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Geschichtswettbewerb: „Vor jedem Interview hatte ich Herzklopfen“

Zwei Mal mit dem Landessieg prämiert und nun Siegerin des Bundeswettbewerbs des Bundespräsidenten: Anne Grabo (17) aus Wittenberg sucht nach Herausforderungen. Für abi» schildert die junge Frau ihre Erlebnisse rund um die Teilnahme an diesem Wettbewerb.

Die Gewinnerin des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten, Anne Grabo, steht mit ihrem Rennrad vor einer bemalten Wand.  (Foto: David Ausserhofer)

Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten findet alle zwei Jahre statt und wird durch die Körber-Stiftung durchgeführt. Ein großes Ziel hatte ich mir bei den ersten Teilnahmen gar nicht gesetzt – ich war auch noch recht jung. Im Jahr 2016/17 wollte ich unbedingt einen Beitrag zum ausgeschriebenen Thema „Gott und die Welt. Religion macht Geschichte“ über den Namenspatron meiner Heimatstadt einreichen, denn das Reformationsjubiläum stand kurz bevor. Für meinen Beitrag erhielt ich den Landessieg. Wie ich überhaupt auf die Idee gekommen bin, beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teilzunehmen? Ich habe gezielt nach einer Herausforderung gesucht und bin so auf die Internetseite www.bundeswettbewerbe.de gestoßen.

Die Recherche des Themas

Für das letztjährige Motto „Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft“ habe ich zuerst lange mit einer Teilnahme gezögert, da ich bereits wusste, dass es sehr zeitintensiv sein würde. Doch ich hatte schnell eine konkrete Idee: Da ich beim Radsport aktiv bin und ein sehr erfolgreicher ehemaliger Teilnehmer der „Friedensfahrt“ Mitglied unseres Vereins ist, hatte ich einen sehr guten Anknüpfungspunkt. Die Friedensfahrt war bis 1989/90 das international bedeutendste Amateuretappenrennen. Erwähnte ich die Fahrt in Gesprächen, hatte jeder meiner Gesprächspartner*innen sofort lebhafte Erinnerungen –bei vielen leuchteten dabei sogar die Augen.

Herausforderungen meistern

Der Wettbewerb startete mit der Bekanntgabe des Themas am 1. September 2020 – der Zeitraum bis zur Abgabe des gewählten Beitragsformates beträgt immer sechs Monate. Daran kann man auch gut erkennen, dass eine Teilnahme sehr arbeitsaufwendig ist und definitiv nicht vergleichbar mit einem Vortrag in der Schule. Es können beispielsweise schriftliche Beiträge, Multimediapräsentationen, Filme oder Hörspiele und künstlerische Projekte eingereicht werden. Ich verfasste einen Textbeitrag mit einem Umfang von 49 Seiten. Meine Recherche umfasste zunächst die Suche nach geeigneten Informationsquellen. Aufgrund von Corona-Einschränkungen war ein direkter Besuch eines Archivs leider nicht möglich. Zum Glück wurde ich aber in einem Bundesarchiv fündig und konnte digitalisierte Originalunterlagen zur Planung der Friedensfahrt einsehen. Zeitungsartikel zum Rennen wertete ich ebenfalls aus. Zusätzlich besorgte ich mir über ein Online-Antiquariat DDR-Literatur zum Thema. Sehr wichtig waren aber die Interviews mit den Zeitzeugen.

Der Wettbewerb bietet die Möglichkeit, sich mit einem Thema viel länger zu beschäftigen, als man es aus der Schule kennt. Und da man das eigene Thema selbst auswählt, fehlt es auch nicht an der Motivation. Man lernt, mit Schwierigkeiten umzugehen, denn beispielsweise meldete sich nicht jeder*jede angefragte Wunschgesprächspartner*in zurück. Dann muss man nach Alternativen suche. Auch die Aufregung vor jedem Interview war eine Herausforderung – ich hatte immer Herzklopfen. Aber gut vorbereitete Interviewfragen halfen mir.

Eine Bereicherung fürs Leben

Die Preisverleihung und der Wettbewerb insgesamt waren super organisiert. Im Vorfeld gab es sogar einen Foto- und Videodreh-Termin, der zu Präsentation im Rahmen der Preisverleihung diente. Am Vorabend der Preisverleihung wurde ein gemeinsames Abendessen für alle Preisträger*innen organisiert. Alles war enorm aufregend für mich – der Festakt im Schloss Bellevue war natürlich einmalig. Der Bundespräsident nahm sich Zeit, um mit jedem der Preisträger*innen zu sprechen. Dieses Interesse hat mich überrascht und sehr gefreut.

Resümierend kann ich sagen, dass ich durch die Teilnahme einen sehr tiefen Einblick in die politische und vor allem auch gesellschaftliche Situation der 50er bis 70er Jahre gewinnen konnte. Ich verstehe nun, weshalb die Friedensfahrt solche Begeisterung auslöste. Mit keinem Buch und keiner Google-Anfrage hätte ich dies herausfinden können. Gerade jetzt in der 11. Klasse merke ich, dass ich beim Verfassen der ersten Facharbeit sehr strukturiert vorgehen konnte und ein gutes Zeitmanagement entwickelt habe. Ich kann mir vorstellen, nach dem Abitur zu studieren – allerdings eher etwas Naturwissenschaftliches.