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Ausbildung mit Behinderungen - Interview: "Man bewirbt sich mit seinen Fähigkeiten"

Eine Bewerbung ist immer eine Herausforderung. Für Menschen mit Behinderungen stellen sich zusätzliche Fragen. Antworten gibt Dirk Bornschier, Rehaberater bei der Agentur für Arbeit in Hannover, im abi» Interview. Er begleitet Jugendliche beim Bewerbungsprozess.

Zwei Hände bedienen elektronische Sehhilfe (Foto: Martin Rehm)

abi» Herr Bornschier, was raten Sie Ihren Kundinnen und Kunden: Sollte man die Behinderung im Anschreiben erwähnen?

Dirk Bornschier: Ich rate das nur, wenn es ausdrücklich verlangt ist oder das Unternehmen dazu einlädt. Auch dann sollte man keine Details zur Art der Beeinträchtigung nennen. Begriffe lösen in den Köpfen vielleicht falsche Vorstellungen aus und auf Papier lässt sich die konkrete Situation schlecht erklären. Für psychosoziale Beeinträchtigungen gilt das besonders. Wer im Anschreiben erwähnt, dass er*sie schwerbehindert ist, sollte die Kopie des Schwerbehindertenausweises beifügen, aber nur die erste Seite. Wichtig ist dann der Hinweis, dass die Behinderung die Ausübung der Tätigkeit nicht beeinflusst. Im Fokus der Bewerbung steht, was man kann und lernen will. So weckt man das Interesse des Unternehmens.

abi» Wer eine Einladung zum Interview oder Auswahlverfahren erhält, muss aber doch die Rahmenbedingungen klären – etwa den barrierefreien Zugang?

Dirk Bornschier: Ja natürlich, das gehört dazu. Zu spät zu kommen ist kein guter Start ins Vorstellungsgespräch. Ich sage meinen Jugendlichen: So wie ihr prüft, welche U-Bahn-Station einen Aufzug hat, so klärt ihr den Zugang zum Gebäude und die räumliche Situation beim Interview oder Assessment-Center. Ein Anruf reicht aus, bei dem ihr sachlich die Lage beschreibt und Fragen stellt. Am besten nicht in letzter Minute, damit das Unternehmen planen kann.

abi» Sollte man im Vorstellungsgespräch die Beeinträchtigung und den Unterstützungsbedarf am Arbeitsplatz selbst ansprechen?

Dirk Bornschier: Auch hier stehen die eigenen Stärken und die Motivation im Mittelpunkt. Natürlich ist man in der Situation nervös, aber man sollte möglichst Normalität herstellen. Der Arbeitgeber wird in der Regel diese Fragen stellen. Dann muss man ohne Scheu ansprechen, was an konkreten Hilfsmitteln benötigt wird. Da gibt es nichts zu verbergen.

abi» Ist es sinnvoll, auf die Unterstützungsmöglichkeiten der Agenturen für Arbeiten hinzuweisen?

Dirk Bornschier: Das sollte man tun, wenn es sich im Gespräch ergibt. Wenn besprochen wird, dass ein besonderer Monitor angeschafft werden muss, kann man erklären, dass die Agentur das finanziert. Man sollte also auf jeden Fall vorher mit uns gesprochen haben.

abi» Wie sieht es mit den Zuschüssen zur Ausbildungsvergütung aus?

Dirk Bornschier: Entscheidend ist: Man bewirbt sich mit seinen Fähigkeiten und seiner Persönlichkeit. Wer das Thema anspricht, muss mit sich im Reinen sein und darf nicht das Gefühl haben, sich unter Wert zu verkaufen. Die Haltung und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sind entscheidend. Wer selbstbewusst mit seiner Situation umgeht, gibt dem Arbeitgeber das Gefühl, dass gemeinsam alle Fragen gelöst werden können.

Zur Person

Porträtfoto von Dirk Bonschier. (Foto: Privat) Porträtfoto von Dirk Bonschier. (Foto: Privat)

Dirk Bornschier

Dirk Bornschier ist Rehaberater bei der Agentur für Arbeit in Hannover und begleitet Jugendliche beim Bewerbungsprozess.