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Anthropologe: Was Menschen ausmacht

Anthropologie, die Wissenschaft vom Menschen, hat eine Vielzahl von Fachrichtungen und Forschungszweigen. Dominik Deffner (29) ist Doktorand am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und beschäftigt sich im Rahmen seiner Doktorarbeit mit individuellem und kollektivem Lernverhalten von Menschen.

Mann breitet auf dem Boden eine alte Landkarte aus. Foto: Isabella Fischer

Kernteil seiner Arbeit war – neben Computersimulationen – ein Lernexperiment, zu dem er jeweils zehn Menschen in sein Labor eingeladen hatte. Jede*r musste an einem eigenen Computer eine Lernaufgabe lösen und war gleichzeitig vernetzt mit den anderen Probanden und Probandinnen. So konnte Dominik Deffner individuelle Lernstrategien sowie die Interaktion in der Gruppe beobachten. 

Zu Beginn seiner Promotion hat er sehr viel wissenschaftliche Literatur gelesen – die Lektüre von Fachliteratur ist eine Kernaufgabe von Anthropologen und Anthropologinnen. „Wir müssen ständig auf dem Laufenden bleiben, welche Inhalte aktuell und relevant sind“, erzählt Dominik Deffner.

Gemeinsam mit Institutskollegen und -kolleginnen hat der Geisteswissenschaftler zudem Forschungsfragen besprochen, Zwischenergebnisse erarbeitet und im Team das Lernexperiment durchgeführt. Für die Zusammenfassung und Aufbereitung der Ergebnisse hat er viel Zeit am Computer verbracht. Er hat programmiert, Modelle und Statistiken erstellt und schließlich die Ergebnisse in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht.

Eigenes Weltbild hinterfragen

Ein Porträtfoto von Dominik D. (Foto: privat) Ein Porträtfoto von Dominik D. (Foto: privat)

Dominik Deffner

„Als Anthropologe braucht man eine große Offenheit für Neues und die Bereitschaft, sein eigenes Weltbild zu hinterfragen. Das, was man selbst glaubt, muss nicht Teil des Weltbilds eines anderen Menschen sein. Außerdem haben wir sehr viel zu tun am Computer und mit Analysen. Diese Arbeiten sollte man in meinem Beruf nicht scheuen“, meint der Doktorand.

Dominik Deffner hat sich schon immer für Menschen und ihre individuellen und kulturellen Fähigkeiten interessiert. Weil er sich nicht entscheiden konnte, ob er sich eher mit dem Menschen als Individuum befassen und Psychologie studieren wollte oder ob er sich im Rahmen der Anthropologie mit gesellschaftlichen Prozessen auseinandersetzen möchte, absolvierte er parallel beide Bachelorstudiengänge an der Philipps-Universität Marburg.

„Manchmal hatte ich das Gefühl, es zerreißt mich: Die Blicke auf den Menschen in den beiden Disziplinen waren extrem unterschiedlich.“ Genau deshalb hat er sein Studium allerdings auch sehr genossen, gerade weil er sich den ganzen Tag mit verschiedenen Themen befassen konnte: „Das war einfach toll“, meint er.

Ein Leben für die Wissenschaft

Mit einem sehr guten Abitur hatte Dominik Deffner das Glück, in die Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen zu werden. So konnte er mit relativer finanzieller Freiheit studieren. Zudem arbeitete er als studentische Hilfskraft an der Uni. „Das ist super hilfreich. Man verdient Geld, macht gleichzeitig ein Praktikum und erhält einen Einblick in die Forschung“, bilanziert er.

Sein obligatorisches Forschungssemester im Rahmen des Psychologiestudiums hat er als Forschungspraktikant an der Universität Santa Barbara in Kalifornien verbracht. Auch seinen Master machte er im Ausland, in evolutionärer und vergleichender Psychologie an der Universität St. Andrews, Schottland.

„Dinge, die mich am meisten interessieren“

Mittlerweile hat Dominik Deffner seine Doktorarbeit beendet und eingereicht. Jetzt wartet er auf den Termin für die sogenannte Verteidigung, die Diskussion mit seinem Doktorvater und der Promotionskommission über seine Arbeit. Im Rahmen eines Überbrückungsvertrags kann er dabei noch ein halbes Jahr am Max-Planck-Institut in Leipzig bleiben. Einen Anschlussvertrag hat er bereits: Im Oktober wird er seine Karriere am Max-Planck-Institut in Berlin fortsetzen und sich weiter mit kollektiver Intelligenz befassen.

Sein Zwischenfazit? „Ich habe viel Glück gehabt und hatte immer Leute um mich herum, die mich unterstützt und an mich geglaubt haben. Ich konnte mich immer mit den Dingen beschäftigen, die mich am meisten interessieren“, erzählt Dominik Deffner, der seinen Lebensweg gerne in der Forschung fortsetzen möchte.