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Frühkindliche Bildung und Erziehung: Fachkräfte dringend gesucht

Die Politik treibt den Ausbau außerfamiliärer Erziehungs- und Betreuungsangebote voran. Damit geht ein großer Fachkräftebedarf in Kindertagesstätten und Co. einher. Egal, ob Ausbildung oder Studium, wenn du in dem Bereich arbeiten möchtest, hast du viele Möglichkeiten.

Eine Erzieherin schubst drei Kinder in einer Rundschaukel an und lächelt. (Foto: Julien Fertl)

Um allen Kindern gleiche Entwicklungschancen zu ermöglichen und Mütter in der Arbeitswelt nicht weiter zu benachteiligen, steht der Ausbau von Kindertageseinrichtungen seit 2006 ganz oben auf der politischen Agenda. Seit 2013 gibt es sogar einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder ab einem Jahr. Klar, dass es deshalb immer mehr Kitas gibt und damit auch immer mehr Bedarf an qualifizierten Fachkräften in der frühkindlichen Bildung und Erziehung.

Zuletzt zählte das Statistische Bundesamt in Deutschland insgesamt 58.500 Kitas, die von fast 3,8 Millionen Kindern zwischen 0 und 14 Jahren besucht werden. Sie werden von etwa 708.000 Beschäftigten betreut. 2006 arbeiteten gerade mal halb so viele in diesem Bereich. Trotz Verdopplung könnten es aber noch mehr sein. Immer wieder gelingt es nicht, Arbeitsstellen zu besetzen. „Die Frühe Bildung boomt seit Jahren und Fachkräfte werden händeringend gesucht. Diese Situation hat zu einer positiven Entwicklung des Arbeitsmarkts geführt“, berichtet Angélique Gessler von der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) des Deutschen Jugendinstituts. Das WiFF-Projekt erstellt alle zwei Jahre ein Fachkräftebarometer. „Die Arbeitslosenquote ist seit Jahren sehr gering.“

Arbeitslose finden schnell eine Stelle

Die Bundesagentur für Arbeit stuft Erzieher/innen als Engpassberuf ein, und das obwohl die pandemiebedingten Maßnahmen die Arbeitslosenzahlen zuletzt steigen ließen. „Wenn Erzieher/innen gesucht werden, ist das zur Verfügung stehende Potenzial an Arbeitsuchenden gering: Hier standen 100 gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen lediglich 154 Arbeitsuchende gegenüber“, erklärt Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Trotz des 2020/21 coronabedingten Anstiegs der Arbeitslosenzahl signalisiert eine geringe Arbeitslosenquote von 1,5 Prozent weiterhin Vollbeschäftigung. Rund 12.400 Personen, die eine Tätigkeit als pädagogische Kraft in der Kinderbetreuung und -erziehung anstrebten, waren durchschnittlich in den vergangenen zwölf Monaten arbeitslos gemeldet. 62 Prozent der Erzieher/-innen waren bislang kürzer als sechs Monate arbeitslos.“

Angelique Gessler vom WiFF-Projekt geht davon aus, dass dieser Trend anhalten wird – und das obwohl laut Bevölkerungsvorausberechnung immer weniger Kinder geboren werden. Zum gleichen Ergebnis kommen die Autorinnen und Autoren des Bildungsberichts 2020. Sie schätzen, dass bis zum Jahr 2025 ein Mehrbedarf von rund 650.000 Betreuungsplätzen entstehen wird. Tendenz steigend. „Ab 2026 wird es zusätzlich einen Anspruch auf Ganztagsbetreuung für Schulkinder geben“, sagt Barbara Nolte, Leiterin des Referats Erzieher/innen im Verband Bildung und Erziehung (VBE). „Damit wird unser Arbeitsfeld noch größer, das zieht aber auch Fachkräfte aus den bisherigen Einrichtungen ab. Wir vom VBE sehen hier eine weitere Verschärfung des bereits jetzt enormen Fachkräftemangels.“

„Sinnvoll erscheint es, Bildungsgänge verstärkt in unterschiedlichen Formaten, etwa in Vollzeit, berufsbegleitend oder praxisintegriert anzubieten, um ein passendes Ausbildungsangebot für viele an der Frühen Bildung Interessierte zu haben“, merkt Angélique Gessler dazu an. Die heutigen Bedingungen schätzt sie prinzipiell als gut ein: „Der Teilarbeitsmarkt der Frühen Bildung bietet vergleichsweise gute Arbeitsbedingungen, was die Befristung und Stabilität der Beschäftigungsverhältnisse sowie die Entwicklung der Gehälter anbelangt.“