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Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache: Sprachen lernen mit Bildern und Gesten

Anne Bartels (34) hat sich mit ihrer Arbeit als Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache einen Traum erfüllt. Sie ist für das GLS Sprachenzentrum in Berlin tätig und hat durch ihren Beruf auch ihre eigene Sprache besser kennen gelernt.

Lehrerin unterricht Schüler unterschiedlichster Herkunft.  (Foto: Martin Rehm)

Die Sprachkenntnisse sofort einzusetzen und in der zu erlernenden Sprache zu kommunizieren, das ist einer der Grundsätze, auf denen die Arbeit der Lehrkräfte am GLS Sprachenzentrum in Berlin basiert. „Wir haben das Prinzip ‚100 Prozent Zielsprache‘ – das heißt, im Unterricht wird ab dem ersten Tag ausschließlich Deutsch gesprochen“, sagt Anne Bartels, die dort als Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache (DaF) tätig ist. Das ergibt sich nicht nur daraus, dass die Teilnehmer*innen unterschiedlicher Herkunft sind und die deutsche Sprache eine gemeinsame Verständigungsbasis darstellt. Dahinter steckt auch die Erfahrung, dass das Eintauchen in die Zielsprache eine wichtige Rolle für das Erlernen spielt. Die Zielsprache wird ständig gehört, und die Schüler*innen müssen sich intensiver mit dem Unterrichtsstoff auseinandersetzen.

„Es war immer mein Wunsch, im DaF-Bereich zu arbeiten“, sagt Anne Bartels. Die Unterrichts-Gruppen bestehen aus Teilnehmer*innen jeden Alters und mit den unterschiedlichsten Motivationen. Da sind junge Menschen, die in Deutschland oder in der Schweiz studieren möchten. Oder Leute, die vor einem Urlaub ihre Sprachkenntnisse aufbessern wollen. Und natürlich Menschen, die wegen ihres Berufs oder ihrer Partner*innen nach Deutschland ziehen. Manchmal kommen ganze Schulklassen, die für ein oder zwei Wochen in Berlin sind und vor Ort Deutschkurse besuchen.

In Pandemiezeiten gibt es allerdings keinen Präsenzunterricht, die Kurse finden online statt. Vor Corona bot der Campus der GLS neben den Kursräumen einen Raum für Begegnungen und Austausch.

Unterrichten mit Kreativität und Leidenschaft

Porträtbild Anne Bartels. (Foto: privat) Porträtbild Anne Bartels. (Foto: privat)

Anne Bartels

Anfangs kann man natürlich nur in einfachen Sätzen sprechen und muss viel mit Bildern und Gesten arbeiten, erklärt die 34-Jährige. „Ich versuche, viele Beispiele zu machen, das Wort auf verschiedene Weisen zu erklären, und manchmal helfen nur noch Bilder. Ich gestikuliere auch viel und gerne – das ist oft die einfachste Variante, etwas zu zeigen.“ Natürlich braucht es hier Kreativität und Leidenschaft fürs Unterrichten. Das Arbeiten mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen ist für Anne Bartels eine große Bereicherung. Sie lernt neue Sichtweisen kennen, der kulturelle Austausch gehört zum Alltag. Ebenso Flexibilität: Jede Gruppe ist anders, stellt einen vor andere Herausforderungen. Besonders schätzt sie auch den Austausch mit Kolleg*innen. „Wir arbeiten in einer Art Tandem, so dass jeder Kurs von zwei Lehrkräften abwechselnd unterrichtet wird. Für die Lernenden hat das den Vorteil, dass sie zwei Unterrichtsstile kennenlernen und auch zwei verschiedene muttersprachliche Sprecher.“

Man entwickelt sich permanent weiter

Anne Bartels kam auf einem Umweg zu DaF. Nach ihrem Linguistik-Studium wollte sie einen DaF-Master machen, aber es gab damals noch relativ wenig Studienplätze. Deshalb hat sie sich zunächst anderweitig orientiert. Erfüllt hat sie sich ihren Wunsch durch ein Teacher-Training bei GLS, bei dem die Kompetenzen als DaF-Lehrkraft vermittelt werden. „Gut war, dass man das Gelernte auch sofort anwenden musste. Am Vormittag gab es die Kurse, am Nachmittag und Abend Unterrichtspraxis.“ Die Praxiserfahrung hält die gebürtige Berlinerin für unverzichtbar. „Ich rate jedem DaF-Studierenden, schon während des Studiums so viel Praxiserfahrung wie möglich zu sammeln. Erst dadurch merkt man, was Unterrichten eigentlich bedeutet – und ob es das Richtige für einen ist.“ Für sie hat die Realität ihre Vorstellungen sogar übertroffen.

„Die Arbeit mit Menschen ist vielfältig, man entwickelt sich permanent weiter“, berichtet Anne Bartels von ihren Erfahrungen. „Und man lernt auch die eigene Sprache besser kennen.“

Info

DaF-Absolventinnen und -Absolventen stehen ganz verschiedene Arbeitsfelder offen. Neben der Arbeit als DaF-Lehrkraft an Sprachschulen in Deutschland oder im Ausland gibt es spezialisierte Sprachkurse, z. B. Berufsschulkurse für Migrant*innen oder Weiterbildungskurse für DaZ (Deutsch als Zweitsprache). DaF-Absolventinnen und -Absolventen sind auch gefragt im Verlagsbereich, etwa für die Erstellung von Unterrichtsmaterialien für den Bereich DaF/DaZ, bei Medienproduzenten und in Bildungseinrichtungen sowie bei Stiftungen und Handelskammern weltweit. Auch der berufsbezogene Unterricht oder spezielles Kommunikationstraining in Firmen gehören zu den Arbeitsbereichen, ebenso wie Aufgaben im Bereich der Koordination und Betreuung von Sprachlernzentren an Hochschulen und Sprachschulen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Deutsch als Fremdsprache)

berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung. Hier findest du Infos zu Studienmöglichkeiten in ganz Deutschland.

studienwahl.de

Forum Deutsch als Fremdsprache

Internetseite des Fachverbands Deutsch als Fremdsprache mit Informationen, Materialsammlungen, weiterführenden links, einer Jobbörse sowie der Möglichkeit zum Austausch in Diskussionsforen.

deutsch-als-fremdsprache.de