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Elektroingenieur nach dualem Studium: Sprung von Legotechnik zum Porsche-Getriebe

Bei technischen Entwicklung am Puls der Zeit sein – das findet Stefan Eisner besonders reizvoll an seinem Beruf. Der 26-Jährige arbeitet seit 2019 als Ingenieur für Elektro- und Informationstechnik beim Informations- und Kommunikationstechnikunternehmen Ericsson. Dort ist er nach einem dualen Studium eingestiegen.

Elektriker arbeitet an einer Mobilfunkantenne (Foto: Oliver Killig)

„Ohne die modernen Mobilfunkantennen, die wir herstellen und auf Herz und Nieren prüfen, bevor sie an den Start gehen, würde unser öffentliches Leben gar nicht funktionieren“, sagt Stefan Eisner. „Das ist schon ein tolles Gefühl, wenn man davon ein Teil ist.“

2019 hat er sein duales Bachelorstudium im Fach Elektro-und Informationstechnik an der Technischen Hochschule Rosenheim abgeschlossen. Zuvor hat er eine Ausbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme gemacht und dazwischen sein Fachhochschulreife. Momentan arbeitet er 20 Stunden pro Woche bei dem Mobilfunk- und Multimediakommunikationsunternehmen Ericsson in Rosenheim. Berufsbegleitend bereitet er sich außerdem auf seinen Masterabschluss Elektro- und Informationstechnik vor, den er Ende 2021 in der Tasche haben will.

Software für Mobilfunkantennen

Stefan E. arbeitet mit Messgeräten. Stefan E. arbeitet mit Messgeräten.

Stefan Eisner arbeitet als Ingenieur für Elektro- und Informationstechnik.

Vor ein paar Monaten war Stefan Eisner noch viel mit Hardware im Bereich von Hochfrequenzkomponenten beschäftigt, hat gelötet, Platinen gefertigt und Prototypen für die Serienfertigung mitentwickelt. In seiner jetzigen Abteilung dreht sich nun alles um Software. In einem kleinen Team entwickelt Stefan Eisner mit zwei Kollegen Testprogramme zur Überprüfung von Mobilfunkantennen. Es geht dabei um Fragen wie: Wie gut strahlt sie ab? Passen alle vorgegebenen Parameter? Können Handys die Signale empfangen? „Die Software, die wir schreiben, muss sicher und einfach bei der Endkontrolle in der Fertigung anzuwenden sein. Oft kommt es vor, dass wir die Software noch schnell um weitere Module ergänzen müssen, weil aus einer anderen Abteilung noch ein Zusatznutzen gewünscht ist“, erzählt der 26-Jährige von seinem Arbeitsalltag.

Arbeiten mit teuren Messgeräten

Seine Ausbildung und sein duales Studium hat Stefan Eisner  eigentlich bei dem Rosenheimer Antennenhersteller Kathrein durchlaufen. 2019 wurde dessen Geschäftsbereich für Entwicklung und Produktion von Mobilfunkantennen an den schwedischen Konzern Ericsson verkauft. Insofern ist Stefan Eisner seinem ersten Arbeitsplatz treu geblieben, auch wenn er jetzt formal bei einem anderen Unternehmen beschäftigt ist. Wie viele Arbeitnehmer ist  Stefan Eisner Corona-bedingt überwiegend im Homeoffice tätig. Der Austausch mit den Kolleg*innen klappt trotz der Distanz.

Mit technischen Möglichkeiten – wie geteilten Bildschirmen – können sie gegenseitig Arbeitsergebnisse austauschen und sich für neue Projekte und Vorgaben abstimmen. Trotzdem muss er ab und zu an seinen Arbeitsplatz im Betrieb: „Die Messgeräte, für die wir die Software schreiben, sind natürlich sehr hochwertig, manchmal sperrig, die kann man nicht einfach mit ins Homeoffice nehmen. Und bei allen technischen Möglichkeiten ist es immer mal wieder notwendig, seine Arbeit am Gerät und vor Ort zu checken.“

Steile Lernkurven leicht bewältigt

Wenn er an sein Bachelorstudium und an das zurückdenkt, was er an der Hochschule über Software und Programmiersprachen gelernt hat und mit dem vergleicht, was er jetzt in der Praxis macht, sagt er: „Das ist schon eine steile Lernkurve. Ich würde sagen, so der Sprung von Legotechnik zum Porsche-Getriebe. Aber ich finde das gut, weil es mich fordert. Und es ist zu schaffen, weil man als dual Studierender schon immer parallel den Praxisbezug zur Theorie hatte“, meint Stefan Eisner. Man müsse sich aber im Klaren darüber sein, dass man Studium und Praxis im Betrieb unter einen Hut bringen und sich auf ein Unternehmen festgelegt haben muss.

Aber genau das nehme eben das Risiko und biete finanzielle Sicherheit. „In der Regel hat man im Anschluss die Zusage für eine Übernahme und die Einarbeitungszeit fällt weg. Und was noch viel wichtiger ist: Man kommt in aller Regel in ein betriebliches Umfeld, das einen haben will. Das erlebe ich als sehr motivierend.“

Für seine eigene Zukunft wünscht sich Stefan Eisner mittelfristig eine Mischung aus Hard- und Softwareaufgaben. „Für mich ist der Weg die Führungskraft-Karriereleiter hinauf nicht so sehr erstrebenswert, sondern ich sehe mich in mittlerer Zukunft eher als eine Art „Technical Lead“ in einem Unternehmen. Also als einen technischen Experten eher ohne Personalverantwortung. Einen, den man fragt, wenn man nicht mehr weiter weiß oder etwas völlig Neues entwickeln will, so etwas reizt mich."

Vielseitige und gefragte Absolvent*innen

Absolvent*innen der Elektro- und Informationstechnik entwickeln, berechnen, konstruieren und erproben neue elektronische Bauteile, Geräte, Maschinen, Anlagen und Systeme oder Verfahren zu ihrer Herstellung. Sie überwachen zudem die Herstellung, Montage, Vernetzung, Inbetriebnahme, Instandhaltung und den Betrieb von elektrotechnischen Anlagen und Systemen. Auch in der Forschung, Softwareproduktion, Aus- und Weiterbildung, im Vertrieb und Marketing, der technischen Kundenbetreuung, der Qualitätssicherung, der Betriebsorganisation und im Unternehmensmanagement ergeben sich Tätigkeitsfelder. In interdisziplinären Fachgebieten wie der Mechatronik, dem Wirtschaftsingenieurwesen, der Wirtschaftsinformatik und im Bereich der Medientechnik sind ihre Kenntnisse ebenfalls gefragt.

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