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Mediengestalterin Bild und Ton: Zwischen Hektik und Glücksgefühl

Johanna K. (20) macht eine Ausbildung zur Mediengestalterin Bild und Ton beim ZDF. Als solche verbringt sie viel Zeit im Schnittraum. Hier ist vor allem Stressresistenz gefragt.

Eine professionelle Fernsehkamera (Foto: Sonja Brüggemann)

Wer in die Kreativbranche einsteigt, bringt meist einschlägige Erfahrungen mit, weiß Johanna K. Als sie zum Assessment für eine Ausbildung zur Mediengestalterin Bild und Ton beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) antrat, hatten die meisten der 23 anderen Bewerber*innen auch ein entsprechendes Portfolio vorzuweisen. „Ich selbst hatte nur einmal einen kurzen Film gedreht und geschnitten, und das Ergebnis macht auch nicht viel her“, sagt die 20-Jährige. Sie ergatterte dennoch einen der sechs Ausbildungsplätze.

Für diesen Beruf entschied sie sich nach einer Berufsberatung vor dem Abitur, und für das ZDF, weil sie hier eine gute Ausbildung erwartete – eine Hoffnung, die sich erfüllt hat. „Insbesondere die journalistischen Aspekte haben mich interessiert. Diese sind zwar nicht Teil der Ausbildung, aber ich bekomme davon dennoch eine Menge mit.“

Beitrag fürs heute-journal

So arbeitet Johanna K. beispielsweise oft im Schnittraum mit einer Redakteurin oder einem Redakteur an aktuellen Beiträgen. „Dafür muss man stressresistent sein und die Ruhe bewahren können, auch wenn um einen herum alle hektisch werden.“ Beispielsweise, wenn ihr nur eineinhalb Stunden bleiben, um aus dem mitgebrachten Drehmaterial einen sendefähigen Beitrag zu schneiden. Als angehende Mediengestalterin obliegt ihr die technische Seite, also die Bedienung des Schnittcomputers und der Peripheriegeräte. „In zehn Minuten kann man viel schaffen, wenn man konzentriert arbeitet und nichts schief geht.“

Es kann aber auch passieren, dass der Schnittcomputer im letzten Moment abstürzt. „Einmal ging so viel schief, dass ein Stück, dass ich geschnitten habe, aus dem Programm flog.“ Das gehört ebenso zum Beruf wie das Glücksgefühl, etwa nachdem sie einen Beitrag fürs heute journal machte und danach ihre Eltern anrief, um ihnen stolz davon zu berichten: „Die fanden das natürlich auch total super.“

Workshops im ersten Lehrjahr

An ihre Aufgaben wurde sie systematisch herangeführt. Nach einer Einführungswoche, bei der sie die Auszubildenden anderer Berufe kennenlernte, standen zunächst viele Workshops auf dem Programm. Beispielsweise ein Workshop zum Thema Licht, bei dem es galt, Menschen und Dinge auszuleuchten, oder ein Workshop über den Umgang mit Kameras und Tonequipment. Gegen Ende des ersten Lehrjahres lernte sie schließlich in einem Schnittworkshop unter anderem den Umgang mit der Schnittsoftware AVID Media Composer. Ihren ersten Beitrag schnitt sie – weil die Corona-Pandemie dazwischen kam – aber erst im zweiten Lehrjahr.

Teil der Ausbildung ist auch, bei der sogenannten Elektronischen Berichterstattung (EB) dabei zu sein, also mit EB-Teams rauszufahren, als Assistenz Redakteure, Redakteurinnen und Kameraleute zu unterstützen und sich etwa um den Ton der Aufnahmen zu kümmern. Einsatzort der in der Nähe von Darmstadt Aufgewachsenen ist der ZDF-Stammsitz in Mainz.

Kurzfilm als Ausbildungsprojekt

Mittlerweile ist sie im dritten Lehrjahr und arbeitet vor allem im Schnitt. „Das ist toll bei meiner Ausbildung, dass man sich in Bereichen, die einem Spaß machen, mehr einbringen kann.“ Spaß am Schnitt macht ihr vor allem, dass sie hier Verantwortung übernehmen kann. Demnächst wird sie gemeinsam mit anderen Auszubildenden aus ihrem und dem zweiten Lehrjahr einen 20-minütigen Spielfilm als Übungsprojekt drehen. Außerdem wird sie in weitere Fachbereiche reinschnuppern und kann mit etwas Glück auch ins Ausland gehen. Und sie wird bei Außenproduktionen mitarbeiten, im November beispielsweise bei der letzten „Wetten, dass..?“-Sendung in Nürnberg.

Nach ihrem Abschluss im nächsten Jahr will sie erstmal studieren, wobei sie noch zwischen Kommunikations- und Politikwissenschaften schwankt. Am  liebsten würde sie später inhaltlich arbeiten. Wer weiß, vielleicht sitzt sie irgendwann als Redakteurin selbst neben einer angehenden Mediengestalterin im Schnittraum, quasi auf der anderen Seite.

Weitere Informationen

BERUFENET

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