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Kriterien bei der Arbeitgeberwahl: Wer ist der Beste im ganzen Land?

Der Weg nach der Uni oder nach der Ausbildung ins Berufsleben ist von vielen Fragen gesäumt: Wie wird der Wechsel gelingen? Was will ich? Was kann ich? Wo möchte ich arbeiten? Wie möchte ich arbeiten? Mit dem richtigen Plan ist der richtige Arbeitgeber aber gar nicht so schwer zu finden.

Zwei Frauen schütteln sich zur Begrüßung die Hand.

„Als ich von der Uni kam, hatte ich nicht wirklich das Gefühl, fit für den Beruf zu sein, sagt Annika, die einen Bachelorabschluss in Sozialer Arbeit in der Tasche hat. „Deswegen habe ich beschlossen, während meines Masters praktische Erfahrung zu sammeln.“ Hierfür nahm die 26-Jährige eine 20-Stunden-Stelle in einem Kinder- und Jugendhilfeheim in Feucht bei Nürnberg an. Ursprünglich wollte sie nach dem Master weiter in Teilzeit arbeiten. Doch Annika merkte, dass sie Studium und Teilzeitstelle nicht in Einklang bringen kann. Das lag auch am Distanzunterricht, der bedingt durch Covid 19 noch weit verbreitet war. „Ich saß oft zu Hause alleine vor meinem Laptop. So hatte ich mir mein Studium nicht vorgestellt.“

Auch in der Einrichtung erkannte sie bald, dass sie andere Anforderungen an ihren Arbeitgeber stellt, als der Träger ihr bieten konnte. Also zog sie die Konsequenz. Sie brach ihr Masterstudium ab, kündigte ihren Teilzeitjob und fing bei einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung in Nürnberg neu an. Ihre Aufgaben sind die gleichen geblieben, Annika arbeitet im Bereich Hilfen zur Erziehung, also als Erziehungsbeistand und Familienhelferin. Das Arbeitsumfeld hat sich jedoch geändert: „Ich arbeite näher am Wohnort. Mein Träger hat Räumlichkeiten und Büros, die wir nutzen können. Ich kann mich zum Beispiel mit Familien oder Jugendlichen, die ich betreue, in unserem Spielraum oder unserem Kreativraum treffen. Außerdem stellt mir mein Arbeitgeber bei Bedarf einen Dienstwagen für Hausbesuche zur Verfügung.“

  • Zwei Personen im Gespräch an einem Tisch

    Von meinem Arbeitgeber erwarte ich eine angemessene Bezahlung, ein professionelles Arbeitsumfeld sowie Unterstützung durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen.

    Annika, Sozialarbeiterin
  • Porträt von Martin Frick

    Arbeitnehmer müssen davon ausgehen, dass sie die nächsten Jahre in dem Unternehmen verbringen werden. Die Frage lautet also: Kann ich mir vorstellen, ländlich zu leben oder muss es eine Großstadt sein?

    Martin Frick, Leiter Employer Branding, ZF Friedrichshafen AG
  • Porträt von Mandy Rusch

    Beim Einstieg sollte es zuerst um die Aufgaben gehen: Möchte ich die gerne machen? Gefällt mir der Bereich? Den Rahmen kann ich später immer noch ändern.

    Mandy Rusch, Berufsberaterin Agentur für Arbeit Leipzig

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen

Für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger haben sich die Chancen auf dem Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren gebessert. „In vielen Bereichen herrscht Fachkräftemangel“, weiß Mandy Rusch, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Leipzig. „Ingenieure werden genauso gesucht wie Informatiker, ebenso Geistes- und Sozialwissenschaftler, Lehrkräfte und Erzieher. Sowohl auf der Ausbildungs- als auch auf der Absolventenebene gibt es momentan viele freie Stellen.“

Unternehmen wollen trotz der schwachen Konjunktur für Nachwuchskräfte attraktiv sein und gehen daher auf deren Bedürfnisse ein. War Annika nach ihrem Bachelor-Abschluss froh, überhaupt eine Stelle gefunden zu haben, ist sie inzwischen selbstbewusster und weiß genau, was sie von ihrem Arbeitgeber erwartet: eine angemessene Bezahlung, ein professionelles Arbeitsumfeld sowie Unterstützung durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen. Dass ihr jetziger Arbeitgeber zusätzliche Benefits anbietet, ihr das Jobticket sowie eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio bezahlt, bewertet sie ebenfalls positiv. Besonders froh ist sie aber darüber, dass er sie bei ihrer Weiterbildung finanziell unterstützt: Aktuell macht sie eine Fortbildung zur systemischen Beraterin.

Mittlerweile arbeitet Annika sogar Vollzeit. „Es ist schon ein anstrengender Job, aber ich konnte mich rantasten und habe festgestellt, es ist von der Belastung her machbar für mich“, resümiert die Sozialpädagogin. Auch, weil nun die Rahmenbedingungen passen.

