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In der Ausbildung ins Ausland: Lernen in allen Ländern der Welt

Laut Berufsbildungsgesetz dürfen Azubis einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren. Das hat nicht nur für sie Vorteile, sondern auch für die Unternehmen. Infrage kommen dafür alle Länder der Welt.

Verschiedene europäische Flaggen in einem Büro.

„Wenn man Azubis fragt, welchen Mehrwert ihr Auslandsaufenthalt hatte, dann kommen meistens die drei gleichen Antworten“, erklärt Berthold Hübers, stellvertretender Geschäftsführer der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA BIBB). „Erstens: Sie haben Arbeitsabläufe und Unternehmen kennengelernt, die sie in Deutschland nicht kennengelernt hätten. Zweitens: Sie haben festgestellt, dass sie auch mit Menschen aus ganz anderen Kulturen klarkommen, also interkulturelle Kompetenzen dazugewonnen haben. Und drittens: Sie sind stolz, dass sie so eine Herausforderung gepackt haben und jetzt viel selbstständiger sind.“ Dazu kommt die Sprachkompetenz, egal ob es um englische Fachbegriffe oder schwedischen Smalltalk geht.

Auslandsaufenthalt immer beliebter

Ein Porträt-Foto von Berthold H. Ein Porträt-Foto von Berthold H.

Berthold Hübers

Immer mehr Azubis und Berufsfachschüler*innen gehen ins Ausland, ganze 35.000 waren es 2017, die Tendenz ist steigend. Laut der jüngsten Mobilitätsstudie der NA BIBB aus dem Jahr 2017 absolvieren 5,3 Prozent aller Azubis einen Auslandsaufenthalt. Bei denen mit Abitur sind es sogar 9,2 Prozent. Am beliebtesten sind Großbritannien, die Niederlande, Frankreich und Spanien. Bei manchen Berufen ist der Auslandsaufenthalt typischer als bei anderen. „Ein Fünftel der Industriekaufleute geht ins Ausland. Auch bei speziellen Berufen, wie beispielsweise der Glasveredelung, sind Auslandserfahrungen Standard“, weiß der Experte.

Das Berufsbildungsgesetz regelt, dass Azubis während der Ausbildung ins Ausland gehen können, es besteht aber kein Recht darauf. Deshalb kommt es auch auf das Verhandlungsgeschick beim Arbeitgeber an. „Azubis sollten klarmachen, dass auch für das Unternehmen Vorteile entstehen, vor allem durch mitgebrachte neue Fähigkeiten und Kenntnisse. Und normalerweise kommt es gut an, dieses Thema offen und interessiert anzusprechen“, rät Berthold Hübers. Es ist auch möglich, schon bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz darauf zu achten, ob Unternehmen international organisiert sind und üblicherweise Auslandspraktika anbieten.

Unterschiedliche Programme für unterschiedliche Länder

„Das größte Programm, das jährlich 25.000 Azubis unterstützt, ist Erasmus+. Damit werden Praktika im Europäischen Ausland ermöglicht“, erklärt er. „Noch relativ neu ist das Programm AusbildungWeltweit für Länder außerhalb der EU. Dazu gehört seit dem Brexit auch Großbritannien. Jedes Land der Welt kann also von einem deutschen Azubi erreicht werden.“ Bei Reisen in Nicht-EU-Ländern sollte allerdings genug Zeit eingeplant werden, um ein Visum zu beantragen. Neben den zwei großen Programmen gibt es noch ProTandem speziell für den deutsch-französischen Austausch und kleinere Programme.

Weil der Auslandsaufenthalt Teil der Ausbildung ist, ist es sinnvoll die neuen Kompetenzen auch für die spätere Berufslaufbahn nachweisen zu können. Für Europa gibt es dafür ein Standarddokument: den Europass. Das kostenlose Online-Tool speichert alle Zeugnisse, Zertifikate und Nachweise an einem Ort, um sie für spätere Bewerbungen verwenden zu können.

Alles anders durch Corona?

Corona hat auch bei den Auslandsprogrammen vielen einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Aber langsam fängt es wieder an. Für einige Länder sind die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes schon weggefallen. Das ist für uns die wichtigste Voraussetzung.“ Die Nachfrage wurde von der Pandemie allerdings nicht getrübt. „Wir merken, dass die Lust aufs Ausland weiter da ist.“ In der Vorbereitung sollte dann darauf geachtet werden, welche Einreisebestimmungen für das jeweilige Land gelten und wie die Wohn- und Mobilitätsvoraussetzungen vor Ort sind.

Weitere Infos

NA beim BIBB

Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung ist verantwortlich für Austauschprogramme

www.na-bibb.de

Erasmus+

Das EU-Programm für europaweite Zusammenarbeit fördert Auslandaufenthalte.

www.erasmusplus.de

AusbildungWeltweit

Das Programm ermöglicht internationale Lernaufenthalte außerhalb der EU.

www.ausbildung-weltweit.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV)

Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit für Fachkräfte im Ausland.

www.arbeitsagentur.de/zav

Berufsbildung ohne Grenzen

Die zentrale Koordinierungsstelle des deutschen Industrie- und Handelskammertags.

www.berufsbildung-ohne-grenzen.de

rausvonzuhaus

Beratungsportal zu Auslandsaufenthalten

www.rausvonzuhaus.de

Wege ins Ausland

Infoportal für Auslandsprogramme

www.wege-ins-ausland.de

Mein Auslandspraktikum

Das Portal bietet Jugendlichen einen Überblick über alle Möglichkeiten für Auslandspraktika in der Ausbildung und gibt Tipps zur Organisation und Planung

www.meinauslandspraktikum.de