zum Inhalt

Karriere mit Ausbildung - FAQ: Berufliche Weiterbildung im Überblick

Techniker/in, Meister/in, Fachwirt/in, Betriebswirt/in: Wer sich nach einer Ausbildung weiterqualifizieren möchte, dem stehen viele Möglichkeiten offen. Neben bundesweit einheitlich geregelten, staatlichen Prüfungen bei den Kammern gibt es auch landesrechtlich geregelte Abschlüsse an Fachschulen sowie Berufstitel und Zertifikate, die nur innerhalb einer Branche oder eines Berufsstands anerkannt sind. Gar nicht so einfach, da durchzublicken. abi» bringt Licht ins Dunkel.

Ein Mann mit Anzug und Warnweste hat in seiner linken Hand einen Laptop. Er lächelt in die Kamera und steht zwischen zwei Loks neben einem Bahngleis. Der Himmel ist bewölkt. (Foto: Thomas Lohnes)

Wie unterscheidet sich eine Aufstiegsfortbildung von einer Anpassungsfortbildung?

Laut Berufsbildungsgesetz (BBiG) handelt es sich bei einer Aufstiegsfortbildung immer um eine Maßnahme, die zu einem neuen Berufstitel, einer höheren Qualifikation und damit zu mehr Verantwortung oder besserer Entlohnung führt. Meist erwerben die Absolventinnen und Absolventen gleichzeitig auch eine Hochschulzugangsberechtigung. Eine Anpassungsfortbildung dagegen zielt nicht auf einen beruflichen Aufstieg oder einen neuen beruflichen Titel ab, sondern darauf, sein Know-how an neue Begebenheiten anzupassen, etwa, wenn es im Beruf oder in der Branche technische Neuerungen oder rechtliche Änderungen gibt.

Welche Arten von Aufstiegsfortbildungen gibt es?

Staatlich anerkannt und bundesweit einheitlich geregelt sind zum Beispiel die Fortbildungsabschlüsse zum/zur Meister/in, Fachwirt/in und Fachkaufmann/-frau Landesrechtlich geregelt sind der/die Techniker/in und in Ausnahmefällen einige Betriebswirt-Abschlüsse, da diese Lehrgänge an Fachschulen angeboten werden und damit Ländersache sind. Einen guten Überblick über bundeseinheitlich geregelte Abschlüsse gibt die Empfehlung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Während die Lehrgänge zur Vorbereitung zum Beispiel auf den/die Meister/in oder Fachwirt/in in der Regel in privater Trägerschaft in Kooperation mit den Kammern angeboten werden, gibt es Fortbildungen zum/zur Techniker/in und zum Teil zum/zur Betriebswirt/in an kostenlosen, staatlichen Schulen. Je nach Bildungsträger erhält der Titel dann den Vermerk „staatlich geprüft“ oder „geprüft“ bzw. „staatlich anerkannt“. Innerhalb eines bestimmten Berufsstands oder einer bestimmten Branche können Abschlüsse, die lediglich Kammer- oder Verbandsintern geregelt sind trotzdem anerkannt und gern gesehen sein.

Warum nennen einige Fortbildungsanbieter ihre Lehrgänge Studium?

Dies geschieht oft aus Marketinggründen, um deutlich zu machen, dass der erlangte Abschluss dem eines Studiums gleichgestellt ist. Tatsächlich handelt es sich aber nicht um ein wissenschaftliches Studium. Ähnlich verhält es sich mit Diplomen, die manchmal von privaten Bildungsträgern verliehen werden. Diese sind mit Zertifikaten vergleichbar, für die es keine einheitlichen Regelungen gibt und die nach Definition des BBiG keine Aufstiegsfortbildungen sind.

Sind Berufstitel wie Fachwirt/in, Techniker/in, Meister/in oder Betriebswirt/in wirklich dem Bachelor oder Master gleichgestellt?

Ja, das ist laut dem Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) klar geregelt. Fachwirt/in, Techniker/in und Meister/in sind dem Bachelor gleichgestellt, der Betriebswirt/in in der Regel dem Master, wobei hier eine Ausnahme greift: Der/die „Staatlich geprüfte Betriebswirt/in“ ist dem Bachelor-Niveau gleichgestellt, da die Zulassung zum Lehrgang keine erste, bereits absolvierte Aufstiegsfortbildung, wie etwa den Fachwirt/in oder den Fachkaufmann/-frau, voraussetzt.

Nur wer einen kaufmännischen Beruf erlernt hat, kann zum/zur Betriebswirt/in aufsteigen, stimmt das?

Nein, das stimmt nicht. Auch Handwerker/innen und Leute mit einem gewerblich-technischen Beruf können Betriebswirt/in werden. Für sie führt der Weg über eine erste Aufstiegsfortbildung, also den/die Techniker/in und/oder Meister/in zu dieser zweiten, beruflichen Aufstiegsfortbildung. Nach erfolgreich bestandener Prüfung tragen diese dann z.B. den Titel „Geprüfte/r Technische/r Betriebswirt/in“, „Betriebswirt/in (IHK)“ oder „Betriebswirt/in (HWK)“. Ausnahme ist hier wieder der/die „Staatlich geprüfte Betriebswirt/in“, der tatsächlich eine kaufmännische Berufsausbildung voraussetzt. Dieser Titel ist den anderen Betriebswirten in der DQR-Einstufung aber untergeordnet und nicht gleichwertig zu einem Master. Die offizielle DQR-Liste der Bund-Länder-Koordinierungsstelle zeigt übersichtlich, welche Fortbildungsabschlüsse auf welchem Niveau eingestuft werden.

BERUFENET listet fast 60 unterschiedliche Fachwirt/in-, 120 Techniker/in- und annähernd 200 Meister/in-Titel. Warum gibt es so viele unterschiedliche Abschlüsse?

Das liegt daran, dass es sowohl aufgabenspezifische als auch branchenspezifische und ganz generalistische Aufstiegsfortbildungen gibt. Das heißt beim Fachwirt/in kann der Fokus zum Beispiel auf spezifischen Fragestellungen im Marketing, in der Buchhaltung, im Einkauf oder Controlling liegen – unabhängig von der Branche. Im anderen Fall kann es um alle wichtigen kaufmännischen Aufgaben und Prozesse einer Branche gehen, etwa im Tourismus, in der Textilindustrie oder in der Logistik.

Ähnlich sieht es beim Meister/in aus. Jede Branche hat ihre/n Industriemeister/in, zudem gibt es die Fachmeister/in, die wiederum tiefer ins Know-how einzelner Aufgaben einsteigen. Dazu hat jedes Handwerk seine/n eigene/n Meister/in.

Techniker/innen sind tendenziell Fachspezialistinnen und Fachspezialisten für eine spezifische Technologie in einer bestimmten Branche, aber auch hier gibt es Fortbildungen, die generalistischer sind, zum Beispiel Techniker/in im Umweltschutz oder Techniker/in im Maschinenbau.

Und wie finde ich nun die richtige Fortbildung für mich?

Sinnvoll ist es, sich persönlich bei den IHKs, den Handwerkskammern, bei den Weiterbildungsteams der Arbeitsagenturen vor Ort oder bei Branchen- und Berufsverbänden und unabhängigen Netzwerken zu informieren. Sie unterstützen nicht nur bei der Auswahl der geeigneten Maßnahme, sondern informieren auch über rechtliche Ansprüche, Finanzierungsmöglichkeiten und mehr. So navigierst du souverän durch den Fortbildungsdschungel und stehst am Ende nicht mit einem aussagelosen Zertifikat da, das dich viel Geld gekostet, aber nicht weitergebracht hat.