Die Datenspezialistin

Ein Ausbilder erklärt ein Programm am Bildschirm.
Programmiersprachen gehören für Fachinformatiker zum täglichen Brot.
Foto: Hans-Martin Issler

Fachinformatikerin – Anwendungsentwicklung

Die Datenspezialistin

Chiara Bär ist eine von 140 angehenden Fachinformatikerinnen und Fachinformatikern, die derzeit im IT-Systemhaus der Bundesagentur für Arbeit (BA) ausgebildet werden. Die 22-Jährige hat sich für die Fachrichtung Anwendungsentwicklung entschieden.

Kreativ sein und etwas erschaffen können: Chiara Bär weiß genau, was sie am Beruf der Fachinformatikerin fasziniert. Seit September 2015 wird sie im IT-Systemhaus der BA in Nürnberg ausgebildet. Nicht alles, was sie hier lernt, ist neu für sie: Die Auszubildende hat zuvor einige Semester Informatik mit Schwerpunkt Game-Engineering studiert. Kurz vor dem Abschluss machte sie jedoch einen Schnitt: „Dieses Studium war einfach nicht das Richtige für mich, mir hat immer der Praxisbezug gefehlt“, erzählt die 22-Jährige. Das hat sich nun grundlegend geändert. Ein spezielles MINT-Auszubildenden-Programm des IT-Systemhauses für Studienabbrecher ermöglicht es Chiara Bär, die dreijährige Ausbildung um ein Jahr zu verkürzen. Die Verkürzung der Ausbildungszeit auf zwei Jahre wird mittlerweile allerdings nicht mehr angeboten. Bei überdurchschnittlichen Leistungen kann die Ausbildung jedoch von drei auf zweieinhalb Jahre reduziert werden.

Profitieren von Vorkenntnissen

Ein Porträt-Foto von Chiara Bär

Chiara Bär

Foto: Sabine Bernhard

Insgesamt bildet das IT-Systemhaus jedes Jahr 50 Fachinformatikerinnen und -informatiker in den zwei Fachrichtungen Anwendungsentwicklung und Systemintegration aus. Von den 16 MINT-Azubis, die derzeit die verkürzte Ausbildung absolvieren, sind nur drei weiblich. „Das sind allerdings mehr Frauen als im Studium“, sagt Chiara Bär, die sich daran nicht stört.

Ihre Bewerbung reichte die 22-Jährige, die ursprünglich aus dem Allgäu stammt und für die Ausbildung nach Nürnberg gezogen ist, schriftlich ein. Anschließend absolvierte sie einen Einstellungstest und wurde von einer Psychologin zu ihrer Motivation für die Ausbildung befragt. Darauf folgten die Einladung zum Vorstellungsgespräch und schließlich die Zusage.

In der Berufsschule profitiert sie nun von ihren Vorkenntnissen aus dem Studium: „Im ersten Lehrjahr lernen wir zunächst die Programmiersprachen C und C++, die ich bereits im Studium hatte.“ Langweilig wird es für sie dennoch nicht: „Auf der Arbeit verwenden wir in erster Linie Java, das ist Neuland für mich.“

Ausbildung in Berufsschule und IT-Systemhaus

Neben dem Blockunterricht in der Berufsschule besteht die Ausbildung aus Praktika in den verschiedenen Abteilungen des IT-Systemhauses, Workshops mit eigenen Azubiprojekten und ein- bis zweiwöchigen Seminaren, in denen sich die Azubis zum Beispiel mit Programmiersprachen oder den verschiedenen Betriebssystemen vertraut machen. Auch mehrere Exkursionen und Trainingseinheiten für die mündliche und schriftliche Abschlussprüfung gehören dazu.

