zum Inhalt

Evangelische Pastorin – Erfahrungsbericht: Jeder Tag ist anders

Kristina Pitschke (30) ist seit gut einem Jahr Pastorin der drei Gemeinden Horst, Reinberg und Reinkenhagen bei Greifswald. Für abi>> erzählt sie, welche Erfahrungen sie im Studium und bei Berufsbeginn gemacht hat.

Ein Foto von Kristina Pitschke  (Foto: privat)

Für mich war kurz vor dem Abitur noch nicht klar, dass ich Pastorin werden möchte. Zwar hatte ich einen Bezug zu Kirche und Gemeinde, war aber nicht besonders aktiv, beispielsweise in der Jugendarbeit. Durch das Vorbild zweier Pfarrer, die ich sehr mochte, bin ich schließlich zum Theologiestudium gekommen. Begonnen habe ich an der Humboldt-Universität in Berlin, mein Examen habe ich an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel gemacht.

Den Glauben im Studium gestärkt

Zu Beginn hat mir gefallen, dass sich das Studium mit meinen Interessen für Sprache, Geschichte und Psychologie deckt. Da ich schon immer gerne Sprachen gelernt habe, sind mir auch die Kurse in Latein, Griechisch und Hebräisch am Anfang nicht schwergefallen. Später ist mir aber klar geworden, dass mir die praktische Arbeit, wie die Seelsorge, am meisten Spaß macht. Auch wenn ich mit dem Theologiestudium nicht hätte Pastorin werden müssen, habe ich mich deshalb doch dafür entschieden.

Ich kann jedem nur empfehlen, das Studium zu genießen. Man hat viele Freiheiten und kann sich selbst einteilen, wann und was man macht. Ich habe das als gute Vorbereitung für den Beruf empfunden, in dem man auch für sich und seine Arbeit selbst verantwortlich ist. Manche bekommen durch die wissenschaftliche Herangehensweise im Studium Probleme mit dem eigenen Glauben. Mich haben das Hintergrundwissen und das Hinterfragen der Texte eher bestärkt.

Vikariat: Üben im geschützten Raum

Mein Vikariat habe ich in Greifswald absolviert. Ich erinnere mich noch an meinen ersten Gottesdienst. Es hat sich angefühlt wie in einer Prüfung mit 50 Prüfern. Das wurde im Laufe der Zeit besser. Ich habe verschiedene Gottesdienste gehalten, ein gemeindepädagogisches Projekt betreut, ein Praktikum im Krankenhaus gemacht und vieles mehr. Es war eine Zeit der Persönlichkeitsbildung, in der ich selbst gereift bin.

Im Vikariat hat man die Möglichkeit, die Arbeit im geschützten Raum kennen zu lernen. Man muss dafür noch nicht die volle Verantwortung übernehmen. Trotzdem wird man bei allem von der Gemeinde beobachtet, aber auch sehr unterstützt. Hinzu kommen noch Kurse im Predigerseminar und Supervision, um die Erfahrungen zu verarbeiten.

Sprung ins kalte Wasser

Der Berufsbeginn war dann aber trotzdem ein Sprung ins kalte Wasser. Plötzlich musste ich für meine Fehler selbst den Kopf hinhalten. Ich bin in meinen drei Gemeinden aber sehr gut aufgenommen worden, auch wenn es für viele eine Umstellung war, dass es nach einem älteren Pastor nun eine junge Pastorin gibt.

Ich mag an meinem Beruf, dass er so abwechslungsreich ist. Man weiß nie, was am nächsten Tag passiert. Da hat man sich beispielsweise vorgenommen, den Schreibtisch voller Papiere zu bearbeiten. Dann kommen aber nacheinander Anrufe, dass jemand verstorben oder ein Dachziegel von der Kirche gefallen ist. Am Ende des Tages hat man alles gemacht, nur nicht den Papierkram. Wie schon im Studium finde ich es aber schön, mir die Arbeit selbst einteilen zu können und keine festen Arbeitszeiten zu haben. Das heißt aber auch, dass ich mir meine freie Zeit selbst einplanen muss. Das schwierigste ist, sich selbst daran zu halten und nicht noch schnell etwas zu erledigen.

Arbeit mit den Menschen

Ich habe mich daran gewöhnt, vor Ort eine Person des öffentlichen Interesses zu sein, an die manchmal ein höherer Maßstab angelegt wird. Ich mag es, mit den Menschen zu tun zu haben und in Kontakt zu sein. Dabei muss man sich bewusst machen, dass man nicht allen Vorstellungen und Erwartungen gerecht werden kann. Außerdem hat man ein Anrecht auf Privatleben, das man durchsetzen muss. Dafür braucht es Selbstbewusstsein.

Meine Arbeit in der Corona-Zeit zu beginnen, war schwierig, denn eine Gemeinde lebt von der Gemeinschaft. Trotzdem gibt es schon schöne Erinnerungen, wie der Erntedankgottesdienst oder meine Ordination. Ich bin sicher, da kommen bald noch mehr dazu.