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Geisteswissenschaftler/innen – Beratungsprotokoll: Motivation ist alles

Wer sich für ein Studium der Geisteswissenschaften entscheidet, sollte sich seiner Interessen sicher sein und den Arbeitsmarkt kennen. Warum ist das so? Und wie orientiert man sich während des Studiums? Das verrät Marcel Orlamünder, Studien- und Berufsberater bei der Agentur für Arbeit Berlin Mitte, in einem Beratungsprotokoll.

Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch und liest in einem Fachbuch. (Foto: Nicole Schwab)

Zu mir kommt Alexander Metzner, 16 Jahre, elfte Klasse. Er wird im kommenden Jahr sein Abitur machen. Seitdem er sich für Deutsch als Leistungskurs entschieden hat, will er unbedingt Literaturwissenschaften studieren. Er nimmt an Schreibwettbewerben teil, liest sehr viel und schreibt für den Schul-Blog, das sein Deutschlehrer ins Leben gerufen hat. Seine Eltern, die beide einen betriebswissenschaftlichen Hintergrund haben, finden, Alexander sollte sich auf etwas konzentrieren, „mit dem man auch Geld verdienen kann.“

Solche Einwürfe, wie Alexander Metzners Eltern sie haben, gehören zu einem Studium der Geisteswissenschaften dazu. Wichtig ist, dass man sich davon nicht irritieren lässt. Wenn man mit dem Bereich bisher nichts zu tun hatte, fällt es schwer, sich vorzustellen, dass es hier einen passenden Beruf gibt.

Welche Talente begleiten mein Interesse?

Ein Porträtfoto von Marcel O. (Foto: privat) Ein Porträtfoto von Marcel O. (Foto: privat)

Marcel Orlamünder

Dass zu Beginn eines geisteswissenschaftlichen Studiums noch nicht klar ist, in welchen Beruf es mündet, ist nicht unüblich. Der Markt für Geisteswissenschaftler*innen ist ein Nischenarbeitsmarkt mit vielfältigen, oft unspezifischen Möglichkeiten. Mit seiner Entscheidung verlagert Alexander seine Berufswahl auf einen späteren Zeitpunkt.

Ich rate Alexander Metzner, sich nicht nur Fachwissen im Studium anzueignen, sondern zudem dazugehörige Talente und Fähigkeiten auszuloten. Vielleicht will er sein Schreibtalent weiter ausbilden? Oder er möchte in einem Bereich arbeiten, in dem er sich verbal sehr gut ausdrücken können muss? Wissenschaftlich arbeiten oder die Beschäftigung mit Systemen der Aufbereitung von Informationen sind ebenfalls Möglichkeiten.

Netzwerke aufbauen!

Solche zusätzlichen Kompetenzen kann Alexander durch ergänzende Praktika herausfinden. Bei praktischen Einsätzen lassen sich auch sehr gut Netzwerke aufbauen, die bei der Jobsuche dienlich sein können. Denn: Der größte Teil der Stellen für Geisteswissenschaftler/innen wird über Kontakte angeboten.

Da Alexander Metzner sicher ist, dass er Literaturwissenschaften studieren möchte, zeige ich ihm am Bildschirm das Portal studienwahl.de, das sämtliche in Deutschland angebotenen Studiengänge erfasst. Auch erläutere ich ihm BERUFENET, das Portal der Agentur für Arbeit, wo Berufe, Ausbildungen und Studienfächer aufgeführt sind. Als Hausaufgabe gebe ich Alexander mit, das OSA-Portal zu nutzen. Dort bieten Hochschulen für ihre jeweiligen Studiengänge Tests an. Er kann so herausfinden, ob ein spezielles Fach für ihn passt.

Wie geht es weiter?

Auf unser zweites Treffen hat sich Alexander Metzner gut vorbereitet und insgesamt vier Universitäten gefunden, die allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaften anbieten. Die dazugehörigen OSA-Tests haben ergeben, dass die Studiengänge seinem Profil entsprechen. Allerdings sind einige dieser Unis nicht in Berlin, was Alexander zweifeln lässt. Auf die Frage, ob ihm seine Karriere wichtiger ist oder sein Wohnort, antwortet er aber klar, dass er Berlin auch verlassen würde. Jetzt können wir uns auf die Bewerbungen für die Universitäten konzentrieren. Ich zeige Alexander Metzner Recherchemöglichkeiten nach Zulassungsbeschränkungen und erläutere Fakten zu den Bewerbungsverfahren.

Wir verabreden uns für ein drittes Treffen, in dem wir seine vorbereiteten Bewerbungen für die Studiengänge besprechen werden.