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Julia Geuther: „Einen kleinen Teil zur Forschung beitragen“

Wie kann man COVID-19 mit Medikamenten behandeln? Darüber machen sich Forscher*innen auf der ganzen Welt Gedanken – und Julia Geuther. Die 18-Jährige hat mit ihrem Projekt den bayerischen Landeswettbewerb von „Jugend forscht“ in der Kategorie Biologie gewonnen und im Bundesfinale den vierten Platz ergattert. Im Gespräch mit abi» erklärt sie, wie man das Virus stoppen könnte, auf welche Probleme sie während ihrer Arbeit gestoßen ist – und wie es mit ihren Ergebnissen nun weitergeht.

Porträt von Julia Geuther (Foto: privat)

abi» Julia, du hast dieses Jahr den ersten Preis im bayerischen Landeswettbewerb von "Jugend forscht" gewonnen und im Bundesfinale den vierten Platz im Fachgebiet Biologie geholt. Herzlichen Glückwunsch! Was hat dich dazu motiviert, bei dem Wettbewerb mitzumachen?

Julia Geuther: Danke! Der Wettbewerb hat unglaublich viel Spaß gemacht. Es war eine spannende Herausforderung und ich fand die Idee, sich mit anderen Schülern und Wissenschaftlern über die Projekte austauschen zu können, toll.

abi» Kannst du dein Projekt „Genetische Invalidation des SARS-CoV2-Rezeptors ACE2 mit Hilfe von CRISPR/Cas9“ in einfachen Worten erklären?

Julia Geuther: Das Ziel meines Projekts war es, in menschlichen Zellen den Rezeptor für SARS-CoV2, also sozusagen die Eintrittspforte des Virus, zu deaktivieren. Dafür habe ich die CRISPR/Cas9 Technologie verwendet. Die Idee dahinter ist einfach: Mithilfe eines speziellen Enzyms schneide ich die DNA, die den Rezeptor kodiert (also sozusagen den „Bauplan“ für den Rezeptor) ganz gezielt durch. So entsteht eine Mutation, also ein veränderter Bauplan, aus dem dann von den Zellen kein funktionsfähiger Rezeptor mehr gebaut werden kann. Diese Zellen mit „kaputtem“ bzw. deaktiviertem Rezeptor dienen dann als Werkzeug für weitere Forschung, beispielsweise um zu testen, ob sich diese „Eintrittspforte“ des Virus als Ansatzstelle für eine medikamentöse Behandlung eignet.

abi» Wie bist du auf das doch sehr komplexe Thema gekommen?

Julia Geuther: Auf CRISPR/Cas9, also die Technologie, die dahintersteckt, war ich bereits in der zehnten Klasse zufällig gestoßen und war sofort fasziniert. Mir war klar, dass ich mich damit in meiner Seminararbeit beschäftigen wollte. Als ich mein Thema genauer festlegen musste, kam dann die Pandemie auch in Deutschland so richtig an und ich habe mich gefragt, ob ich nicht vielleicht einen kleinen Teil zur Forschung beitragen kann. So bin ich dann auf die Idee zu diesem Projekt gekommen.

abi» Welchen Herausforderungen bist du begegnet?

Julia Geuther: Mein Projekt konnte ich natürlich nicht zu Hause durchführen, sondern ich habe es in einem Labor am Klinikum Rechts der Isar gemacht. Das hat dann kurz nach Beginn meiner Forschung wegen der Pandemie für Gäste wie mich schließen müssen, was mich natürlich zeitlich ein wenig zurückgeworfen hat. Schlimm war das aber trotzdem nicht. Ich konnte die Zeit nutzen, um mich noch weiter einzulesen und sozusagen „Schreibtischforschung“ zu betreiben.

abi» Hattest du keine Angst, das Projekt nicht vollenden zu können?

Julia Geuther: Nein, diese Angst hatte ich eigentlich nicht. Aber gerade die Laborarbeit war natürlich ganz neu für mich und ich musste erstmal üben, um nicht aus Versehen meine Zellen zu beschädigen oder ähnliches.

abi» Wer hat dich dabei unterstützt?

Julia Geuther: Ich bin sehr dankbar für mein Laborteam am Klinikum Rechts der Isar. Das hat mir nicht nur erlaubt, mein Projekt dort durchzuführen, sondern mich auch wirklich nett aufgenommen, obwohl ich ja eigentlich nur eine Schülerin bin.

abi» Wie geht es jetzt für dich weiter? Hat die Wissenschaft Interesse an deinen Ergebnissen?

Julia Geuther: Mit meinen Zellen wird jetzt an der TU München weitergeforscht und ich bin natürlich sehr gespannt auf weitere Ergebnisse. Mein Laborteam hält mich hierzu auf dem Laufenden.

abi» Bist du an weiteren Projekten dran?

Julia Geuther: Aktuell werde ich erstmal mein Abitur machen, es ist also noch nichts Neues geplant. Ich hoffe aber, dass ich in Zukunft weitere so spannende und faszinierende Projekte machen kann.

abi» Hast du dich schon für ein Studienfach oder einen Ausbildungsberuf entschieden?

Julia Geuther: Mein Traum war es schon lange, Medizin zu studieren und dann entweder in die Forschung zu gehen oder tatsächlich zu praktizieren. Nach dem Abitur werde ich aber erstmal eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin machen und verschiedene Praktika absolvieren, zum Beispiel im Labor und in der Pflege. 2022 will ich dann anfangen zu studieren.

abi» Wo siehst du dich in der Zukunft?

Julia Geuther: Noch weiß ich nicht sicher, ob mir ein Beruf als Forscherin oder als Ärztin besser gefallen wird, aber ich denke, dass ich das während des Studiums merken werde – und vielleicht mache ich ja auch beides. Ansonsten werde ich ganz sicher weiter in der Wasserwacht und im Roten Kreuz tätig sein.

abi» Zum Abschluss noch die Frage: Welchen Tipp gibst du Abiturientinnen und Abiturienten, die darüber nachdenken, an einem Wettbewerb wie „Jugend forscht“ teilzunehmen?

Julia Geuther: Auf jeden Fall ausprobieren! Die Erfahrungen und der Austausch mit den anderen Teilnehmer*innen machen wahnsinnig viel Spaß und allein deshalb lohnt es sich.

Über Julia Geuther

Die 18-Jährige machte bereits in der Grundschule auf sich aufmerksam, da sie schon früh vieles wusste. Sie fühlte sich auf dem Gymnasium unterfordert und wechselte deshalb mit 11 Jahren in eine Hochbegabtenklasse. Julia interessiert sich schon seit längerem für das Thema Medizin. Auch wenn sie eine fleißige Schülerin ist, kommt die Freizeit nicht zu kurz. Sie macht viel Sport, vor allem Einrad Freestyle (ähnlich wie beim Eiskunstlauf fährt man Tricks auf dem Einrad mit Choreographie, Musik und Kostüm), aber auch Schwimmen, Tauchen und Fahrradfahren. Ansonsten verbringt sie gerne viel Zeit mit ihren Freunden und mit ihrem Hund. Seit zehn Jahren ist Julia Geuther außerdem ehrenamtlich im Roten Kreuz und der Wasserwacht tätig.