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Erzieherin: „Schön zu wissen, dass man eine Bezugsperson ist“

Nach ihrem Bundesfreiwilligendienst in einer SOS-Kinderdorf-Wohngruppe ist sich Marie Barth (22) sicher: Sie will Erzieherin werden. Aktuell ist sie im letzten Jahr ihrer Ausbildung in einem praxisintegrierten Modell.

Ein Mann erklärt vier Kindern am Tisch ein Spiel. (Foto: Robert Söllner | Bundesagentur für Arbeit)

Theorie und Praxis eng miteinander verzahnt

Porträt von Marie Barth (Foto: Katrin Wißen) Porträt von Marie Barth (Foto: Katrin Wißen)

„Das Wissen aus der Theorie direkt in die Praxis umzusetzen und im Gegenzug Fragestellungen aus der Praxis im Schulunterricht zu behandeln, diese Kombination ist ideal für mich“, sagt sie und berichtet von Lernfeldern wie pädagogische Beziehungen, Erziehungs- und Bildungspartnerschaft, Entwicklungspsychologie, Spiel und Theater, Musik, Kunst und Deutsch. Neben klassischem Frontalunterricht wird viel gemeinsam besprochen und das eine oder andere zum Beispiel in Rollenspielen ausprobiert. „Kreativität ist wichtig, auch wenn es darum geht, Lösungen für Problemsituationen zu finden. Wenn ein Kind beispielsweise etwas partout nicht tun möchte und in Rage gerät, dann braucht man gute Ideen, um dem Kind die Hand zu reichen, damit es da wieder herauskommt.“

Situationen wie diese erlebt sie oft. „Wenn man weiß, dass ein Kind einen nicht ärgern möchte, sondern dass diese Trotzphase ein ganz wichtiger Entwicklungsschritt ist, dann kann man zurücktreten, beobachten, sich in das Kind hineinversetzen, die Situation hinterfragen und ruhig bleiben“, erklärt sie. „Seitdem ich die Ausbildung mache, sehe ich ganz viele Dinge anders, ja quasi aus den Augen eines Kindes. Das regt die Fantasie an. Man schätzt die kleinen Dinge mehr und hat viel mehr Spaß an ihnen.“ Ihre Praxisausbildung macht sie nicht in einer Wohngruppe, sondern in der inklusiven Kindertagesstätte „SOS-InKita“. Dort sind die Jüngsten drei Monate alt. „So erweitere ich mein pädagogisches Handlungsfeld. Mit dem was ich jetzt lerne, kann ich später in vielen Bereichen arbeiten – sowohl in Kindertagesstätten als auch in der Kinder- und Jugendhilfe“, sagt sie.

Zwischen Emotionen und Hausaufgaben

Im zweiten Ausbildungsjahr war sie für ein sechswöchiges Pflichtpraktikum in einer offenen Ganztagsbetreuung für Grundschüler*innen. Hier ging es zum Beispiel darum, an den Schulunterricht anzuknüpfen und Hilfestellungen bei Hausaufgaben zu geben. „Fachwissen vermitteln können steht zwar nicht an erster Stelle in unserer Ausbildung, dennoch ist es Thema, zum Beispiel auch beim Vorschulunterricht in der Kita“, sagt sie.

Vom Berufskolleg bekommt sie immer wieder verschiedene Aufgaben, die sie in der Praxis umsetzen muss. Manchmal heißt das sogar Vorbereitung eines Projekts oder eines Angebots am Wochenende. „Nach dem Lockdown habe ich in der Kita mit den Kindern eine Emotionsuhr mit lachenden, weinenden oder wütenden Smileys entwickelt. Ich dachte, dass dies den Kindern hilft, mit der total verwirrenden Situation und den damit verbundenen heftigen Gefühlen besser klarzukommen. Und es funktioniert. Die Kinder stellen jetzt jeden Morgen an ihrem Fach ein, wie sie sich fühlen und lernen mit Emotionen konstruktiv umzugehen.“

Eine Praxisanleiterin in der Kita ist immer für ihre Fragen da. Regelmäßig wird sie zudem von einer Lehrerin aus dem Berufskolleg besucht, die ihr über die Schulter schaut, im Anschluss mit ihr bespricht, wie es gelaufen ist und ihr schließlich eine Note gibt. Am Ende des dritten Jahres wird sie mit einem Fachschulexamen sowie einer fachpraktischen Prüfung ihre Ausbildung abschließen. „Natürlich würde ich dann gerne weiter beim SOS-Kinderdorf Niederrhein arbeiten – ob in einer Wohngruppe oder in der Kindertagesstätte, das wird sich dann zeigen. Hauptsache ich bin nah an den Kindern oder Jugendlichen dran, kann ihnen helfen und sie ein Stückweit auf ihrem Lebensweg begleiten.“