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Rechtsanwaltsfachangestellter

Ausbildung in einer Anwaltskanzlei

Organisationstalent trifft Teamarbeit: Fristen kontrollieren, Arbeitsabläufe organisieren, Mandant*innen betreuen – alles Aufgaben, die Niklas Barthel (21) in seiner Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachgestellten übernimmt.

Ein Buch mit Gesetzestexten.

Die rechte Hand von Rechanwält*innen: Rechtanwaltsfachangestellte kennen sich mit Gesetzestexten bestens aus.

Spätestens wenn man zum ersten Mal einen Mietvertrag unterschreibt, wird man mit rechtlichen Fragen konfrontiert. Mit Gesetzestexten zu arbeiten und zu wissen, was genau hinter vertraglichen Formulierungen steckt, motivierte Niklas Barthel, sich für die dreijährige Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten zu entscheiden. „Streng genommen ist schon das Kaufen eines Brötchens beim Bäcker ein Vertrag im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuchs“, erklärt Niklas Barthel. Auch wenn es bei Rechtsstreitigkeiten oder Verträgen selten um „Brötchen“ geht, ist das Beispiel sehr passend: in seinem Beruf sind Details sowie sorgsames, genaues Arbeiten wichtig.

Niklas Barthel

In der Berliner Kanzlei LIGANT, in der der 21-Jährige seine Ausbildung absolviert, arbeiten mehrere Rechtsanwälte mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten – von Arbeitsrecht über Miet- und Wohnungseigentumsrecht bis hin zu Gesellschaftsrecht. An drei Tagen in der Woche ist der Azubi in der Kanzlei, an zwei Tagen in der Berufsschule. Dort geht es um Büroorganisation, fachliche Themen aus der Rechtswissenschaft sowie um Rechnungswesen. Mittlerweile ist er im zweiten Ausbildungsjahr: „Meine Aufgaben in der Kanzlei sind auf die Lernfelder in der Berufsschule abgestimmt“, erzählt er. Unter anderem gehört die Erledigung von allgemeinen büroorganisatorischen Arbeiten dazu: „Telefonate entgegennehmen, beantworten oder an den entsprechenden Anwalt weiterleiten, Termine mit Mandanten und Mandantinnen vereinbaren, bei Gerichten nachfragen, Akten führen, den Posteingang und -ausgang bearbeiten, Rechnungen schreiben.“

All das sind zwar klassische Büroaufgaben, aber ohne sein rechtswissenschaftliches Hintergrundwissen nicht ohne weiteres zu machen: „Wenn etwa potenzielle Mandanten anrufen und einen Fall schildern, nehme ich erst einmal die Fakten auf, die wir dann an den jeweiligen Rechtsanwalt weitergeben. Da ist es wichtig zu wissen, welche Fragen man stellen muss und welche Fristen relevant sind.“

Sorgfalt und Konzentration

Egal, ob es um Ansprüche, die Abwicklung von Verträgen oder Rechnungswesen geht – vieles dreht sich genau um diese Fristen. Zum Beispiel hat man nur ein bestimmtes Zeitfenster, um bei einem Urteil in Berufung zu gehen oder um einen Widerspruch für einen behördlichen Bescheid einzulegen. In seiner Ausbildung lernt Niklas Barthel deshalb, wie man ein Fristenbuch und -kalender führt, damit keine Termine versäumt werden: „Rechtsanwaltsfachangestellte arbeiten zwar weisungsgebunden und die letzte Verantwortung trägt der Rechtsanwalt, aber allein schon mit dem Fristenkalender ist sehr viel Verantwortung verbunden“, erklärt er. Das gilt auch für die Bearbeitung von sogenannten Zwangsvollstreckungen, zum Beispiel, wenn Geld gepfändet wird, oder die Einleitung und Abwicklung von Mahnverfahren. Mit der gleichen Sorgfalt und Konzentration muss Niklas Barthel Schriftsätze verfassen, die die Rechtsanwälte diktiert haben: „Natürlich lesen die Rechtsanwälte das Schreiben noch mal durch, aber dennoch müssen sie sich auf uns verlassen“, merkt er an.

Nach dem Abitur war Niklas Barthel nicht gleich klar, dass er Rechtsanwaltsfachangestellter werden will. Stattdessen startete er zunächst ein duales Studium im gehobenen öffentlichen Dienst, stellte aber sehr schnell fest, dass seine Erwartungen nicht erfüllt wurden. Die rechtlichen Themen in Studium hingegen lagen ihm. In einer Zeitungsanzeige stieß er auf den Ausbildungsberuf rund um Rechtsfragen, recherchierte ein wenig und bewarb sich dann gezielt in Berlin bei mehreren Kanzleien. „Im Studium habe ich gemerkt, dass mir zu viel Theorie zu eintönig ist. In meiner Ausbildung sind Theorie und Praxis hingegen sehr gut aufeinander abgestimmt“, sagt der 21-Jährige, der sich über das gute Arbeitsklima im Büro freut, schließlich wird vieles im Team bearbeitet.

Seine Ausbildung bietet ihm übrigens mehrere Optionen, sich weiterzubilden und auf der Karriereleiter aufzusteigen: „Ich würde gerne nach meiner Ausbildung die Fortbildung zum Rechtsfachwirt machen“, ist er sich jetzt schon sicher.

>> So kann ein typischer Arbeitstag aussehen

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Stand: 16.02.2021

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