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Kirchenmusiker: Musizieren zum Lob Gottes

Lukas Henke (29) hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Er ist Kirchenmusiker an der Hauptkirche St. Petri in Hamburg. An der Orgel und mit dem Chor übernimmt er die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten und Konzerten.

Detailaufnahme einer Kirchenorgel (Foto: Verena Westernacher)

„Wenn man in der großen Kirche an Heiligabend bis zu 1500 Menschen an der Orgel begleitet, ist das ein unglaubliches Gefühl“, schwärmt Lukas Henke. Angefangen hat der 29-Jährige in einem kleinen Ort bei Bremervörde. „Ich stamme aus einer eher unmusikalischen Familie“, erzählt er. „Im Kindergarten und in der Grundschule ist meine Begeisterung für Musik erkannt und gefördert worden. Mit zehn Jahren habe ich dann mit Klavierunterricht begonnen.“

Vom Neben- zum Hauptberuf

Foto Lukas Henke  (Foto: Sascha Ortnot) Foto Lukas Henke  (Foto: Sascha Ortnot)

Lukas Henke

Über seine Klavierlehrerin ist Lukas Henke schließlich in die Kirche und zur Orgel gekommen. „Meinen ersten Gottesdienst habe ich mit 13 Jahren gespielt“, erinnert er sich. „Da war ich sehr aufgeregt. Aber es war ein guter Anfang in meiner kleinen, wohlwollenden Gemeinde.“ Bis zum Ende seiner Schulzeit hat der Kirchenmusiker schon nebenberuflich gearbeitet und die ersten Ausbildungsgrade (D und C-Prüfung) erworben. Neben der Orgel stand da auch Chorleitung auf dem Programm. „Die Entscheidung für die Kirchenmusik hat genauso einen spirituellen Grund, weil man so musikalisch seinen Glauben ausdrücken kann.“

An der Hochschule für Musik und Theater Hamburg begann Lukas Henke nach dem Abitur sein Studium der evangelischen Kirchenmusik: „Das Studium hat keinen typisch akademischen Charakter“, beschreibt der Kirchenmusiker. „Es gibt viel musikalischen Einzelunterricht, aber auch musiktheoretische und theologische Fächer.“ Dem Bachelor of Music folgte ein Master im Fach Chorleitung. Derzeit beendet der Kirchenmusiker neben seiner Stelle gerade seinen zweiten Masterstudiengang in Kirchenmusik.

Teamwork und lebenslanges Lernen

In der Hauptkirche St. Petri ist Lukas Henke als zweiter Kirchenmusiker mit einer halben Stelle beschäftigt. Dort leitet er einen Chor und hat Orgeldienst: „Ich teile mir mit meinem Kollegen die Gottesdienste an der Orgel auf. Die großen spielen wir auch zu zweit“, erklärt er. „Dazu gehört viel Teamwork und Kommunikation, nicht nur mit den Kolleginnen und Kollegen, den Chören, Orchestern und Gruppen. Schon im Vorfeld des Gottesdienstes muss zusammen mit den Pastorinnen und Pastoren geplant werden, im Archiv die passende Musik gesucht, die Küsterei informiert und im Kirchenbüro das Liedblatt erstellt werden. Da wirken sehr viele Menschen mit.“

Die Begleitung der Gemeinde im Gottesdienst ist für den Kirchenmusiker immer wieder eine besondere Herausforderung: „Ich spiele an St. Petri auf einer Orgel, die 15-mal größer ist als die in meiner Heimatgemeinde“, erzählt er. „Hinzu kommt der riesige Raum mit einer Nachhallzeit von sieben bis acht Sekunden. Da muss man sehr viel ausprobieren, bis man ein gutes Tempo und ein gutes Timing mit Pausen zwischen den Strophen und Zeilen hat.“ Hinzu kommt, dass sie Orgel kein Solokonzert geben soll, wenn sie die Gemeinde begleitet, sondern den Gesang der Gemeinte trägt. „Man lernt immer weiter, wie man das am besten umsetzt.“

Besondere Arbeitszeiten

Neben dem musikalischen gibt es für den Kirchenmusiker auch einen Büroalltag: „Für Konzertorganisationen beispielsweise ist sehr viel am Schreibtisch zu erledigen: Von der Finanzierungsplanung und Fundraising über Werbung und Öffentlichkeitsarbeit bis zu Ticketverkäufen und Abrechnung ist sehr viel Hintergrundarbeit nötig.“

Können diese Tätigkeiten zu normalen Bürozeiten erledigt werden, ist das bei Lukas Henkes sonstigen Aufgaben anders: „Meine Arbeitszeit ist die Freizeit der anderen“, fasst er zusammen. „Da sind die Gottesdienste am Sonntag und die Proben der Chöre am Abend. Mein Freundeskreis ist es gewohnt, dass ich bei manchen Unternehmungen nicht dabei sein kann. Schwierig sind auch Familienfeste wie Ostern. Diese Treffen muss man dann einfach anders organisieren.“

Vorteil Festanstellung

Die Arbeit für die Kirche ist für den Musiker trotzdem reizvoll. „Man hat die Möglichkeit, sehr viel auf die Beine zu stellen“, findet er. „Man hat schon einen Raum und viel Equipment zur Verfügung. Somit ist es leicht, interessante Kooperationen für spannende Konzerte zu finden. Im Gegensatz zu freien Musikerinnen und Musikern muss ich mir außerdem keine Sorgen um meine finanzielle Zukunft machen.“ Eine volle Festanstellung nach dem zweiten Masterabschluss hat Lukas Henke auch schon in Aussicht: Bald tritt er eine Kirchenmusikerstelle in Heidelberg an.