In den ersten vier Wochen ihrer Ausbildung lernte die junge Frau das IT-Systemhaus und die anderen Auszubildenden innerhalb verschiedener Einführungsseminare kennen – dann startete sie in ihr erstes Praktikum. Anders als die anderen Auszubildenden werden die MINT-Azubis aufgrund ihrer Vorerfahrung direkt einem Bereich zugeteilt. „Ich arbeite im Bereich ‚Datawarehouse und Business Intelligence‘. Hier dreht sich alles um die Verarbeitung der Daten, die die Arbeitsagenturen erfassen und verwalten“, erklärt die Auszubildende. Insgesamt lernt sie im Laufe der Ausbildung vier verschiedene Unterabteilungen kennen.

Keine Vorkenntnisse in Informatik nötig

„Das Wichtigste ist das Interesse an Computern und IT“, sagt Chiara Bär über die Anforderungen an die angehenden Fachinformatiker. „Man sollte technikaffin sein, braucht aber nicht unbedingt Informatikvorkenntnisse. Viel wichtiger ist die Motivation und die Bereitschaft, sich Themengebiete eigenständig anzueignen.“ Ab und zu wirft sie auch nach Feierabend einen Blick in ihre Lehrbücher oder informiert sich online. „In der IT gehört es dazu, dass man sich auf dem Laufenden hält.“

Sobald sie ihre Ausbildung abgeschlossen hat, will Chiara Bär nach Möglichkeit die fehlenden zwei Semester ihres Studiums nachholen, um so doch noch den Bachelorabschluss zu erlangen.

Hier geht's zum typischen Tagesablauf

 

Fachinformatikerin – Anwendungsentwicklung

Typischer Tagesablauf

Da Chiara Bärs (22) Ausbildung zur Fachinformatikerin im IT-Systemhaus der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg erst vor Kurzem begonnen hat, lernt sie nahezu täglich etwas Neues.

9 Uhr

Da im IT-Systemhaus der BA eine Gleitzeitregelung gilt, kann Chiara Bär weitgehend selbst bestimmen, wann sie morgens mit ihrer Arbeit beginnt. Meist ist sie um 9 Uhr am Schreibtisch, wo sie zunächst ihre E-Mails liest.

9.30 Uhr

Von ihrem Arbeitsplatzunterweiser, einer Art Mentor für die Azubis, erfährt Chiara Bär, welche Aufgaben heute anstehen. Er erklärt ihr die Vorgehensweise, führt sie in die Arbeitsbereiche der Abteilung ein und ist ihr Ansprechpartner, wenn sie Fragen hat.

10.30 Uhr

In einem täglichen Meeting besprechen die Kollegen den aktuellen Stand der Softwareentwicklung der hauseigenen Produkte.

11 Uhr

Die Auszubildende macht sich an die Bearbeitung ihrer Aufgaben: Als erstes übt sie, Daten mittels der Datenbanksprache SQL einzulesen. Auf einer Testdatenbank legt sie dazu einen Geburtstagskalender an.

12 Uhr

Gemeinsam mit anderen Auszubildenden macht Chiara Bär eine halbe Stunde Mittagspause, bevor es zurück an die Arbeit geht.

12.30 Uhr

Das IT-Systemhaus will die Entwicklungsumgebung, mit der die Programmierer arbeiten, auf eine neue Version aktualisieren. Vorab muss das Update überprüft werden. Die Auszubildende unterstützt ihre Kollegen bei der Fehlersuche.

15.00 Uhr

Am Nachmittag findet sich Chiara Bär gemeinsam mit den anderen Auszubildenden im Schulungszentrum des IT-Systemhauses ein. Hier bereiten sie sich gemeinsam auf die bevorstehende Klausur vor. Sie schreiben nicht nur in der Berufsschule Prüfungen, auch der Arbeitgeber stellt regelmäßige Klausuren, zu denen auch ein praktischer Teil und eine Präsentation gehören.

17.30 Uhr

Nach einem letzten Blick in ihre E-Mails packt die Auszubildende zusammen. Jetzt wartet der wohlverdiente Feierabend.

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Stand: 24.10.2019