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„Das eigentlich Spannende passiert am Schreibtisch“

Eine Archäologin sitzt, mit einer Schaufel in der Hand, in einer Grube.
Geschichte sichtbar machen: Archäologen graben Hinterlassenschaften alter Zeiten aus; analysiert werden sie am Schreibtisch.
Foto: Frank Pieth

Archäologe

„Das eigentlich Spannende passiert am Schreibtisch“

Schon als Kind interessierte sich Jens Notroff (39) für Archäologie. Heute liebt er an seinem Beruf den Wechsel zwischen den Grabungskampagnen vor Ort und der theoretischen Arbeit am Schreibtisch.

Dass die aufregenden Abenteuer und gefährlichen Verfolgungsjagden von Indiana Jones, Hauptfigur der gleichnamigen Abenteuerfilmreihe, wenig mit dem Leben von echten Archäologen zu tun haben, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Wenn allerdings Jens Notroff – einer dieser echten Archäologen – sagt: „Die eigentlich spannende Arbeit ist die am Schreibtisch.“ Dann dürfte sich manch einer schon noch am Kopf kratzen.

Nach seinem Alltag gefragt, erzählt der 39-Jährige zuerst vom Lesen und Beantworten von E-Mails, dem Auswerten von Notizen, Tagebüchern, Skizzen und Fotos – dass er zwischen Bibliotheken und seinem eigenen Archiv hin und her pendelt und versucht, zu erklären und zu interpretieren, was er bei einer Ausgrabung eigentlich gefunden hat. „Das alles macht etwa drei Viertel meiner Arbeit aus.“

Auch Ausgrabungsarbeit ist Routine

Ein Foto von Jens Notroff

Jens Notroff

Foto: Christine Persitzky

Jens Notroff ist auf Ur- und Frühgeschichte spezialisiert, auch Prähistorische Archäologie genannt. Dabei geht es um die Zeit, in der noch keine Schriften angefertigt wurden, die heute als Quellen dienen könnten: „Wir sind allein auf die materielle Kultur angewiesen, die Überreste, die wir im Boden finden und die oft absichtlich hinterlassen wurden.“ Die Ausgrabung solcher Hinterlassenschaften etwa in Gräbern oder Siedlungen, also die Feldforschung, nimmt lediglich ein Viertel seiner Arbeitszeit in Anspruch. Für jeden Monat Ausgrabung vor Ort kann man das Dreifache an Auswertungsarbeit in Büro und Bibliothek veranschlagen, erklärt er.

Vor Ort, das ist im Fall von Jens Notroff der Orient, die südöstliche Türkei an der Grenze zu Syrien. Die klimatischen Herausforderungen dort geben bei Ausgrabungen eine klare Tagesstruktur vor: „Man steht so früh auf, dass man beim ersten Tageslicht mit der Arbeit beginnen kann.“ Um die größte Hitze zu meiden, wird ab 14 Uhr nicht mehr gegraben, sondern die Arbeit ins sogenannte Grabungshaus verlegt: Darin bereiten die Archäologen die Funde des Tages auf, reinigen, messen, zeichnen und dokumentieren alles aufwändig bis ins Detail. „Ausgrabungen sind eigentlich auch ein Routinejob“, sagt Jens Notroff. Es gehe darum, Zusammenhänge zu erkennen oder herzustellen. Vor allem den Wechsel zwischen Feldforschung und Büroarbeit findet er spannend: „Man kann sich einerseits mal in die Studierstube zurückziehen und intensiv nachdenken. Und andererseits beschafft man sich selbst vor Ort die Quellen.“

Indiana-Jones-Filme beeinflussten Berufswahl

Dass Jens Notroff Archäologe werden wollte, wusste er schon als Kind. Museumsbesuche in Berlin mit seinem Vater, einschlägige Bücher vom Großvater, und ja, auch die Indiana-Jones-Filme erwähnt er als Einflussfaktoren.

Während seines lernintensiven Magisterstudiums an der Freien Universität Berlin – wo er Prähistorische Archäologie als Hauptfach hatte sowie Geschichte und Kommunikationswissenschaften als Nebenfächer – begann er, beim ebenfalls in der Hauptstadt ansässigen Deutschen Archäologischen Institut zu arbeiten. Nach dem Abschluss im Jahr 2009 konnte er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an dieser dem Auswärtigen Amt angegliederten Forschungseinrichtung bleiben.

Flexibilität und Belastbarkeit sind gefragt

Seitdem hangelt er sich von einem zeitlich befristeten, durch Drittmittel finanzierten Projekt zum nächsten. „Eine Festanstellung wäre schön“, sagt Jens Notroff und verweist sowohl auf eine in seinem Beruf häufige Herausforderung als auch auf sein Ziel.

Flexibilität brauche man ebenso wie Belastbarkeit, vor allem, wenn man, wie er, nebenbei promoviert. Und ein tiefes Interesse für das Fach, das einen schließlich überallhin führen kann. Ein Nine-to-five-Job sei die Archäologie auf keinen Fall, sagt Jens Notroff: „Man schließt nicht abends die Bürotür hinter sich zu und hört dann auf, Wissenschaftler zu sein.“

abi>> 05.12.2019