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Textillaborant: Stoffen auf der Spur

Einen guten Blick und technisches Verständnis sind in Lorenzo Weidners Job das A und O. Der 23-Jährige lernt im dritten Ausbildungsjahr als Textillaborant bei dem Bekleidungsproduzenten Falke im sauerländischen Schmallenberg.

Zu sehen ist eine Spindel (Garnweife), auf der ein heller Garnfaden gespannt ist. (Foto: Exel Jusseit)

Auf die Ausbildung zum Textillaboranten ist Lorenzo Weidner eher zufällig gestoßen. „Falke ist einer der größten Arbeitgeber in unserer Region und ich habe mich informiert, welche Ausbildungen dort angeboten werden“, erklärt er. „Von dem Beruf hatte ich vorher noch nichts gehört, aber das Anforderungsprofil und die praktische Arbeit im Labor haben mich gereizt. Naturwissenschaften waren schon in der Schule meine Stärke.“ Nach dem Testlauf in einem dreimonatigen Praktikum war für Lorenzo Weidner klar: Er bleibt bei Socken, Strümpfen, Strumpfhosen und Sportbekleidung.

Gegen Löcher und Laufmaschen

Profilbild von Lorenzo Weidner (Foto: privat) Profilbild von Lorenzo Weidner (Foto: privat)

Lorenzo Weidner

Der Auszubildende im dritten Lehrjahr ist in der Qualitätssicherung tätig. Diese Abteilung ist dafür zuständig, dass die Textilien alle an sie gestellten Anforderungen erfüllen: Sie müssen reißfest sein, dürfen nicht abfärben und sollen keine Knötchen bilden. Außerdem prüfen Textillaborantinnen und Textillaboranten, ob die Garne, Gewebe und Gestricke in ihrer Stärke und ihren Farben den Mustervorgaben entsprechen. Dazu führt Lorenzo Weidner vielfältige chemische und physikalische Tests durch.

Seine aktuelle Ausbildungsstation ist der Garneingang, wo jedes neue Garn in jeder Farbe geprüft wird. Ob das Garn reißfest ist, stellt er beispielsweise mit einem Prüfgerät fest, in das Garnstücke in immer identischer Länge eingespannt und dann so lange gezogen werden, bis sie reißen. Dabei wird aufgezeichnet, wie viel Kraft dafür nötig ist. Das Testergebnis wird in einem Computerdiagramm dargestellt und genau dokumentiert. „Dass die Maßeinheit Newton ist, sollte man wissen“, sagt Lorenzo Weidner. Dafür sorgt aber auch der Theorieunterricht in Fächern wie Chemie oder Physik an der Berufsschule, die er im Blockunterricht besucht.

Fingerspitzen und Farben

Technisches Interesse allein genügt nicht. „Als Textillaborant braucht man eine gute Feinmotorik“, erklärt der Auszubildende. Schließlich müssen die Proben präzise und im richtigen Abstand eingespannt werden. Auch ein genauer Blick für Farben und Farbschattierungen gehört dazu. Ob Garne oder Gewebe ausreichend farbecht sind, prüft er über einen optischen Vergleich mit einem Graumaßstab. Hier muss er feinste Abstufungen bei über 1.000 Farben erkennen und so herausfinden, welcher Stufe des Graumaßstabs die Anfärbung des Multifibre-Gewebes entspricht. „Wir arbeiten hier immer nach dem Vieraugenprinzip“, erklärt Lorenzo Weidner, „schließlich hat jeder seine Tagesform“.

Langweilig wurde ihm in seiner dreieinhalb Jahre dauernden Ausbildung bisher noch nicht. Vielmehr freut er sich auf das ständige Lernen und seine Weiterentwicklung in der Berufspraxis: „Ich finde es spannend, mit jedem Test Wissen zu sammeln. Als erfahrener Laborant kann ich später auch analysieren, warum ein Gewebe Farbe verliert, und Fehlern in der Produktion auf den Grund gehen.“ Eventuell kann er sich nach seinem Abschluss in einem der Qualitätssicherungsbereiche spezialisieren. Auch spätere Weiterbildungen, etwa als Textiltechniker oder Industriemeister Textilwirtschaft, sind vorstellbar.

So kann ein Arbeitstag aussehen >>