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Pflegewissenschaftlerin: Kein Tag ist wie der andere

Laura Todisco (35) arbeitet als Pflegewissenschaftlerin am Universitätsklinikum Frankfurt an der Verzahnung von Praxis und Wissenschaft in der Pflege.

Junger Krankenpfleger hilft einer Patientin mit einer Gehhilfe bei Wiedererlernen des Gehens.  (Foto: Julien Fertl)

Gefragt nach ihrem Berufsalltag, erklärt Laura Todisco: Natürlich gehe sie morgens wie viele andere Berufstätige in ihr Büro, logge sich auf ihrem Dienstrechner in ihren Benutzeraccount ein und schaue nach E-Mails – allerdings sei kein Tag wie der andere. Mit welchen Aufgaben sie sich beschäftigt, kann sie größtenteils eigenverantwortlich planen. „Es gibt Deadlines, aber an welchem Tag ich mich mit einer bestimmten Sache befasse, bestimme ich überwiegend selbst.“ Würde sie in einem Jahr nach ihren täglichen Aufgaben gefragt werden, hätten sich diese wieder etwas gewandelt. „Meine Arbeit ist vielfältig und das gefällt mir“, sagt sie.

Sie ist Pflegewissenschaftlerin und als solche in der Stabsstelle Pflegeentwicklung am Universitätsklinikum Frankfurt beschäftigt. Eine bleibende Aufgabe der 35-Jährigen ist etwa die Gestaltung und Aussendung des Klinik-Newsletters für die Pflege. Außerdem betreut sie regelmäßig Studierende aus pflegerischen Studiengängen, hilft ihnen bei Fragen und unterstützt sie bei Projektarbeiten. Oder sie bereitet sich für Besuche von Konferenzen vor; demnächst wird sie auf einer solchen einen Vortrag halten.

Projektarbeit und Arbeitsgruppen

Laura Todisco (Foto: privat) Laura Todisco (Foto: privat)

Laura Todisco

Abgesehen davon beschäftigt sie sich mit Projektarbeit zum Thema Pflege, eine der wechselnden Aufgaben. Beispielsweise begleitet sie aktuell das Projekt ‚Mundgesundheit in der Pflege‘ und leitet die klinikinterne Arbeitsgruppe hierzu. Daran beteiligt sind zwei pädiatrische Stationen, die sich beispielsweise dann mit dem Thema Mundgesundheit  befassen, wenn ein Säugling mit einer Sonde ernährt werden muss oder eine Entzündung im Mundraum auftritt.

Die Arbeitsgruppe diskutiert etwa Fragen zur Erfassung der Mundgesundheit: Wer gehört zur Risikogruppe, wann besteht pflegerischer Handlungsbedarf und wann sollten andere Berufsgruppen hinzugezogen werden? „Es hängt viel dran an diesem einen Thema“, sagt Laura Todisco. „Es geht um den ganzen Pflegeprozess, den wir hierbei im Hinblick auf Mundgesundheit durchlaufen.“

Akademische Pflege am Patientenbett

Ein weiteres Projekt, in das sie involviert ist, dreht sich um die Implementierung verschiedener Qualifikationen in der Pflege – beispielsweise darum, wie man Bachelorabsolventen in die klinische Versorgung einbindet. „Hierbei werden Praxis und Wissenschaft enger verzahnt und die akademische Pflege ans Patientenbett gebracht.“

Das bedeutet, dass ein*e wissenschaftlich Arbeitende*r in die Pflege einer Patientin bzw. eines Patienten eingebunden wird und recherchiert, welche Pflegemaßnahmen in diesem Fall in Frage kämen, die aktuell noch nicht angewendet werden.

Freiwilliges Praktikum zur Orientierung

Laura Todisco hat sich nach einem freiwilligen Praktikum in einem Klinikum dazu entschieden, in der Pflege zu arbeiten: „Weil es um Menschen geht, aber auch hohes pflegefachliches und medizinisches Know-how vorausgesetzt wird.“ Zunächst machte sie eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin und begann nach Abschluss derselben, am Universitätsklinikum zu arbeiten.

Bald merkte sie, dass sie sich beruflich weiterentwickeln möchte, reduzierte ihre Arbeitszeit auf 55 Prozent und nahm ein nebenberufliches Bachelorstudium im Fach Pflege und Gesundheitsförderung auf. „Das war spannend, weil es mein bislang erworbenes Wissen erweitert hat und quasi da ansetzte, wo die Ausbildung aufgehört hatte.“ Während des Studiums entdeckte sie ihre Lust am wissenschaftlichen Arbeiten und schloss, ebenfalls nebenberuflich, den Masterstudiengang in Pflegewissenschaft an. Beide Abschlüsse erwarb sie an der Evangelischen Hochschule Darmstadt.

Arbeit mit Kennzahlen

Anders als Pflegewissenschaftler*innen an Forschungsinstituten, die dort als wissenschaftliche Mitarbeiter*innen angestellt werden, schreiben solche an Kliniken weniger oft Forschungsanträge. „In einer Stabsstelle hat man auch mit Kennzahlen zu tun“, berichtet Laura Todisco. In Kennzahlen wird beispielsweise die Anzahl an Stürzen von Patienten ausgedrückt.

So trocken, wie das klingt, sei es aber nicht. „Es gibt am Universitätsklinikum viele Themenbereiche, und entsprechend abwechslungsreich ist es hier.“ Da die Bereiche des Universitätsklinikums sehr spezialisiert sind, ist sie bei fachlichen Themen oft auf ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis angewiesen – deshalb werden für viele Aufgaben Arbeitsgruppen aus den verschiedenen Kompetenzen gebildet. „Es geht für mich nicht darum, alles zu wissen, sondern darum zu wissen, wie man an evidenzbasiertes Wissen gelangen kann.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild

berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung. Hier kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen (Suchwort: Pflegewissenschaft).

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