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Ingenieurin – Feinwerktechnik: Verbesserungen für den Alltag entwickeln

Annekathrin Päßler (34) ist Ingenieurin für Feinwerk- und Medizintechnik. Im Rahmen ihres Promotionsprojekts an der Technischen Universität (TU) Dresden entwickelte sie ein Gerät, um Sprunggelenksfrakturen besser behandeln zu können.

Technische Aufbauten zur Versuchsreihe. (Foto: privat)

Annekathrin Päßler läuft auf dem Flur des Instituts für Feinwerktechnik und Elektronik-Design der TU Dresden auf und ab. Sie trägt Bandagen und hat sich ein Gerät mit Druckkammern um das Fußgelenk geschnallt. Es klingt, als würde ihr Fuß schwer atmen, während die Druckmatten mit Luft befüllt und wieder entleert werden.

Was die Feinwerktechnikerin hier im Selbstversuch erprobt, soll später Patientinnen und Patienten mit einem Bruch im Sprunggelenk helfen: „Das Gerät sorgt dafür, dass das Gewebe um das Sprunggelenk nach einem Bruch nicht so schnell anschwillt“, erklärt die 34-Jährige. „So kann es schneller operiert werden. Die Entwicklung kühlt und sorgt durch eine Art Massage dafür, dass die austretende Gewebeflüssigkeit ins Körperinnere zurückgeleitet wird, um die Schwellung zu minimieren.“

Arbeit am Computer und im Labor

Die Projektarbeit besteht aus zwei Teilen: „Zuerst habe ich Simulationsmodelle am Computer erstellt. Wie fließt das Blut im menschlichen Körper ins Bein und wie ändert sich das bei einem Knochenbruch? Ich wollte herausfinden, wo und wie stark man kühlen und drücken muss, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.“ Um ihre Simulationen zu überprüfen, maß die Ingenieurin im Uniklinikum Dresden bei Patientinnen und Patienten nach, wo sich eine Sprunggelenksfraktur tatsächlich erwärmt.

Zusätzlich entwarf sie mit Hilfe von Studierenden im Labor das Gerät als Modell. Die Ingenieurin erklärt: „Zuerst entwickelt man anhand der Vorgaben eine Konstruktion des späteren Modells am PC. Benötigte Teile werden anschließend bestellt oder in einer Werkstatt gefertigt und zusammengesetzt.“ Erst dann kann der erste Funktionstest erfolgen, etwa: Greifen die Zahnräder optimal ineinander? Wird der Sensor zur Erkennung des Anschlages zum richtigen Zeitpunkt ausgelöst?

Das tägliche Leben vereinfachen

Die Faszination für Feinwerktechnik hat die Ingenieurin im Studium entdeckt. In der Schule hatte sie sich vor allem für Biologie, Mathe und Physik begeistert. In ihrem Elektrotechnikstudium an der TU Dresden spezialisierte sie sich dann auf Feinwerk- und Medizintechnik. „Mir gefällt an der Feinwerktechnik besonders, dass man sieht, wofür man die Arbeit macht“, fasst die Ingenieurin zusammen. „Wie läuft ein Kassenband in der richtigen Geschwindigkeit, wie funktioniert eine Nähmaschine? Das sind alles Fragen aus dem Alltag. Idealerweise entwickelt man dann Geräte, die das normale Leben vereinfachen oder Heilungsprozesse verbessern.“

„Die handwerklichen Fähigkeiten für das Labor lernt man im Studium“, berichtet Annekathrin Päßler. „Ein bisschen Löten sollte man können. Ansonsten bekommt man auch viele Hinweise zum richtigen Zusammenbau aus den Datenblättern, wie beispielsweise für die von mir verwendeten Ventile. Die Entwicklung einer elektrischen Ansteuerung und eine passende Programmierung gehören heutzutage ebenfalls zum Handwerkszeug in unserer Branche. Davon sollte man sich aber nicht gleich abschrecken lassen, da es mittlerweile schon sehr einfache Lösungen gibt, die erste Ergebnisse erzielen.“

  • Ein Porträt-Foto von Annekathrin P.

    Idealerweise entwickelt man dann Geräte, die das normale Leben vereinfachen oder Heilungsprozesse verbessern.

    Annekathrin Päßler, Ingenieurin für Feinwerktechnik

Basteln als Beruf

„Der Vorteil im Feinwerktechnikbereich ist, dass man viel in den Konstruktionen ausprobieren kann, weil die kleinen Teile nicht so teuer sind oder schnell hergestellt werden können. Seit es 3D-Drucker auf dem Markt gibt, kann man seiner Fantasie noch mehr freien Lauf lassen und ist unabhängig von Waren der Lieferanten. Für alle, die sich für Mathematik und Physik begeistern und außerdem gerne basteln, ist die Feinwerktechnik ein optimales Betätigungsfeld.“

Annekathrin Päßler genießt gerade die Elternzeit mit ihrer kleinen Tochter und wird sich danach um ihre nächste Stelle bewerben. „Ingenieurinnen und Ingenieure für Feinwerktechnik sind gesucht. Ich bin optimistisch, dass ich etwas finden werde, idealerweise sogar in Teilzeit.“

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier findest du Informationen über Studienmöglichkeiten in ganz Deutschland.
www.studienwahl.de/studienfelder/ingenieurwissenschaften/mechatronik

BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Feinwerktechnik)
berufenet.arbeitsagentur.de

Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit

In der Studiensuche kannst du recherchieren, welche Studiengänge an welchen Hochschulen in Deutschland angeboten werden.
web.arbeitsagentur.de/studiensuche

Deutsche Gesellschaft für Feinwerktechnik e.V. (DGFT)

www.dgft-ev.de