Work-Life-Balance vor Karriere

Sich „wohlfühlen“ ist für viele Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger zentral bei ihrer Suche nach dem passenden Arbeitgeber. Laut azubi.report 2024, für den über 900 Auszubildende nach ihren Wünschen für die Berufstätigkeit befragt wurden, wünschen sich 48 Prozent, mit Freude zur Arbeit zu gehen, für 44% ist eine gute Work-Life-Balance wichtig. Gegenläufig zum Trend der letzten Jahre gehört zum Wohlfühlen für viele junge Menschen aber auch ein hohes Gehalt (46 Prozent) und Sicherheit im Job (43 Prozent). Die Chancen auf eine steile Karriere liegen mit 34 Prozent hinter dem berufsunabhängigen Wunsch, eine Familie zu gründen (39 Prozent). Weiterbildungen, etwa in Form eines Studiums (13 Prozent) oder einer Qualifizierung zum Meister oder zur Meisterin (20 Prozent), haben für die befragten Auszubildenden keine große Relevanz. Den Wunsch nach freiem und ortsunabhängigem Arbeiten hat nur jede fünfte Person (23 Prozent).

Punkte, die Mandy Rusch aus ihrem Beraterinnenalltag bestätigen kann. „Das Gehalt ist nicht das allerwichtigste. Viele wünschen sich eine gesunde Work-Life-Balance, Teilzeit ist ein großes Thema – auch bei jungen Männern.“ So sollen liebgewonnene Hobbys auch im Berufsleben weitergeführt werden können. Um Beruf und Freizeit besser miteinander zu verbinden, macht Mandy Rusch seit einigen Jahren einen weiteren Trend aus: „Der Wunsch nach flexibler Arbeitsgestaltung wird immer größer.“ Eine Entwicklung, die die meisten Unternehmen mittlerweile aufgegriffen haben.

Wo diese flexiblen Arbeitszeiten abgeleistet werden, sollte ebenfalls flexibel gestaltet sein, aber bitte nicht ausschließlich im Homeoffice oder  in Präsenz. „Gerade Berufseinsteiger suchen den Kontakt zu Kollegen“, weiß die Berufsberaterin. „Die Jahre der Pandemie waren prägend und der Wunsch ist da, wieder etwas näher beieinander zu sein. Die Jungen wollen von den erfahrenen Kollegen lernen, adaptieren. Deshalb ist auch das Arbeitsklima so besonders wichtig.“

Von Station zu Station zum passenden Arbeitgeber

Wie Absolventinnen und Absolventen die passende Stelle finden können, weiß Martin Frick, Leiter Employer Branding bei der ZF Friedrichshafen AG. Die allererste Frage, die sie sich seiner Ansicht nach stellen sollten: Brenne ich für das Thema? Wer diese Frage mit „Ja“ beantworten könne, habe das Wichtigste bereits geklärt. Als zweitwichtigstes Kriterium sieht er den Standort: „Arbeitnehmer müssen davon ausgehen, dass sie die nächsten Jahre in dem Unternehmen verbringen werden. Die Frage lautet also: Kann ich mir vorstellen, ländlich zu leben, muss es eine Großstadt sein?“ Weiterhin sollten sich die Beschäftigten mit dem Unternehmen identifizieren können und ins Team passen: „Das stellt sich meist im Bewerbungsgespräch heraus und sollte gemeinsam mit den anderen Aspekten den Ausschlag geben“, sagt der Experte.

Beim Einstieg ins Berufsleben spielt auch der Verdienst eine Rolle: „Das Einstiegsgehalt sollte natürlich angemessen sein, ist aber nicht alles und macht nicht alleine glücklich“, meint Martin Frick. Beim Thema Weiterbildung ist er ebenfalls sehr klar: „Diese sollten Standard sein!“ Ein Firmenhandy, Dienstwagen, Sportangebote oder kostenloses Mittagessen sind in seinen Augen hingegen „schöne Statussymbole, die jeder Berufseinsteiger für sich selbst bewerten muss.“ Wichtiger findet er, ob ein Unternehmen verschiedene Veranstaltungen oder Mitarbeiterevents organisiert. „Diese sind ein indirekter Hinweis auf die Firmenmoral und vermitteln Wertschätzung.“

Eigene Erwartungen dämpfen

Einen passenden ersten Arbeitgeber zu finden, sollte mit der nötigen Vorbereitung jedenfalls kein Problem sein. Fachkräfte werden trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeiten gesucht, laut einer IDW-Studie aus dem Jahr 2024 planen manche Betriebe sogar, die Beschäftigung auszubauen, obwohl ihr Produktionsniveau gleichbleibt oder sinkt. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung oder einem Studienabschluss sind also alle Grundlagen gegeben. Mandy Rusch empfiehlt dennoch, an den Einstieg nicht die ganz hohen Erwartungen zu knüpfen, so bleibt die Reibungsfläche gering. „Wenn ich alles auf einmal will, kann es schwierig werden, das perfekte Unternehmen zu finden“, gibt sie zu bedenken. „Beim Einstieg sollte es zuerst um die Aufgaben gehen: Möchte ich die gerne machen? Gefällt mir der Bereich? Den Rahmen kann ich später immer noch ändern.“

Mehr Infos

BERUFENET

Das Online-Lexikon der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
www.berufenet.arbeitsagentur.de

Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit

www.arbeitsagentur.de/jobsuche

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit zu Perspektiven für Beruf und Arbeitsmarkt; Publikationen zum Arbeitsmarkt allgemein
www.iab.de 

azubi.report 2021

Ausbildungsstudie von ausbildung.de
recruiting.ausbildung.de/azubi-report

Trendence Institut

Arbeitgeber-Ranking für Studierende sowie Schülerinnen und Schüler, sortiert nach Fachrichtungen und Benefits
www.arbeitgeber-ranking.de