zum Inhalt

Szenarien: Wenn das Studium nicht gefällt

Was mache ich, wenn ich mich in meiner Studienstadt nicht wohlfühle? Wie finde ich ein Studium, das praktischer angelegt ist? Für alle, die an ihrem Studium zweifeln und über einen Studienfachwechsel nachdenken, zeigt Ulrikka Richter von der Zentralen Allgemeinen Studienberatung (ZAS) der Universität Marburg mögliche Lösungswege.

Eine Hand greift nach einem Buch in einem Bücherregal. (Foto: Julien Fertl | Bundesagentur für Arbeit)
  • Porträt von Ulrikka R.

    Am besten gehst du direkt auf die Zentrale Studienberatung deiner Hochschule oder die Berufsberatung deiner Agentur für Arbeit zu und sprichst mit den Beraterinnen und Beratern. Sie können dir helfen herauszufinden, was dir für die spätere Berufstätigkeit wichtig ist und Vorschläge für deine Umorientierung unterbreiten.

    Ulrikka Richter, Studienberaterin bei der Zentralen Allgemeinen Studienberatung der Universität Marburg

Szenario 1: Ich habe mein Studium begonnen und dann gemerkt, dass es nicht zu mir passt.

„Viele junge Menschen kennen nur die Berufe der Eltern oder des direkten Familienumfelds. Dadurch entstehen bei anderen Studienfächern oder Berufen schon mal falsche Vorstellungen. Wenn ich mit diesen falschen Vorstellungen ein Studium beginne, kann es sein, dass ich erst dann merke, welche Inhalte das Fach wirklich hat und dass es doch nicht zu mir passt. Deswegen ist es zu empfehlen, sich vorher zu informieren. Hochschulinfotage, Schnupperstudium oder eine Vielzahl von Online-Self-Assessments, die die Hochschulen oder die Bundesagentur für Arbeit anbieten, können dich bei deiner Studienorientierung unterstützen.

Die nächste Frage ist, aus welchen Gründen genau du dein Fach gewählt hast: Waren es reine Vernunftgründe wie etwa gute Verdienstaussichten? Gute Einstellungschancen? Jobsicherheit in der Branche? Oder hattest du großes Interesse an Schulfächern, die dem Studiengang ähnlich sind? Am besten gehst du direkt auf die Zentrale Studienberatung deiner Hochschule oder die Berufsberatung deiner Agentur für Arbeit zu und sprichst mit den Beraterinnen und Beratern. Sie können dir helfen herauszufinden, was dir für die spätere Berufstätigkeit wichtig ist und Vorschläge für deine Umorientierung unterbreiten. Deine Stärken und Interessen lassen sich garantiert mit einem Fach verbinden, das auch deine Ansprüche an einen Beruf erfüllt.“

Info

Mit Check-U – dem Erkundungstool der Bundesagentur für Arbeit findest du heraus, welche Ausbildungsberufe und Studienfelder besonders gut zu deinen Stärken und Interessen passen.

www.check-u.de

Szenario 2: Ich finde keinen Anschluss in meiner Studienstadt.

„Gerade in Zeiten der Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie habe ich diese Aussage öfter gehört. Es ist schwer, Anschluss zu finden, wenn kaum Veranstaltungen in Präsenz stattfinden. Viele Studierende, die am Anfang noch häufig nach Hause fahren und viel mit ihren Freundinnen und Freunden aus der Schule unternehmen, verbringen wenig Freizeit in ihrer Studienstadt. Sich Freizeitangebote in der Studienstadt zu suchen, hilft aber dabei, Kontakte zu knüpfen. Über Sportvereine, Lerngruppen, Unigremien oder -initiativen findet man Anschluss. Neue Freundschaften entstehen auch in WGs oder Studentenwohnheimen. Dort lernt man einfacher Leute kennen als in einer Wohnung, in der man alleine lebt, oder wenn man bei den Eltern wohnen bleibt.“

Szenario 3: Der Stress im Studium ist mir zu viel.

„Wichtig ist, dass du dir zuerst darüber klar wirst, welche Faktoren zu deinem Stress beitragen. Das kann zum einen die Menge an Kursen sein, die du belegst, aber auch die Art. Mehrere zeitaufwendige Kurse, beispielsweise mit langen Laborphasen im naturwissenschaftlichen Studium, können zu deinem Stress beitragen. Oder ist der Stress eher in deinem Privatleben? Musst du dich um Angehörige kümmern oder stresst dich deine Beziehung? Überfordert dich dein Nebenjob in Kombination mit dem Studium?

Wenn dir bewusst wird, woher dein Stress kommt, kannst du Lösungsansätze finden. Bei Stress im Privatleben oder Überforderung durch die Veranstaltungen an der Hochschule kann es dir helfen, zeitweise weniger Kurse zu belegen oder vielleicht sogar auf ein Teilzeitstudium umzustellen. Wenn du finanzielle Probleme hast, lohnt es sich nachzusehen, welche Förderungsmöglichkeiten es gibt. Zu BAföG über Stipendien bis zu Studienkrediten kann dich zum Beispiel das örtliche Studierendenwerk beraten.“

Szenario 4: Das Studium an der Uni ist mir zu theoretisch.

„Es gibt mehrere Möglichkeiten, Studiengänge mit höherem Praxisbezug zu finden. Du kannst dich an deiner eigenen Universität im Fachbereich nach Studiengängen umsehen, die eine ähnliche Ausrichtung haben, aber mehr praktische Aspekte einbinden. Alternativ kannst du, gerade im Fall eines naturwissenschaftlichen Studiums, an Fachhochschulen, also Hochschulen für angewandte Wissenschaften, nach Studiengängen mit stärkerem Anwendungsbezug suchen, zum Beispiel im Bereich der Ingenieurwissenschaften. Wenn es in deiner Fachrichtung möglich ist, hast du zudem die Option, ein duales Studium aufzunehmen.

Eine weitere Möglichkeit ist, das Studium abzubrechen und in eine Ausbildung zu wechseln, die sehr viel praxisorientierter ist. In der freien Wirtschaft besteht immer noch ein Fachkräftemangel, weshalb sich Unternehmen immer freuen, neue Auszubildende zu finden. Weder der Weg in den Beruf noch in ein späteres Studium wird dir durch einen Studienabbruch verbaut."