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Kopf oder Bauch?

Bei der beruflichen Orientierung spielen viele Faktoren eine Rolle, die unsere Entscheidung, wohin es gehen soll, beeinflussen. Nicht nur der Kopf meldet sich dann, sondern auch das Bauchgefühl. Doch worauf sollst du hören?

Das Wort "Traumjob" steht auf einer Tafel.

„Ist mein Traumberuf überhaupt realistisch?" fragen sich einige Studieninteressierte.

Theo:

Seit der Grundschule schreibe ich gerne Geschichten und mein Traum wäre es Schriftsteller zu werden. Doch in meinem Umfeld wird mir eher geraten einen sicheren Beruf zu ergreifen und einen handfesten Studiengang wie Jura zu wählen. In den Sommerferien habe ich deshalb ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei gemacht. Das fand ich zwar interessant, aber mein Herz schlägt nicht unbedingt für Jura. Ich fühle mich unsicher: Soll ich die Studienwahl eher aus Vernunftgründen treffen oder meinem Traum nachgehen und mein Bauchgefühl entscheiden lassen?

Margret Klaphecke, Agentur für Arbeit Hamm:

Margret Klaphecke

Lieber Theo,

sowohl dein Kopf – und damit die sogenannten „harten Fakten“ wie etwa deine Schulnoten oder deine finanziellen Möglichkeiten –, als auch dein Bauchgefühl dürfen in der Entscheidungsfindung gleichermaßen eine Rolle spielen. Dabei gilt es abzuwägen: Wieviel Raum kann ich den rationalen Faktoren geben und inwieweit ist es mir möglich „aus dem Bauch heraus“ gute Entscheidungen zu fällen?

Um diese Frage zu beantworten, würde ich dir zunächst raten, dir einen Überblick zu verschaffen. Ob in der Schul- oder Freizeit: Du hast einen eigenen Erfahrungsschatz, der dich prägt. Lieblingsfächer, Hobbys, Praktika und vielleicht Nebenjobs haben dir in der Vergangenheit rationales und emotionales Feedback zu deinen Stärken und Schwächen gegeben. Nachdem du dies abgewogen hast, gilt es zu klären: Spricht deiner Meinung nach vieles dafür, dass du es als Schriftsteller versuchen könntest? Oder sprechen doch grundsätzliche harte Fakten dagegen?

Oftmals erkennt man im Entscheidungsprozess, dass manche Bedenken oder Ängste gar nicht die eigenen sind, sondern eigentlich von den Menschen in unserem persönlichen Umfeld stammen. Es lohnt sich deshalb, einen objektiven Mentor oder eine objektive Mentorin, wie eine/n Berufsberater/in vor Ort aufzusuchen, der/die einen bei der Entscheidungsfindung persönlich unterstützt.

Die Literaturbranche bietet dir einige konkrete Optionen in die kreativen Prozesse des Schreibens hineinzuschnuppern und so die Zeit zwischen Abitur und Studium effektiv zu nutzen. Nachwuchsprogramme oder Stipendien für Jungautor/innen, Workshops für kreatives Schreiben oder Kurzgeschichtenwettbewerbe sind nur ein paar Möglichkeiten, die dir bei der Orientierung helfen können. Zudem kannst du ein Gap Year wunderbar dafür nutzen, weitere praktische Erfahrungen zu machen – etwa durch ein Praktikum im Feuilleton einer Zeitung, einer literarischen Zeitschrift oder in einem Verlag.

Darüber hinaus kann es hilfreich sein, das Studieren einfach mal auszuprobieren. Egal ob es sich um den Studiengang Kreatives Schreiben, ein geisteswissenschaftliches Fach wie Germanistik oder doch das Jurastudium handelt: Ein Schülerstudium verschafft dir schon während der Schulzeit einen Blick hinter die Kulissen des Studienalltags. Hier kannst du dich mit der konkreten Materie eines Studiengangs befassen, vor allem durch den Austausch mit Dozierenden und Mitstudierenden. Einige Hochschulen bieten zudem Orientierungssemester und -jahre an, die einen breiten Überblick verschiedener Fachbereiche geben. So kannst du dir nach dem Abi ein realistisches Bild der Studieninhalte machen, bevor du dich auf einen Studiengang festlegst.

Wichtig ist jedenfalls, dass du einen ersten Schritt gehst. Dabei machst du Erfahrungen und lernst dich selbst besser kennen. Dazu zählt übrigens auch herauszufinden, was du nicht möchtest. Eine Umorientierung im Nachhinein ist übrigens erlaubt.

Dass gewisse Studiengänge oder Berufe zur Arbeitslosigkeit führen, ist eine weitverbreitete Fehlannahme. Häufig werden vor allem geisteswissenschaftliche Fächer oder unbekanntere Nischenstudiengänge als Studiengänge mit „unsicherer“ Zukunft abgestempelt. Dieses Vorurteil kann ich entkräften. Kein Studium kann seinen Absolvent*innen eine hundertprozentige Sicherheit geben. Oft ziehen vermeintlich „sichere“ Studiengänge entsprechend viele Studierende an, was zu schärferen Zulassungskriterien und später einer größeren Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt führt. Ich empfehle Schülern und Schülerinnen daher immer wieder, ihren Blickwinkel zu weiten und sich nach ihren Stärken und Interessen auszurichten.

In erster Linie kommt es nämlich darauf an, was man aus seinem Studium macht. In geisteswissenschaftlichen Fächern, die oftmals breit gefächert sind, ist es beispielsweise wichtig ein Profil zu bilden. Dabei kann es helfen während des Studiums erste praktische Erfahrungen zu sammeln, etwa in Form eines Praktikums oder auch einer Werkstudierendenstelle. Meine goldene Regel der Studienwahl lautet daher: Gucke dir das Modulhandbuch genau an! Der Studienplan gibt dir eine gute Übersicht aller Fächer sowie der Möglichkeiten eines Studiengangs, die meistens mehr umfassen als der erste Blick vermuten lässt.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.

berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

studienwahl.de

 

 

 

Check-U – das Erkundungstool

Das Erkundungstool der Bundesagentur für Arbeit ist eine kostenfreie, bundesweite Online-Anwendung zur beruflichen Orientierung. Teilnehmer können vier Module bearbeiten (Fähigkeiten, soziale Kompetenzen, Interessen und berufliche Vorlieben) und erhalten eine Übersicht über passende Studienfelder und Ausbildungsberufe.

check-u.de

Literaturport

Aktuelle Stipendien auf Literaturport – Plattform für die Förderung und Vernetzung von Schriftsteller/innen sowie für die Literaturvermittlung

www.literaturport.de/preise-stipendien/

Stand: 01.07.2021

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