke Weber sorgt für die Sensibilisierung der Kolleginnen und Kollegen in der Pflege. Wie kann der Pflegealltag auf die individuellen Anforderungen der Bewohner*innen abgestimmt werden? Welche Rituale helfen, einen tragfähigen Bezug zu Menschen aufzubauen, die sich an Gespräche nicht immer erinnern? Wie kann man die Routinen möglichst flexibel auf die Gemütsverfassung der Menschen abstimmen? Das sind Fragen, die Silke Weber mit ihren Kolleginnen und Kollegen bespricht.

Die Fachweiterbildung hat sie im Rahmen ihres dualen Studiums in etwa 560 Theoriestunden absolviert und neben dem Bachelor of Nursing ein gesondertes Zertifikat erworben. Weil die Weiterbildung Teil des dualen Studiums war, fielen keine Ausbildungsgebühren an. Inhaltlich steht in der Weiterbildung neben der Geriatrie, also den medizinischen Aspekten der Versorgung alter Menschen, die Psychiatrie im Zentrum. Hier geht es zum Beispiel darum, Demenz von Altersdepressionen abzugrenzen. Praktische Themen sind neben Therapieformen die Anleitung und Beratung bis hin zum Case Management, also der Planung der individuellen Versorgungen von Patientinnen und Patienten. Dazu kommen ethische und rechtliche Fragen. „Darf ich einen Bewohner anlügen, um ihn zu beruhigen, wenn er verzweifelt nach einem Menschen ruft, der bereits verstorben ist?“, beschreibt Silke Weber beispielhaft das Problem. Hier heißt es abwägen, mit viel Verantwortung und Feingefühl.

Netzwerke für neue Ideen

Empathie und eine gute Wahrnehmung von Stimmungen und Situationen sind aus ihrer Sicht die wichtigsten Voraussetzungen für den Beruf. Geduld und Flexibilität sollte man ebenfalls mitbringen. Auch gestalten muss man, Strukturen schaffen und Netzwerke mit Experten aufbauen. So bereitet die Fachweiterbildung auf Führungsaufgaben vor. Silke Weber arbeitet seit dem Sommer 2020 im Qualitätsmanagement einer Altenpflegeeinrichtung in Nürnberg, vorher war sie als Wohnbereichsleitung tätig.

Für sie steht als nächste Etappe in ihrer Karriere als „Beziehungsarbeiterin“ der Master in Gerontologie auf dem Programm. „Das schönste Signal ist, wenn ein Bewohner mit Demenz einen Witz macht“, sagt sie. „Wer scherzt, der fühlt sich sicher und geborgen.“