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Heldinnen und Helden der Pandemie: Die Unverzichtbaren – Menschen mit systemrelevanten Jobs

Sie pflegen, helfen und kümmern sich – oft bis zur Erschöpfung: die Heldinnen und Helden der Coronapandemie. Zu ihnen gehört Daria Pospiech, die einen Lockdown in einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin erlebt hat.

Eine Frau reicht ihrer Kollegin Einmal-Handschuhe.

Die 31-Jährige empfand die Coronapandemie gerade während der Hochphasen als sehr fordernd: „Das Virus und auch die gesamte Situation waren neu für uns alle – und mit vielen Sorgen verbunden. Wenn positiv getestete Patientinnen oder Patienten aufgenommen wurden, herrschte große Unsicherheit. In der Psychiatrie und insgesamt in der Krankenpflege können und konnten wir nur bedingt eine der wichtigsten Maßnahmen einhalten: Abstand. Die Kontrolle darüber, wann näherer Kontakt erfolgt, haben wir oftmals nicht – daher müssen wir situativ entscheiden, wie wir uns verhalten, um uns selbst zu schützen und die Patientinnen und Patienten trotzdem bestmöglich zu versorgen“, erzählt Daria Pospiech, die als Gesundheits- und Krankenpflegerin (heute: Pflegefachmann/-frau; Anmerkung der Redaktion) auf einer geschlossenen Station arbeitet.

Zudem haben sich die allgemeinen Maßnahmen und damit auch die klinikinternen Regeln im Umgang mit dem Virus immer wieder geändert. „Es kamen laufend neue Aspekte dazu. Unsere Leitung hat uns zwar mit allen Kräften unterstützt, jedoch war es mit großem Mehraufwand verbunden, die jeweils geltenden Regelungen zu beachten und in der Praxis umzusetzen“, erzählt sie. Als auch unter den Kolleginnen und Kollegen das Corona-Virus ausgebrochen ist, musste der Stationsbetrieb trotz hoher Personalausfälle aufrechterhalten werden. „Ich hoffe, dass durch die Coronapandemie ein größeres Bewusstsein für unsere Arbeit geschaffen wird und diese mehr in den Fokus rückt – und vielleicht gleichzeitig die Chance birgt, unsere Arbeitsbedingungen langfristig zu verbessern“, sagt die Gesundheits- und Krankenpflegerin.

Ein tolles Team und ein krisensicherer Job

Ein Porträt-Foto von Daria P. Ein Porträt-Foto von Daria P.

Ihren Beruf mag Daria Pospiech, weil sie ein vielfältiges Aufgabengebiet hat. „Im psychiatrischen Bereich geht es viel um Beziehungsaufbau, Kreativität, Empathie und Kommunikationsfähigkeit. Als Pflegekraft in der Psychiatrie muss man situationsbezogen flexibel reagieren können und oft neue Wege gehen. Das liegt mir und macht mir Spaß“, betont sie. Auch der Schichtdienst hat für die Berlinerin Vorteile, denn die Arbeitszeiten können an die persönliche Situation angepasst werden.

Daria Pospiech wollte nach der Fachhochschulreife ursprünglich Pflegemanagement studieren, doch vorerst bleibt sie der Klinik als Pflegefachkraft treu. „Ich habe ein großartiges Team, in dem wir uns aufeinander verlassen können und trotz der herausfordernden Arbeit ein sehr gutes Miteinander haben. Ich bin stolz auf meinen verantwortungsvollen Beruf, der viel Fachwissen erfordert. Und nicht zuletzt: Es ist ein krisensicherer Job. Außerdem habe ich viele Möglichkeiten, mich zu verwirklichen. Für all das bin ich dankbar.“

Unverzichtbare Berufe

Ein Portrait-Foto von Kathleen K. Ein Portrait-Foto von Kathleen K.

Als Anfang 2020 die Pandemie und der erste Lockdown kamen, war viel die Rede von systemrelevanten Beschäftigten, von Pflegekräften in Krankenhäusern und Heimen, Erzieherinnen und Erziehern in Kindertagesstätten, Verkäuferinnen und Verkäufern im Lebensmitteleinzelhandel oder Polizistinnen und Polizisten auf den Straßen. Aber was heißt systemrelevant überhaupt? „Systemrelevant sind die Berufe, die für die Aufrechterhaltung unseres gesellschaftlichen Systems wichtig sind“, erklärt Berufsberaterin Kathleen Kuhnt von der Jugendberufsagentur Charlottenburg-Wilmersdorf (Berlin).

