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Försterin: Zwischen Wald und Wild

Mit ihrem Jagdhund streift sie durch die Wälder im südlichen Thüringen: Revierförsterin Lilli Mette (24). Sie untersucht Bäume auf Schädlinge oder erfasst Wildverbiss. Doch auch am Schreibtisch gibt es für sie viel zu erledigen.

Lilli Mette (Foto: privat)

Mit einem Fernglas sucht Lilli Mette in den Baumwipfeln nach dem Borkenkäfer. Auch die Stämme nimmt sie unter die Lupe. Sind darin Einbohrlöcher des Schädlings zu finden? Der Käfer macht sich gerne an Fichten zu schaffen. Und davon gibt es in ihrem Revier Luisenthal besonders viele. 1.200 Hektar groß ist das Gebiet. Es gehört zum Forstamt Finsterbergen und untersteht der ThüringenForst, einer Anstalt öffentlichen Rechts. Hat die 24-Jährige befallene Bäume entdeckt, markiert sie diese für die Fällung. Bis zu drei Stunden täglich verbringt die Revierförsterin im Frühjahr mit dieser Arbeit. Dann beginnt nämlich die Käfersaison.

Welche Bäume wo und warum gefällt werden, hält Lilli Mette schriftlich fest. „Alles, was draußen im Revier passiert, muss dokumentiert werden“, erklärt sie. Schreibtischarbeit im Büro gehört zum Alltag. In der Regel startet die Försterin so auch ihren Arbeitstag. Sie beantwortet dann beispielsweise Anfragen von Privatleuten, die Brennholz kaufen wollen. Oder sie arbeitet an der Jahresplanung für ihr Revier.

Neue Bäume pflanzen

Lilli Mette und ihr Hund Calle (Foto: privat) Lilli Mette und ihr Hund Calle (Foto: privat)

Lilli Mette

Bei der Planung legt sie fest, welche Bestände durchforstet werden sollen: Erntereife Bäume werden entfernt – forstfachlich heißt das „einschlagen“ – und neue gepflanzt. Eine nachhaltige Durchmischung sorgt dafür, dass der Wald seine Funktion erfüllen kann. Luisenthal etwa weist viele Steilhänge auf. Da ist es wichtig, dass der Boden gut durchwurzelt ist, um Erdrutsch zu verhindern. „Bei der Bepflanzung habe ich kreativen Spielraum“, freut sich Lilli Mette. „In diesem Jahr setze ich erstmals die in Thüringen seltenen Bergulmen“. Nach der Büroarbeit geht es für die Försterin ins Gelände. Sie fährt mit dem Auto zum Revier, dort ist sie dann meist zu Fuß unterwegs. Immer an ihrer Seite: ihr Hund Calle, ein Weimaraner, den sie selbst zum Jagdhund ausgebildet hat.

Die Arbeit im Wald muss Lilli Mette nicht alleine bewältigen. Für das Fällen und Verarbeiten der Bäume etwa ist ein externes Forstunternehmen zuständig. Auch ein Forstwirt und ein Forstwirtschaftsmeister arbeiten ihr zu. Zudem gibt es zwei Jägerinnen und elf Jäger, deren Einsatz Lilli Mette koordiniert. Während Frühjahr und Sommer von Holzernte und Durchforstung bestimmt sind, ist die Jagd ein Schwerpunkt in der zweiten Jahreshälfte. Die Försterin organisiert die Jagden und sorgt dafür, dass die Abschussquoten erfüllt werden. So sichert sie waldangepasste Wildbestände.

Der eigene Fingerabdruck fürs Revier

Für Lilli Mette ist mit dem Revier Luisenthal ein Traum in Erfüllung gegangen, denn sie stammt aus dieser Gegend. Zuvor hatte sie an der Universität Göttingen „Forstwissenschaften und Waldökologie“ studiert. Nach dem Bachelorabschluss startete sie in Hessen in den einjährigen Vorbereitungsdienst zum gehobenen Forstdienst. Bald danach wurde die Stelle in Luisenthal frei, und seitdem ist sie bei der Thüringer Forstbehörde angestellt.

„Mir gefällt an dieser Arbeit so gut, dass ich die Entwicklung des Waldes mitbestimmen kann“, beschreibt die Försterin ihre Motivation. Außerdem wichtig: keine Scheu vor schlechtem Wetter und hohe Flexibilität, etwa bei den Arbeitszeiten. Diese sind eigentlich werktags von 7 bis 15:30 Uhr; Ihre Brennholzkunden aber haben oft nur am Wochenende Zeit.

Und dann sind da noch die unvorhergesehenen Dinge. So kann es spätabends oder frühmorgens passieren, dass das Diensthandy klingelt: Es hat einen Wildunfall gegeben. Die Försterin macht sich auf den Weg, um den Jäger/innen  beim Bergen des Wilds helfen.

Info

Wer in den gehobenen Forstdienst verbeamtet werden möchte, benötigt einen Bachelorabschluss in Forstwissenschaften oder Forstwirtschaft. Dem schließt sich der Vorbereitungsdienst für den gehobenen Forstdienst an. Je nach Bundesland dauert dieser zwischen einem und eineinhalb Jahren. Zudem sind unter anderem die gesundheitliche Eignung (Forstdiensttauglichkeit) sowie der Jagdschein erforderlich. Mit einem Masterabschluss kann man in den höheren Forstdienst aufsteigen. Der Vorbereitungsdienst (Referendariat) dauert in diesem Fall in der Regel zwei Jahre. Er führt genauso zu einer Laufbahnprüfung und zusätzlich zur „Großen Forstlichen Staatsprüfung“.

Beamte/-innen im Forstdienst  sind für ein Revier verantwortlich oder arbeiten zusammen in größeren Forstbetrieben. Außerdem finden sie Stellen in Forstämtern der Kommunen und Länder oder bei Landwirtschafts- und Umweltministerien.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchworte: Revierförster/in, Forstdienst)
berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung. Hier kannst du dich über Studienmöglichkeiten in Deutschland informieren.
studienwahl.de

Deutscher Forstunternehmer-Verband e.V.

Interessensvertretung und Berufsverband für die in der Forstwirtschaft tätigen Unternehmer

forstwirtschaft-in-deutschland.de

Johann Heinrich von Thünen-Institut

Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

thuenen.de