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Epidemiologie: Viel mehr als Corona-Zahlen

Impfquote, R-Wert, Hospitalisierungsrate – diese Zahlen begleiten unseren Alltag seit der Corona-Pandemie. Wie sie interpretiert und als Grundlage für Empfehlungen verwendet werden, lernt Marie Neumann (25) im Masterstudiengang Epidemiologie an der Universität Bremen.

Ein Mann arbeitet im Labor und wertet Proben aus. (Foto: Swen Reichhold)

Als Studentin der Epidemiologie beschäftigt sich Marie Neumann mit unterschiedlichen, zum Beispiel biologischen oder sozialen Faktoren, die sich auf die Gesundheit einer Bevölkerung auswirken können. Die Epidemiologie betrachtet dabei nicht – wie die Medizin – den Gesundheitszustand oder die Erkrankungen eines einzelnen Menschen, sondern die gesamte Bevölkerung oder bestimmte Teile davon. Teilgebiete sind beispielsweise die Krebs-, die Ernährungs- oder die genetische Epidemiologie, oder eben – wie bei Corona – die Infektionsepidemiologie.

Wie werden Daten erhoben, ausgewertet, interpretiert und angewendet? Die 25-Jährige, die sich im dritten Semester befindet, hat sich bereits in ihrem Bachelorstudium Public Health intensiv mit quantitativen Forschungsmethoden beschäftigt. Das kam ihr im Master zugute: „Vieles von den Basics hatte ich schon mal gehört.“ Epidemiologische und statistische Methoden stehen auch im zweiten und dritten Semester auf dem Lehrplan. Außerdem werden spezielle epidemiologische Themenfelder erarbeitet.

Forschungsarbeit im Team

Ein Porträt-Foto von Marie N. (Foto: privat) Ein Porträt-Foto von Marie N. (Foto: privat)

„Neben den Vorlesungen und Seminaren gibt es ganz viel Gruppenarbeit“, erzählt Marie Neumann, „auch im großen Schwerpunkt des Studiums, dem eigenen Forschungsprojekt.“ Arbeiten im Team, das ja an Forschungsinstituten üblich ist, wird so von Anfang an trainiert. Das Forschungsprojekt beginnt mit der Themenfindung und der Festlegung einer Forschungsfrage bereits im ersten Semester. Im zweiten Semester wird das Erhebungsinstrument konzipiert, anschließend werden die Daten erhoben, die dann im dritten Semester ausgewertet und aufbereitet werden.  

Das Thema ihres Forschungsprojektes können die Studierenden weitgehend frei wählen: „Man sucht sich eine eigene kleine Forschungslücke und bereitet abschließend auch den Forschungsbericht so auf, als ob er tatsächlich in einem Forschungsjournal veröffentlicht werden würde“, berichtet Marie Neumann. Die Studentin hat sich für ein aktuelles Thema entschieden: Sie untersucht mit ihrer Gruppe anhand einer Online-Befragung, welche Faktoren mit der Impfbereitschaft bei SARS-CoV-2 assoziiert sind. Im letzten Semester des viersemestrigen Studiengangs schreiben die Studierenden ihre Masterarbeit.

Englisch-Kenntnisse und ein Faible für Statistik

Voraussetzung für die Zulassung zum Masterstudiengang Epidemiologie an der Universität Bremen ist ein abgeschlossenes Bachelorstudium in einem relevanten Fach, etwa in Public Health bzw. Gesundheitswissenschaften, Humanmedizin, Soziologie, Psychologie oder Biologie. Andere Hochschulen akzeptieren für ihren Epidemiologie-Master neben naturwissenschaftlichen Bachelorabschlüssen auch Informatik und weitere Bachelor mit Gesundheitsbezug. Darüber hinaus müssen alle Studieninteressierten Kenntnisse in quantitativen Methoden und in Englisch nachweisen.

Quantitative Methoden, Statistik, Zahlen, „darauf muss man definitiv Lust haben“, sagt Marie Neumann lachend. Trotzdem geht es im Epidemiologie-Studium nicht allein ums Rechnen. Wissenschaftliche „Paper“ lesen, ein Gespür dafür bekommen, wie gut diese Veröffentlichungen sind, sich Gedanken machen, wie Forschung funktioniert: All das begeistert die 25-Jährige.

Als Studentische Mitarbeiterin arbeitet sie bereits am Epidemiologischen Studienzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Nach ihrem Abschluss würde sie gerne in Forschung und Wissenschaft bleiben, wie die meisten Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs. „Wenn sich die Möglichkeit ergibt, würde ich sehr gerne promovieren und eine wissenschaftliche Karriere anstreben“, sagt Marie Neumann.

Epidemiologie studieren

Als konsekutiver Masterstudiengang, der direkt an einen Bachelor angeschlossen werden kann, wird Epidemiologie an der Universität Bremen, an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und an der Ludwig-Maximilians-Universität München angeboten.

Postgraduale Masterstudiengänge (kostenpflichtig; auch berufsbegleitend möglich) in Epidemiologie bieten die Johannes Gutenburg-Universität Mainz und die Berlin School of Public Health.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Epidemiologe)
arbeitsagentur.de/berufenet

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier findest du Informationen zu den Studienmöglichkeiten in Deutschland und alle Infos rund ums Studieren:
studienwahl.de

Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit

In der Studiensuche kannst du recherchieren, welche Studiengänge an welchen Hochschulen in Deutschlang angeboten werden.
arbeitsagentur.de/studiensuche

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) e.V.

www.gmds.de

Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi) e.V.

www.dgepi.de