Was genau unter einer sogenannten „kritischen Infrastruktur“ zu verstehen ist, definiert jedes Bundesland anders. In Berlin wurden beispielsweise 100 Berufe aus 14 Berufsgruppen als systemrelevant eingestuft: Polizei und Feuerwehr, Justizvollzug, Bundeswehr, Hilfsorganisationen, Krisenstabspersonal, Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs, Gesundheitswesen, Behindertenhilfe, Verkehrswesen, Behörden und Ämter sowie Schulen und Kitas. Aber hat die Tatsache, dass diesen Berufen während der Krise größere Bedeutung zukommt als anderen, auch etwas mit den Berufswünschen von jungen Leuten gemacht?

Engagement und Nachhaltigkeit

„Ich hatte bisher noch keine Beratungssituation, in der eine Abiturientin oder ein Abiturient mich konkret nach einem systemrelevanten Beruf gefragt hat“, berichtet die Berufsberaterin. Dennoch hat sie den Eindruck, dass es den Jugendlichen in den letzten Jahren wichtiger geworden ist, einen Beruf zu ergreifen, mit dem sie einen Beitrag für die Gesellschaft leisten können. Das könnte durch die Pandemie noch einmal verstärkt worden sein. „Es geht jungen Leuten oft weniger darum, viel Geld zu verdienen. Sie wollen sich engagieren und mit dem richtigen Bewusstsein und im Sinne der Nachhaltigkeit tätig werden.“ Wer sich für einen systemrelevanten Job entscheidet, hat vielfältige Auswahlmöglichkeiten, sowohl mit Ausbildung als auch Studium. Zum Beispiel Pflegefachmann/-frau so wie Daria Pospiech oder Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r, Erzieher/in, Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Eisenbahner/innen im Betriebsdienst und Ärzte und Ärztinnen, Polizisten und Polizistinnen, Werkfeuerwehrleute, Verwaltungsbeamte und Lehrkräfte.

Den Jugendlichen, die zu ihr in die Beratung kommen, sagt die Berufsberaterin, dass sie nicht sofort einen Beruf finden müssen, der ein Leben lang zu hundert Prozent passt. „Es geht um einen ersten Schritt. Es gibt Untersuchungen, die besagen, dass die Generation, die jetzt ihren Schulabschluss macht, bis zu sechsmal die berufliche Richtung ändern wird – einfach, weil sich in unserer Zeit so viel enorm schnell wandelt“, weiß Kathleen Kuhnt. Wie schnell sich etwas ändern kann, hat die Coronapandemie gezeigt.

Weitere Informationen

BERUFENET

Die Webseite der Bundesagentur für Arbeit bietet über 3.000 aktuelle Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.arbeitsagentur.de/berufenet

BERUFE.TV

Das Filmportal der Bundesagentur für Arbeit listet 350 Filme über Ausbildungsberufe und Studiengänge.
www.berufe.tv

studienwahl.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit und der Stiftung für Hochschulzulassung. Hier findest du Informationen rund ums Studium.
www.studienwahl.de

Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit

In der Studiensuche kannst du recherchieren, welche Studiengänge an welchen Hochschulen in Deutschland angeboten werden.
www.arbeitsagentur.de/studiensuche

Ausbildungsplatzsuche

In der Ausbildungsplatzsuche der Bundesagentur für Arbeit kannst du nach dualen Ausbildungsplätzen in ganz Deutschland suchen.
www.arbeitsagentur.de/ausbildungsplatzsuche

Berufsausbildung und mehr

In diesem Angebot der Bundesagentur für Arbeit kannst du nach schulischen Ausbildungen suchen.
www.arbeitsagentur.de/berufsausbildung

Check-U – das Erkundungstool der Bundesagentur für Arbeit

Mit dem Erkundungstool Check-U findest du heraus, welche Ausbildungsberufe und Studienfelder besonders gut zu deinen Stärken und Interessen passen.
www.check-u.de