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Pflegefachmann: „Ich will etwas bewegen“

Johan Schietinger ist im ersten Ausbildungsjahr zum Pflegefachmann an der Berufsfachschule Pflege der Rehabilitations- und Universitätskliniken Ulm (RKU). Dafür muss der 18-Jährige nicht nur Empathie mitbringen.

Junger Pflegefachmann sitzt an einem Schreibtisch auf Station und pflegt Daten in eine Krankenakte ein. Foto: Julien Fertl

Für Johan Schietinger war schon vor seinem Abitur im Sommer 2020 klar, dass er im Gesundheitssektor arbeiten will. Während der Schulzeit hat er über Praktika und im Einsatz als Schulsanitäter einen guten Einblick in die Aufgaben gewonnen. „Für die Pflegeausbildung habe ich mich entschieden, weil es hier direkt in die Praxis geht. Das war mir lieber als ein theoretisches Studium.“

Ausbildung zum Allrounder

Porträtfoto von Johan Schietinger (Foto: Monika Staerk) Porträtfoto von Johan Schietinger (Foto: Monika Staerk)

Johan Schietinger

Die neue generalistische Pflegeausbildung eröffnet ihm viele Perspektiven und stillt sein fachliches Interesse. „Medizinisches Wissen zu Krankheitsbildern und zur Prophylaxe ist ein wichtiges Element im Theorieunterricht“, erklärt er. Neben Pflegemanagement und Kommunikation steht auch Lerntheorie auf dem Programm, also die Frage, wie man sich Wissen aneignet. Für Johan Schietinger ist der Anwendungsbezug wichtig. Dazu gehört auch die Vorbereitung auf Themen wie Ekel und Scham, die im Pflegealltag eine Rolle spielen.

Für ihn steht im ersten Ausbildungsjahr die Akutpflege im Mittelpunkt. Sein erster Praxiseinsatz in der Neurologischen Abteilung des RKU dauert drei Monate. Dort werden Patientinnen und Patienten betreut, die einen Schlaganfall hatten oder an Erkrankungen des Gehirns leiden. Sie haben meist motorische oder kognitive Einschränkungen. „Wenn ein Patient nach einem Schlaganfall sein Sprachvermögen verloren hat, ist die Kommunikation besonders anspruchsvoll“, erklärt Johan Schietinger.

Für andere und sich selbst sorgen

Empathie, Gespür für Menschen und Kommunikationsfähigkeit sind für ihn wichtige Voraussetzungen für den Beruf. Die Beratung von Patientinnen und Patienten sowie der Austausch mit Ärztinnen und Ärzten zu Krankheitsbildern interessieren ihn besonders. „Es geht darum, die Probleme der Betroffenen zu analysieren und Lösungen zu entwickeln.“  Die sind häufig ganz praktisch. „Wenn ein Schlaganfallpatient linksseitig gelähmt ist, achten wir darauf, diese Seite zu mobilisieren und stellen den Nachttisch mit dem Mobiltelefon links vom Bett auf.“ In der Pflege sollte man flexibel und anpassungsfähig sein und Stress gut wegstecken können. Pflegekräfte brauchen auch robuste Nerven und Muskeln. „Pflege ist harte physische Arbeit“, betont Johan Schietinger. „Wer einen Patienten lagert, der 100 Kilo wiegt, muss körperlich belastbar sein. Wir lernen auch, wie man sich dabei nicht selbst verletzt oder überlastet.“

Für die Praxisanleitung gibt es eine*n Ansprechpartner*in auf der Station. Mit den Lehrkräften aus der schulischen Ausbildung kann Johan Schietinger Nachfragen zu den Theorieinhalten klären, die sich im praktischen Alltag ergeben. Der Wechsel zwischen Theorie und Praxiseinsatz wird ihn auch auf den weiteren Stationen begleiten. Im ersten Ausbildungsjahr steht für ihn noch die Ambulante Pflege bei einem Pflegedienst oder einer Pflegeeinrichtung auf dem Programm. Während der Ausbildung kann er sich für Vertiefungen in der Langzeitpflege, der Akutpflege oder der Ambulanten Pflege entscheiden und so die Weichen für seine Zukunft stellen.

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