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Goldschmied: Auf Cellinis Spuren

Jakob Kaiser (24) brach ein Informatikstudium ab und begann eine Ausbildung zum Goldschmied. In Zukunft möchte er beide Bereiche verknüpfen.

Jakob Kaiser (Foto: privat)

Nicht ohne Stolz berichtet Jakob Kaiser von dem Werkstück, mit dem er in diesem Jahr den zweiten Platz bei „Junge Cellini“ belegt hat, dem Nachwuchswettbewerb des deutschen Zentralverbands der Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere. Benvenuto Cellini, so hieß ein italienischer Goldschmied, der im 17. Jahrhundert lebte.

Das Wettbewerbsthema lautete ‘Einschnitt’. Jakob Kaiser fertigte aus zwei Silbermünzen – einer westdeutschen D-Mark und einer ostdeutschen Mark – eine Schere. Die kann zwar nicht schneiden, ist aber beweglich und umso symbolträchtiger. „Sie soll an die Trennung und Wiedervereinigung Deutschlands erinnern, erzählt der 24-Jährige. Außerdem hat er ein Stück Berliner Mauer eingearbeitet, was eine echte Herausforderung war: „Silber leitet Wärme so gut, dass das Werkstück an allen Stellen gleich heiß wird. Deshalb ist das Löten nicht einfach.”

Einstieg mit Praktikum

Jakob Kaiser  (Foto: privat) Jakob Kaiser  (Foto: privat)

Jakob Kaiser

Herausforderungen wie dieser, dem filigranen Arbeiten überhaupt, widmet er sich gern. Er steht im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Goldschmied in der Fachrichtung Schmuck. Dass er einmal in diesem Beruf landen würde, war ihm nach dem Abitur alles andere als klar.

Er war schon immer gut in Mathematik, hatte Interesse an Informationstechnologie – was also lag näher als ein Informatikstudium? Nach zweieinhalb Jahren in diesem Fach an der Technischen Universität Berlin und einer Nebentätigkeit als Informatiker stellte er jedoch fest, dass seine Zukunft woanders liegen muss. Und so fasste er das Handwerk ins Auge.

Zunächst versuche er sich als Tischler und machte ein Praktikum, das war ihm aber nicht filigran genug. Eine befreundete Goldschmiedin, die ihm von ihrem Beruf berichtete, und ein gewisses Interesse an Edelsteinen ergaben den nächsten Impuls. So begann er ein weiteres Praktikum und war sich sicher, den passenden Beruf gefunden zu haben. Seine Ausbildung macht er jetzt bei einer Goldschmiedemeisterin in Berlin. Und ist bereits in der Gold- und Silberschmiedeinnung Berlin aktiv: Er programmiert die Innungswebseite.

Ohne Angst an Werkstücke gehen

Aus seinem Goldschmiede-Praktikum hatte er bereits einige Erfahrung im Sägen mitgebracht. „Drei Monate lang musste ich im ersten Praktikum üben, geradeaus oder um die Kurve zu sägen, lernte hierfür verschiedene Sägetechniken und sägte beispielsweise Sterne in Blech.” In seinem Ausbildungsbetrieb hatte er danndas erste Mal ein Lötgerät in der Hand und wurde, nachdem er einen Tag lang mit selbigem geübt hatte, gleich mit Reparaturen für die Kundschaft beauftragt. „Meine Chefin sagte: Es bringt nichts, wenn man mit Angst an die Werkstücke rangeht. Und wenn ich was kaputt mache, würde sie es schon wieder reparieren.”

Kaputt machte Jakob Kaiser nichts, ganz im Gegenteil. Seinen ersten Auftrag, die Reparatur einer Kette mit viereckigen Gliedern – einer so genannten Venezianerkette – erledigte er wie aufgetragen. „Mein erster Gedanke im Umgang mit dem Lötgerät war: Oh mein Gott, ich schmelze Metall!”

Durchhaltevermögen und Geduld habe er in seiner Ausbildung gelernt, berichtet Jakob Kaiser, nicht nur beim Sägen. Auch beim Verringern des Durchmessers eines Drahts, wofür selbiger auch mal zwei Stunden lang durch die Löcher eines Zieheisens gezogen werden muss. Oder beim Polieren, „einer unbeliebten Aufgabe, die aber täglich und meist vom Lehrling gemacht werden muss.”

Konkurrenz durch Technik

Gold und Silber kann man mittlerweile auch mit dem 3D-Drucker in Form bringen, weiß er. „Klar verändert sich unser Beruf, aber noch müssen derartige Drucksachen von Hand nachbearbeitet werden.” Abgesehen davon ist sein Traum, in Zukunft die technischen Möglichkeiten im Rahmen einer Selbständigkeit selbst anzuwenden – er könnte die Maschinen durch seine Informatikkenntnisse schließlich selbst programmieren. „Leider liegen die Anschaffungskosten für die Maschinen noch im Millionenbereich, also bleibt es zunächst ein Traum.”

Nun fasst Jakob Kaiser erstmal die Abschlussprüfung ins Auge. Ideen fürs Gesellenstück hat er schon, wird aber von Berufserfahrenen auch davor gewarnt, sich zu übernehmen. Denn die Fertigung erfolgt nicht im Ausbildungsbetrieb, sondern in Räumen und mit Werkzeugen des Verbands. Und am Ende muss alles zur technischen Zeichnung passen, die er selbst im Vorfeld anfertigen wird: „Maximal 0,1 Millimeter darf man davon abweichen.”

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Goldschmied)

berufenet.arbeitsagentur.de

Zentralverband der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere e. V.

Auf der Webseite des Zentralverbands findet man auch Fotos der Siegerwerkstücke des im Text erwähnten Wettbewerbs.

zentralverband-goldschmiede.de