Dr. Christian Hutter
Foto: Jutta Palm-Nowak
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Welche Berufe werden in Zukunft besonders gefragt sein? Das kann niemand sicher beantworten. Arbeitsmarktprognosen versuchen jedoch, sich einer Antwort anzunähern. Wie zuverlässig sind die Vorhersagen?
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit zukünftigen Arbeitsmarktchancen beschäftigen, unterscheiden zwischen Kurzfristprognosen und Langfristprognosen. So erstellt zum Beispiel das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zwei Mal im Jahr Kurzfristprognosen. Dazu schauen sich die Forscherinnen und Forscher viele Faktoren an.
Ganz wichtig bei Prognosen zum Arbeitsmarkt sind zunächst einmal Zahlen dazu, wie viele Menschen erwerbstätig oder arbeitslos sind.
Auch andere sogenannte Konjunktur- und Arbeitsmarktindikatoren fließen in die Prognosen mit ein. Das sind zum Beispiel die Lohnkosten, Umsätze oder Verbraucherpreise.
Ebenfalls eine Rolle spielen arbeitsmarktpolitische Maßnahmen. So kann es beispielsweise Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben, wenn die Politik neue Rechte und Pflichten für Arbeitslose oder Veränderungen beim Kurzarbeitergeld beschließt.
Eine weitere Rolle spielen Ereignisse mit großen Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Hier wären etwa die Corona-Pandemie (2020-2023) oder der anhaltende Krieg gegen die Ukraine (ab 2022) zu nennen.
Darüber hinaus wird das komplette Erwerbspersonenpotential betrachtet. Sprich: die Summe aus allen Erwerbstätigen, Erwerbslosen und Menschen, die bereit wären, eine Arbeit aufzunehmen, sich aber nicht arbeitslos melden (man sagt: ‚Stille Reserve‛).
Dr. Christian Hutter
Foto: Jutta Palm-Nowak
„Wir haben ein Arbeitsmarktmodell entwickelt, das solche strukturellen Zusammenhänge aus der Vergangenheit erfasst. Damit kann eine Prognose erstellt werden. Für einen Blick in die Zukunft muss man also immer auch einen Blick in die Vergangenheit werfen“, erklärt Dr. Christian Hutter, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB.
Hinzu kommen aktuelle Frühindikatoren, zum Beispiel: Wie sind die Auftragslage und die Kapazitätsauslastung der Unternehmen? Wie beurteilen die Unternehmen die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate? Wo steht das IAB-Arbeitsmarktbarometer, das auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert? Wie knapp sind Arbeitskräfte?
Langfristprognosen hingegen umfassen einen weitaus größeren Prognosehorizont, der bis 2040, 2055 oder sogar 2070 reichen kann. „Hierbei spielt dann die aktuelle konjunkturelle Entwicklung so gut wie keine Rolle mehr“, sagt Christian Hutter. Vielmehr steht die Frage im Vordergrund, wie sich das Verhältnis von Arbeitsangebot und -nachfrage in Zukunft entwickeln wird, insbesondere für bestimmte Berufsfelder, Qualifikationsgruppen (zum Beispiel Hochschulabsolventinnen und -absolventen) oder Regionen: Wo wird es einen Fachkräftemangel geben? „Interessant ist, dass man für die lange Frist bestimmte Szenarien im Vergleich zum Basismodell durchrechnen kann. Also zum Beispiel: Welchen Einfluss hat die Digitalisierung oder eine verstärkte Durchdringung der Elektromobilität auf den deutschen Arbeitsmarkt?“, führt der IAB-Experte aus.
Dennoch treffen die Prognosen der Forscherinnen und Forscher nicht immer zu. „Selbst wenn wir alles, was in der Vergangenheit passiert ist, zu 100 Prozent erklären könnten und alle Zusammenhänge verstehen würden, blieben dennoch Schwierigkeiten“, gesteht Christian Hutter. So kommt es vor, dass bestimmte „Gesetze“ auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr oder nur noch eingeschränkt gelten. Forscher sprechen dann von einem sogenannten Strukturbruch.
Ein Beispiel: Der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Beschäftigungsentwicklung hat sich weiter abgeschwächt. Eine schwache Konjunktur bedeutet heute nicht mehr automatisch, dass die Unternehmen auch mehr Menschen entlassen. „Dies stellt natürlich für Prognosen eine besondere Herausforderung dar. Besonders in Zeiten, in denen ein derartiger Strukturbruch als solcher noch nicht zu erkennen ist. Und dass es sich tatsächlich um einen Strukturbruch gehandelt hat und nicht nur um einen temporären Ausreißer, weiß man halt oft erst hinterher“, erklärt der Arbeitsmarktforscher.
Ralf Beckmann
Foto: Stefan Brending
Für Entscheidungsträger in Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft sind Vorhersagen eine wichtige Entscheidungsgrundlage. „Bei der Berufswahl sollten sie jedoch eher als grobe Orientierung herangezogen werden“, so der Rat von Ralf Beckmann von der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit.
„Die beste Strategie für die Studien- und Berufswahl ist nach wie vor: einen Beruf wählen, der zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passt und dann auch nach dem Abschluss weiterbilden und flexibel sein.“ Wer sich nur auf Prognosen stützt, könne von zyklischen Veränderungen am Arbeitsmarkt hart getroffen werden, warnt der BA-Experte. Prinzipiell werden in allen Berufen, ob mit Studium oder Ausbildung, junge Fachkräfte gebraucht, denn jedes Jahr gehen Tausende von qualifizierten Fachleuten in den Ruhestand.
Auch Christian Hutter untermauert das und rät jungen Menschen, den Lehrberuf oder das Studienfach zu wählen, in dem sie besonders gut sind oder wofür sie sich am meisten interessieren.
Stand: 31.03.2025
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