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Bundesweite Schülerfirmenwettbewerbe: „Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit lernen“

Eine zündende Unternehmensidee muss nicht zwangsläufig erst nach dem Studium und mit Berufserfahrung umgesetzt werden, sondern kann bereits während der Schulzeit Früchte tragen. Wie das geht, lernt man bei bundesweiten Schülerfirmenwettbewerben. Markus Muszeika vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln JUNIOR erklärt den Ablauf.

Ein Treppenhaus in einem ehrwürdigen Schulgebäude (Foto: Helge Gerischer)

abi» Herr Muszeika, was versteht man denn überhaupt unter einem Schülerunternehmen?

Markus Muszeika: Ein Schülerunternehmen wird von den Schülern selbst geleitet. Sie erfahren am eigenen Leib, wie sich ihre Entscheidungen auf das Unternehmen auswirken. Das ist ein Projekt mit Echtcharakter. Die Bandbreite an Geschäftsideen ist dabei riesig. Ein Beispiel, das sogar europaweit erfolgreich war, ist eine Schülerfirma, die aus alten Autogurten Flaschenöffner, Krawatten und Gürtel hergestellt hat. Das fing sehr einfach an und ist bis heute erfolgreich.

abi» Wie können denn Schüler*innen so eine Schülerfirma gründen?

Markus Muszeika: Eine Schülerfirma ist an die Schule gebunden. Man braucht eine Lehrkraft, die sich als Pate bzw. als Patin für das Projekt zur Verfügung stellt und das Unternehmen bei uns anmeldet. Die Geschäftsidee, der Name des Unternehmens und die Verantwortlichen dürfen bei einer eigenen Firma natürlich nicht fehlen. Wenn die Schüler eine Idee haben, müssen sie sich passende Sponsoren suchen. Das sind ähnlich wie bei einer Genossenschaft Anteilseigner, die sich am Unternehmen beteiligen. Viele dieser Schülerfirmen sind erfolgreich und haben nach einem halben Jahr ihr Startkapital sogar verdoppelt. Manche scheitern auch. Es gehört zum Konzept, dass sie mit echtem Geld am Markt teilnehmen. Minderjährige Schüler brauchen dafür übrigens die Erlaubnis ihrer Eltern. Wichtig ist, dass die Schüler dabei Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit erfahren und im Team ihre Konfliktfähigkeit trainieren.

abi» Wie managt man ein derartiges Unternehmen professionell?

Markus Muszeika: Wichtig ist immer, etwas anzufangen und ins Tun zu kommen. Das Ganze ist ein Prozess, bei dem man auch lernen muss, mit Rückschlägen umzugehen und aus falschen Entscheidungen zu lernen. Dazu gehört auch das richtige Kommunizieren. Dabei lernen die Jugendlichen, wie man ein professionelles Telefonat führt oder eine E-Mail korrekt schreibt. Ebenso wichtig ist auch der Umgang mit Geld. Wie decke ich meine Kosten und was gehört dazu, ein Unternehmen erfolgreich zu führen? Die jungen Menschen bekommen so einen Eindruck von unserem Wirtschaftssystem.

abi» Wie läuft ein Schülerfirmenwettbewerb ab? Welche Teilnahmebedingungen gibt es?

Markus Muszeika: Schülerfirmen sind in allen Schularten möglich. Teilnehmen können daran alle Schüler ab Sekundarstufe I. Das heißt: Schüler zwischen der 7. Klasse und der Oberstufe können einander gegenüberstehen. Von allen Bewerbungen werden dann die besten sechs bis 15 Schülerfirmen ausgewählt, um am Landeswettbewerb teilzunehmen. Bei JUNIOR gibt es einen eintägigen Landeswettbewerb und anschließend einen dreitägigen Bundeswettbewerb für alle Finalisten aus den deutschen Bundesländern. Die höhere Stufe ist der internationale Europawettbewerb.

abi» Nach welchen Maßstäben bewertet die Jury die Gewinner*innen? Und wie läuft das Voting ab?

Markus Muszeika: Es gibt einen ganzen Leitfaden zur Bewertung. Darunter zum Beispiel, wie die einzelnen Schüler ihr Projekt präsentieren und als Team agieren. Natürlich wird auch bewertet, wie sie ihre Ziele umsetzen und das Unternehmen führen. Die Aufgabe besteht darin, einen eigenen Messestand aufzubauen, einen Unternehmens-Pitch auf der Bühne durchzuführen und die Fragen der Juroren zu beantworten. Bewertet wird auch die Entwicklung des Unternehmens anhand der eingereichten Unterlagen. Bei der digitalen Durchführung während Corona reichen die Firmen alternativ ein Unternehmensvideo ein.

abi» Wo kann man sich über die Schülerfirmenwettbewerbe informieren?

Markus Muszeika: Neben den Wettbewerben, die von JUNIOR organisiert werden, gibt es noch den Bundes-Schülerfirmen-Contest. Das ist ein eigener Wettbewerb, der direkt bundesweit ausgetragen wird. Während bei JUNIOR alle Teilnehmer die gleichen Grundvoraussetzungen haben und ihre Vorarbeit mit Projektberichten belegen müssen, kann sich beim Bundes-Schülerfirmen-Contest jedes Schülerunternehmen ohne diese Bedingungen bewerben. Die ausführlichen Informationen zu den Wettbewerben findet man jeweils online oder bekommt auf der Webseite Unternehmergeist.de einen Überblick über die verschiedenen Programme. Alternativ können Schüler direkt bei ihren Lehrkräften nachfragen.

abi» Wie profitieren die Teilnehmer*innen gerade im Hinblick auf die persönliche Berufsorientierung davon?

Markus Muszeika: Die Vision dahinter ist, junge Menschen zu ermutigen, realitätsnahe Erfahrungen zu sammeln und die Wirtschaft kennenzulernen. Man lernt den Zusammenhang zwischen eigenen Entscheidungen und ihren Auswirkungen kennen. Das erleichtert später auch die Wahl des Wunschberufs. Selbständigkeit, Teamarbeit und Präsentationsfähigkeit – das sind alles Punkte, die später zum erfolgreichen Berufs- aber auch Privatleben gehören. Besonders wertvoll ist das Wissen aber für alle, die in Zukunft ein eigenes Unternehmen gründen möchten. Denn laut Studien sind unter den ehemaligen Teilnehmern  überproportional viele dabei, die im Lauf des Lebens ein eigenes Unternehmen gründen.

Zur Person

Porträtfoto von Markus Muszeika. (Foto: privat) Porträtfoto von Markus Muszeika. (Foto: privat)

Markus Muszeika ist Projektmanager beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln JUNIOR.