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Zahntechnikerin: Für ein selbstbewusstes Lächeln

Aus eigener Erfahrung weiß Lene Döscher (22), wie viel guter Zahnersatz zum eigenen Wohlbefinden beiträgt. In ihrer Ausbildung zur Zahntechnikerin lernt sie mikrometergenau zu arbeiten – für ein perfektes Ergebnis am Schluss.

	Eine Frau hält Skalpell mit sehr dünner Klinge ab ein künstliches Gebiss über einen Tisch. (Foto: Martin Rehm | Bundesagentur für Arbeit)

Ein normaler Ausbildungstag beginnt für Lene Döscher in der Gipsküche des Zahnmedizinischen Zentrums Berlin. Aus der Zahnarztpraxis, die dem Zahntechniklabor direkt gegenüberliegt, sind bereits die ersten Alginat-Abformungen des Tages eingetroffen. Alginat ist eine Paste, mit der Zahnärztinnen und Zahnärzte einen Kieferabdruck ihrer Patientinnen und Patienten nehmen. „Diese Abformungen müssen idealerweise nach 15 Minuten mit Gips ausgegossen werden, weil sie sich mit der Zeit verziehen können“, erklärt die 22-jährige Auszubildende. Andere Abformmaterialien, zum Beispiel Silikon, können auch mal länger liegen bleiben. „Wenn der Abdruck schlecht ist oder das Modell schief, kann die ganze Arbeit nicht gut werden.“ Egal, ob später eine Schiene, eine Prothese oder eine Zahnspange gesetzt werden soll.

  • Aufnahme von Lene

    Ein guter Zahnersatz steht für eine besondere Lebensqualität. Das Gesicht formt sich anders, man ist selbstbewusster, man kann anders, besser, sprechen. Und das finde ich hammerstark!

    Lene Döscher

Mit Fingerspitzengefühl

Im ersten Ausbildungsjahr zur Zahntechnikerin hatte Lene Döscher fast ausschließlich Modelle mit Gips ausgegossen. „Das machen wir, damit wir Strukturen erkennen und Abläufe schneller erledigen können“, erklärt sie. Mittlerweile befindet sich die gebürtige Rostockerin im dritten Lehrjahr der dreieinhalbjährigen Ausbildung und hat alle Bereiche der Zahntechnik kennenlernen können.

Sie lernte kleine Drahtklammern aus Metall zu biegen, die später das Gerüst für den Zahnersatz oder die Spangen bilden, formte einzelne Zähne für Implantate, fertigte sogar schon eine Vollprothese an und goss im Schmelzofen Metalllegierungen auf für Metallgerüste. „Das ist allerdings eine Art Zahnersatz, die langsam ausstirbt“, sagt die Auszubildende. „Eine günstige Prothese, aber man hat ein Metallgerüst im Mund. Metall ist ein guter Wärmeleiter, deshalb kann es zu Verbrennungen kommen, wenn man was Heißes isst oder trinkt.“

Da die Digitalisierung in der Zahntechnik große Fortschritte gemacht hat, werden viele Zahnmodelle am Computer erstellt und von einer Maschine gefräst. Nur der Feinschliff erfolgt per Hand. „Dadurch wird Zahnersatz günstiger“, erklärt die 22-Jährige. Sie erhielt eine Einweisung in das 3-D-Programm, in der Regel modellieren die Auszubildenden weiterhin mit der Hand. „Für diesen Beruf muss man unbedingt ein gutes Fingerspitzengefühl haben und geschickt sein“, fasst Lene Döscher zusammen. „Man muss ein Auge für Ästhetik haben: Was ist schön, welcher Schwung ist toll, wo erkenne ich Muster in den Zähnen, damit ich eine schöne Zahnreihe schaffen kann?“

Momentan ist sie in der Abteilung, in der Kunststoff für Zahnschienen verarbeitet wird, etwa für Interimsprothesen mit Metallklammern. Auch hier ist Präzisionsarbeit gefragt. „Man muss das Mischungsverhältnis von Kunststoff genau erlernen“, betont Lene Döscher. Zum einen, damit er richtig bindet und abhärtet, zum anderen, weil die falsche Dosierung giftig ist.

Fehler machen in der Berufsschule

Einmal wöchentlich besucht sie die Berufsschule. Neben Anatomie, Physik, Chemie, Mathe und Deutsch nimmt Materialkunde einen großen Teil des Unterrichts ein. Während im Labor alle Schritte perfekt ausgeführt werden müssen, sollen die Azubis im Unterricht manchmal sogar Fehler machen. „Wir gucken dann, was passiert, wenn sich Metall zu stark erhitzt oder wir das Mischverhältnis beim Kunststoff nicht richtig beachten“, erklärt Lene Döscher.

Voraussichtlich in einem Jahr wird sie ihre Ausbildung abschließen. Obwohl sie fasziniert von den Aufgaben und den Spezialisierungsmöglichkeiten nach ihrem Abschluss ist, will sie Zahnmedizin studieren. Nachdem sie selbst bei einem Unfall als Kind einen Vorderzahn verlor, war das Thema für sie schon sehr früh präsent. Lene Döscher weiß: „Ein guter Zahnersatz steht für eine besondere Lebensqualität. Das Gesicht formt sich anders, man ist selbstbewusster, man kann anders, besser, sprechen. Und das finde ich hammerstark!“

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