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Lehrerin für katholische Religion: Über Gott und die Welt diskutieren

Valerie Sperling (31) ist Gymnasiallehrerin für katholische Religion. Da im Unterricht oft persönliche Themen zur Sprache kommen, ist die Verbindung zu den Schülerinnen und Schülern in diesem Fach besonders wichtig.

Ein Foto von Valerie Sperling vor einer Schultafel (Foto: Pierre Sperling)

Black Lives Matter, Islamismus, Klimaschutz – Themen des Religionsunterrichts? „Auf jeden Fall“, findet Valerie Sperling. „Es geht im Religionsunterricht nicht nur darum, die biblischen Texte zu lesen und etwas über die katholische Kirche zu lernen. Wichtig ist, den Schülern zu vermitteln, was der Glaube mit ihnen und ihrem Leben zu tun hat.“ So beinhaltet die Schöpfungsgeschichte eben auch den Auftrag, die Schöpfung und damit die Umwelt zu schützen.

Die Gymnasiallehrerin unterrichtet Englisch und Katholische Religion an der Bertolt-Brecht Schule in Nürnberg. Zwischen ihren beiden Fächern gibt es einen großen Unterschied: „Im Hauptfach Englisch geht es viel mehr um Leistungsnachweise und Noten“, findet die 31-Jährige. „Im Religionsunterricht ist die Herausforderung, eine gute Beziehung zu den Schülern herzustellen, damit sie sich in der Diskussion über persönliche Themen öffnen.“

Zweifel erlaubt

Die Schule hat Valerie Sperling schon immer Spaß gemacht. Schon als Schülerin hat sie Nachhilfeunterricht gegeben. Der Berufswunsch Lehrerin lag da nahe. Dass eins ihrer Fächer Katholische Religion werden würde, hat sich allerding erst spät ergeben: „Ich bin zwar katholisch aufgewachsen, hatte aber nie einen engen Bezug zur Kirche“, erzählt sie. „Mein Interesse dafür wurde in der Oberstufe geweckt. Dort haben wir Religionskritiker behandelt und mir wurde klar, dass es auch erlaubt ist, zu hadern und Fragen zu stellen. Da habe ich gemerkt, dass mich Glaube direkt betrifft und mir etwas gibt.“

Nach dem Abitur hat Valerie Sperling ihr Lehramtsstudium an der Justus-Liebig-Universität in Gießen begonnen. „Zu Beginn des Theologiestudiums musste man Sprachkenntnisse in Latein und Griechisch erwerben. Das war hart“, erinnert sie sich. „Danach ging es aber um die unterschiedlichsten Themen. Ich fand besonders spannend, die Glaubenssätze näher zu hinterfragen. Wo kommen sie her? Was bedeuten sie? Und was haben sie mit mir zu tun? Wir waren ein kleiner Studiengang, wo man in geschützter Atmosphäre diskutieren und auch mal kritisieren durfte.“

Lehrerlaubnis der Kirche

Nach dem Studium folgte das Referendariat in Nürnberg und das Zweite Staatsexamen. Um Katholische Religion unterrichten zu können, brauchte Valerie Sperling aber zusätzlich noch die Lehrerlaubnis der Kirche: „Dafür ist das Bistum zuständig“, weiß sie. „Um die Lehrerlaubnis zu bekommen, muss man während des Studiums und des Referendariats Veranstaltungen besuchen und ein Praktikum bei der Kirche absolvieren. Außerdem wird Wert daraufgelegt, dass man ein Leben im katholischen Sinne führt, also beispielsweise katholisch heiratet oder nicht aus der Kirche austritt.“

Da der Staat neutral ist, legt die Kirche auch den Lehrplan fest: „Im Religionsunterricht geht es aber nicht darum, die Schüler zum Glauben zu überreden. Sie sollen vielmehr in die Lage versetzt werden, eine eigene Glaubensentscheidung treffen zu können.“ Dabei hat Valerie Sperling festgestellt, dass viele Schüler*innen mit einem alten Religionsbild in den Unterricht kommen, das sich für sie in den häufigen Kirchenaustritten widerspiegelt: „Viele sind überrascht, wie praktisch und aktuell Glaube sein kann. So kann beispielsweise ein Unterricht in der 8. Klasse über Propheten bei Martin Luther King und der Black Lives Matter-Bewegung ankommen. Was heißt es, ein guter Mensch zu sein? Diese Frage ist immer aktuell.“