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Ausbildung mit Behinderungen: Die Sicht der Unternehmen

Nicht nur große Konzerne bilden Menschen mit Behinderungen aus. Auch kleine und mittlere Unternehmen sind in diesem Bereich aktiv. Hier teilen Personalverantwortliche ihre Erfahrungen.

Arm eines sehbehinderten Menschen mit Blindenbinde. (Foto: Martin Rehm)

Boehringer Ingelheim

Dr. Ralf Schnall  (Foto: privat) Dr. Ralf Schnall  (Foto: privat)

Dr. Ralf Schnall

Dr. Ralf Schnall und Heike Krafft sind Ausbildungsleiter*innen beim Pharma-Unternehmen Boehringer Ingelheim.

„Wir waren das erste deutsche Unternehmen, das 2012 einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention entwickelt hat. Inklusion ist seitdem fester Bestandteil unserer Personalstrategie. Wir arbeiten dazu eng mit dem Netzwerk ‚UnternehmensForum‘ zusammen und haben uns am Projekt ‚!nkA – Inklusive Ausbildung‘ beteiligt.

Auszubildende mit körperlichen Beeinträchtigungen sind bei uns kein Sonderfall. Sie gehören selbstverständlich dazu. Mit dieser Haltung stellen wir die Weichen für den Ausbildungserfolg. Damit das funktioniert, müssen Auszubildende mit Behinderungen ohne Scheu ansprechen, was sie brauchen. Nur miteinander können wir das passende Umfeld schaffen.

Warum machen wir das? Natürlich spielt der Bewerbermarkt eine Rolle: Auszubildende werden dringend gebraucht. Als Familienunternehmen pflegt Boehringer Ingelheim aber auch Werte und eine Kultur des ‚we care‘. Das gilt grundsätzlich und im Detail. Unsere Schwerbehindertenbeauftragten haben Expertenwissen und ein gutes Netzwerk, um konkrete Probleme zu lösen. Dazu nutzen wir auch die Unterstützung der Agentur für Arbeit.

Was haben wir davon? Erfolgreiche Auszubildende natürlich. Und eine positive Ausstrahlung im gesamten Team. In früheren Jahren haben wir für Auszubildende eine Seminarwoche ‚Soziales Lernen‘ organisiert. Das findet heute in vielen Fällen jeden Tag und ganz selbstverständlich am Arbeitsplatz statt.“

Mercedes Benz

Petra Gross  (Foto: privat) Petra Gross  (Foto: privat)

Petra Gross

Petra Gross ist Ausbilderin Industriekaufleute im Werk Sindelfingen der Mercedes Benz AG.

„Vielfalt und Inklusion sind bei uns gelebter Alltag. Wir fördern Chancengleichheit und eine Arbeitsatmosphäre, die von Wertschätzung und Respekt geprägt ist. Insgesamt arbeiten rund 9.000 Beschäftigte mit Einschränkung bei Daimler in Deutschland. Ich finde es großartig, zu sehen, wie Menschen mit den unterschiedlichsten Talenten bei uns zusammenarbeiten und die jungen Kolleginnen und Kollegen jeden Tag ihr Bestes geben. Das Unternehmen unterstützt Beschäftigte mit körperlichen Beeinträchtigungen im Berufsalltag, zum Beispiel durch die Umgestaltung von Kommissionierungsprozessen, die ein optimales Arbeiten ermöglicht.

Schär Tools

Björn Gollenbeck  (Foto: privat) Björn Gollenbeck  (Foto: privat)

Björn Gollenbeck

Björn Gollenbeck ist Geschäftsführender Gesellschafter der Schär Tools GmbH & Co. KG in Crimmitschau. Das Unternehmen bietet Vertrieb und Service für Elektromaschinen.

„Was zählt, ist die Qualität. Wir haben 2018 zufällig den ersten Auszubildenden mit Behinderungen eingestellt. Er war einfach der Beste im Auswahlprozess. Auf das Handicap hatten wir im Vorfeld gar nicht geachtet. Wir haben dann mit der Inklusionsberaterin der IHK besprochen, welche Unterstützung wir brauchen und wo wir sie bekommen. Seitdem bilden wir systematisch Auszubildende mit Behinderungen aus und arbeiten mit verschiedenen Institutionen sowie der Agentur für Arbeit zusammen. Über 30 Prozent unserer Mitarbeiter haben eine Beeinträchtigung. Wir haben das dafür erforderliche Wissen, die Netzwerke und die Infrastruktur entwickelt. Wir prüfen kontinuierlich, wo es Schwierigkeiten gibt und wie wir Abläufe verbessern können, damit für die Auszubildenden alles passt. Und wir helfen ihnen, neue Fähigkeiten zu entwickeln. Der Aufwand lohnt sich. Wir halten Augen und Ohren offen und das hilft am Ende bei allen Arbeitsprozessen. Klar ist: Inklusion muss man leben, auch die Auszubildenden. Ausruhen darf sich bei uns keiner.“