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Berufswelt im digitalen Wandel: Wandel der Arbeitswelt

Digitale Technologien verändern unser Leben enorm – den Alltag, aber auch die Jobs. Viele dieser Prozesse wurden durch die Corona-Pandemie noch verstärkt.

Junge Frau arbeitet an einem Schreibtisch an zwei Bildschirmen.  (Foto: Martin Rehm)

Seit dem Frühjahr 2020 verändert Corona die Welt. Viele Büros, Geschäfte und andere Einrichtungen wurden von einem Tag auf den anderen geschlossen. Noch immer arbeiten zahlreiche Menschen im Homeoffice, Schulen und Universitäten unterrichten virtuell und immer mehr Menschen erledigen ihre Einkäufe online. Ganz neu sind diese Entwicklungen nicht. Die Pandemie beschleunigt jedoch Prozesse, die schon vorher begonnen haben. Ein entscheidender Faktor ist die Digitalisierung. Sie hat auch das Berufsleben bereits stark verändert – und tut es weiterhin.

Wer hätte etwa vor 20 Jahren geglaubt, dass wir heute im Internet shoppen, mit Hilfe von Apps an der Börse spekulieren und Maschinen und Bauteile miteinander vernetzt sind? Der technische Fortschritt wird weitere Veränderungen für die Arbeitswelt mit sich bringen, da sind sich Fachleute einig.

Könnten einige Berufe ganz wegfallen?

Ein Foto von Katharina Dengler (Foto: Palm-Nowak) Ein Foto von Katharina Dengler (Foto: Palm-Nowak)

Katharina Dengler

Katharina Dengler arbeitet am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit und forscht dort zu Substituierbarkeitspotenzialen von Berufen. Sie schaut sich an, wie Berufe durch Computer und computergesteuerte Technik ersetzt werden könnten. „Dabei geht es allerdings nur um die technische Machbarkeit, nicht darum, wie realistisch das aus rechtlicher oder ethischer Sicht ist.“ Der Lehrer-Beruf beispielsweise wäre demnach bereits zu 13 Prozent substituierbar, in der Realität aber wird man Schüler*innen nie ganz einem Computer überlassen.

„In den vergangenen Jahren hat sich wegen der neuen Techniken und der Digitalisierung bereits vieles verändert“, sagt Katharina Dengler. Sie verweist dabei auf mobile Roboter, die unter anderem dank ihrer Sensoren mit Menschen zusammenarbeiten können. Ein weiteres Beispiel sind 3D-Drucker, die mittlerweile in Serie produzieren.

Große Umwälzungen erwartet

Das führt auch dazu, dass sich einige Berufe mehr gewandelt haben als andere. So hat der Onlinehandel einen starken Einfluss auf die Handelsberufe. In Logistikberufen wiederum helfen mobile Roboter und Bilderkennungstools, automatisch Produkte nachzubestellen und Lager sowie Warenregale zu füllen. Berufe in den Bereichen Medizin und IT nennt Katharina Dengler als positive Beispiele für Digitalisierung: „Alte, ersetzbare Tätigkeiten sind dort teilweise weggefallen und neue Tätigkeiten, die nur schlecht ersetzbar sind, kommen hinzu.“

Beim Blick in die Zukunft sieht die Expertin ebenfalls Unterschiede: Soziale Berufe wie die der Lehrer/in und der Erzieher/in sind ihrer Ansicht nach schlecht ersetzbar, weil soziale und interaktive Kompetenzen gefragt sind. Fertigungs- und fertigungstechnische Berufe aber, in denen Güter oder Maschinen hergestellt werden, könnten laut Katharina Dengler durch den technischen Fortschritt und Roboter ersetzt werden. „Es wird zu großen Umwälzungen zwischen Branchen und Berufen kommen. In der Summe wird es aber durch die Digitalisierung letztendlich nicht weniger Beschäftigte geben.“

Zurückhaltende Prognosen

Ein Foto von Oliver Stettes (Foto: Institut der deutschen Wirtschaft) Ein Foto von Oliver Stettes (Foto: Institut der deutschen Wirtschaft)

Oliver Stettes

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ist mit Prognosen über die Entwicklung des Arbeitsmarktes oder einzelne Berufe und Branchen noch zurückhaltender. „Es ist wenig zielführend und teilweise auch irreführend, wenn man von Jobs mit und von Jobs ohne Zukunftsperspektive spricht“, sagt Oliver Stettes, Leiter Kompetenzfeld Arbeitsmarkt und Arbeitswelt beim IW.

„Im Jahr 2040 wird sicher vieles anders sein als jetzt, aber keiner weiß, wie das genau sein wird.“ Denn auch wenn technische Fortschritte Veränderungen mit sich bringen, heiße das nicht automatisch, dass ein Job ganz wegfalle. „Nicht alles, was technisch möglich ist, wird auch umgesetzt, eventuell auch, weil man das nicht will.“ Das gelte etwa für Roboter in der Pflege ebenso wie für den Einzelhandel. Denn selbst ein Trend zu mehr Onlineshops bedeute nicht, dass Verkäufer/innen überhaupt nicht mehr gefragt seien. Auch der Bäckerberuf wird kaum wegfallen, obwohl er bereits zu 100 Prozent substituierbar ist, weil es immer Menschen geben wird, die Handgebackenes wertschätzen.

Wichtiger sei zu bedenken, dass sich in den meisten Tätigkeiten etwas verändern wird. „Fast jeder Job erfordert Anpassung, man muss sich mit dem Job verändern“, sagt Oliver Stettes. Wenn beispielsweise ein Unternehmen nachhaltiger und klimabewusster werden will, könnte das einen Einfluss auf die Produktion und damit auch auf die Aufgaben aller Beteiligten haben.

Jobs, die es jetzt noch nicht gibt

„Ein möglicher Wandel sollte uns aber nicht abschrecken, einen Beruf zu ergreifen, der uns Spaß macht.“ Überhaupt sollte man bei der Wahl seines Berufs auch nach eigenen Wünschen und Vorlieben gehen, findet der Experte. „Es macht keinen Sinn, einen Beruf zu wählen, bei dem viele sagen, der habe eine Perspektive – und man sich dann aber nicht wohl fühlt.“

Wird die Digitalisierung den Arbeitsalltag nachhaltig verändern? Wo liegen die Chancen und Herausforderungen? Mit Fragen wie diesen beschäftigt sich auch das Projekt „Zukunft der Arbeit“ der Bertelsmann Stiftung, die auf diese Weise für den Umgang mit der Digitalisierung sensibilisieren will. Dafür werden unter anderem Beispiele von Unternehmen gezeigt, die den Übergang ins Zeitalter der Digitalisierung bewältigt haben.

Eine Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Stiftung der Deutschen Wirtschaft für den Studienkompass wiederum geht auf Schätzungen des World Economic Forum ein, wonach 65 Prozent der heutigen Schulkinder später in Berufen arbeiten werden, die es jetzt noch gar nicht gibt. Für die Umfrage wurden auch Eltern befragt – 76 Prozent von ihnen gaben an, dass sie keine Vorstellung davon haben, was die Berufe der Zukunft sind.

Weitere Informationen

Blog der Bertelsmann Stiftung zum Projekt „Zukunft der Arbeit“

zukunftderarbeit.de

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit

iab.de

Institut der deutschen Wirtschaft

iwkoeln.de

Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation

iao.fraunhofer.de/

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild

berufenet.arbeitsagentur.de