zum Inhalt

Ingenieur – Elektro- und Informationstechnik: Fasziniert von der technischen Komplexität

Philipp Schmutz (28) ist Ingenieur für Elektro- und Informationstechnik und leitet die Hardware-Abteilung des Münchner Robotik-Unternehmens Magazino, das mobile Roboter baut. Diese werden zum Beispiel in der Logistik eingesetzt und übernehmen die gleichen Aufgaben wie ihre Kolleg*innen aus Fleisch und Blut.

Junger Mann geht auf dem Campus der Universitaet Augsburg mit einem ferngesteuerten fahrbaren Roboter ueber eine Wiese. (Foto: Johannes Simon)

Zielsicher navigiert Toru zwischen den Regalreihen hindurch, in denen mehrere Millionen Paar Schuhe lagern. In den Lagerhallen eines großen Online-Versandhändlers hat der Logistikroboter den gleichen Job wie die Menschen, die dort arbeiten: Er nimmt von Kunden bestellte Waren aus dem Regal und bringt sie zur Übergabestation, wo sie für den Versand vorbereitet werden. Bis zu 16 Schuhkartons gleichzeitig kann er transportieren. Mühelos greift er ins unterste Regalfach oder benutzt seinen Greifarm, den er bis zu zweieinhalb Meter ausfahren kann, um die Kartons in den obersten Fächern zu erreichen. Dank Laserscannern und 3-D-Sensoren ist Toru in der Lage, sich zu orientieren und zuverlässig die richtigen Artikel zu greifen. Das Besondere: Er und die anderen Roboter arbeiten nicht in einem abgetrennten Bereich, sondern direkt neben ihren menschlichen Kolleg*innen. Ein Szenario, das vor einiger Zeit noch undenkbar gewesen wäre.

Toru passt sich stetig an neue Situationen an

Portrait von Philipp Schmutz (Foto: privat) Portrait von Philipp Schmutz (Foto: privat)

Philipp Schmutz

Während Roboter früher lediglich in der Lage waren, die gleichen Abläufe immer und immer wieder auf die gleiche Art und Weise zu wiederholen, nehmen intelligente, autonome Roboter wie Toru ihre Umgebung wahr und können flexibel auf sie reagieren. Kreuzt ein Mensch seinen Weg, stoppt Toru selbstständig oder wählt eine alternative Route. „Die Fähigkeit, sich permanent an neue Situationen anzupassen, ist eigentlich nur Menschen eigen. Gleichzeitig ist der Roboter in der Lage, dem Menschen körperlich anstrengende Tätigkeiten abzunehmen und rund um die Uhr zu arbeiten, was die Prozesse im Logistikzentrum effizienter macht. Er vereint also das Beste aus ‚beiden Welten‘“, erklärt Philipp Schmutz. Der Elektro- und Informationstechnik-Ingenieur arbeitet für das Robotik-Unternehmen Magazino in München, das den Logistikroboter entwickelt hat.

Neben Toru, der vor allem bei Online-Händlern zum Einsatz kommt, hat das Unternehmen auch einen Roboter für die Unterstützung von Industrie- und Produktionsabläufen konstruiert. In der Hardware-Abteilung, die Philipp Schmutz leitet, werden die Sensoren und Aktoren (mechanische Baueinheiten, die elektrische Steuersignale in Bewegung umsetzen, etwa ein Motor, der anspringt oder ein Ventil, das sich öffnet) entwickelt, mit denen die Roboter ausgestattet sind. „Wir bauen zum Beispiel die Platinen, die einzelne Sensoren mit Strom versorgen, Daten verarbeiten und diese an den Bord-Computer des Roboters weitergeben“, erklärt der 28-Jährige. „Die Aktoren, in dem Fall Motoren, müssen absolut sicher sein, damit ein Roboter nie einen Menschen verletzen oder sich selbst beschädigen kann.“ Erreicht wird das durch sogenannte Lower-Level-Software, die das Unternehmen ebenfalls entwickelt. „Sie funktioniert wie das ‚Unterbewusstsein‘ beim Menschen. Bestimmte Handlungen werden damit kategorisch ausgeschlossen und diese Grundregeln können selbst durch regelmäßige Softwareupdates nicht versehentlich beeinflusst werden.“

Jobeinstieg mit Bachelor

Durch sein Bachelorstudium der Elektro- und Informationstechnik an der Technischen Universität München (TUM) kennt sich der Ingenieur auch in der Softwareentwicklung aus. „Das ist ein Vorteil in diesem Job, denn in meinem Arbeitsalltag kommt es häufig vor, dass mir unsere Softwareabteilung ein Problem meldet, zum Beispiel: Der Greifarm des Roboters fährt manchmal nicht in voller Länge aus.“ Dann begibt sich Philipp Schmutz mit Hilfe von Messgeräten und Prüfsoftware auf Fehlersuche und führt Versuche durch, um herauszufinden, ob das Problem beispielsweise bei den Motoren liegt.

Nach seinem Bachelorabschluss hatte er ursprünglich geplant, ein Masterstudium in Elektrotechnik anzuschließen und sich als Werkstudent bei seinem jetzigen Arbeitgeber beworben. Als man ihm dort stattdessen eine Festanstellung anbot, brach er das Studium ab. Eine Entscheidung, die er keine Sekunde bereut: „So konnte ich viel besser herausfinden, welcher Master der richtige für mich ist.“ Mittlerweile hat er berufsbegleitend ein Masterstudium in „Robotics, Cognition, Intelligence“ an der TUM absolviert. „Auch wenn man vieles erst im Job richtig lernt, sind die technischen Grundlagen aus dem Studium wichtig für das Gesamtverständnis. Bei bestimmten Problemstellungen greife ich immer wieder darauf zurück“, erklärt er. Am wichtigsten seien aber technische Kreativität und die Fähigkeit, zu kommunizieren. „Hier werkelt niemand alleine vor sich hin, die Abteilungen stimmen sich immer eng miteinander ab.“ Die Faszination für Robotik und die technische Komplexität dahinter einen ihn und seine Kolleg*innen: „Viele hier haben eine Leidenschaft dafür, arbeiten in ihrer Freizeit an entsprechenden Projekten. Ich habe schon in der Schule gerne mit Platinen experimentiert. Diese Leidenschaft ist wichtig, wenn man etwas Neues entwickeln will. Der Wunsch nach guten Karriereaussichten allein sollte kein Grund fürs Ingenieurstudium sein.“