zum Inhalt

Berufe in Serien und in echt: Zwischen Fakt und Fiktion

Anwalt/Anwältin, Arzt/Ärztin, Kommissar/in – das sind die Helden zahlreicher Serien. Die Charaktere vermitteln den Zuschauern ein aufregendes Bild ihrer Tätigkeiten. Doch entspricht die Darstellung ihres Alltags auf dem Bildschirm auch der Realität?

Bilder von Filmen auf einer Streamingseite (Foto: Hans-Martin Issler)

Wohnhaft in einem schicken Loft in New York, erfolgreich, gut gekleidet, ständig auf Achse und kampfbereit für jeden Fall – so kennen wir die Anwältinnen und Anwälte aus der bekannten US-Serie „Suits“. Tatsächlich gibt es internationale Wirtschaftsanwältinnen und Wirtschaftsanwälte, die ständig durch die Gegend jetten, bestätigt Denise Waelde. Die 27-Jährige arbeitet als Rechtsanwältin im Fachgebiet Arbeitsrecht in einer Wirtschaftskanzlei. „Aber es gibt auch Anwälte so wie mich, die einen ganz normalen Bürojob haben“, betont sie. Im Gebiet Arbeitsrecht vertritt sie die Arbeitgeberseite, arbeitet also intensiv mit anderen Menschen zusammen – das war auch ihre Motivation, diesen Beruf zu ergreifen.

Porträtfoto von Denise Waelde. (Foto: privat) Porträtfoto von Denise Waelde. (Foto: privat)

Denise Waelde

„Ein großer Unterschied zwischen den Anwälten in Serien und in Wirklichkeit ist, dass wir uns gegenüber unseren Mandanten immer konstruktiv verhalten müssen. Und das ist in Serien meistens nicht der Fall. Die Anwälte sind dort eher auf Konfrontation aus“, findet die Rechtsanwältin. Daher gibt es ihrer Meinung nach auch keine realistische Anwaltsserie: „Ich glaube, dass die falsche Darstellung des Berufs zum größten Teil dem Unterhaltungszweck geschuldet ist.“ Der Hauptbestandteil ihrer täglichen Arbeit besteht darin, Akten zu lesen, Recherche zu betreiben und mit Mandanten zu telefonieren. „Natürlich habe ich darüber hinaus Gerichts- und Mandantentermine, jedoch sind diese in der Regel nicht so aufreibend und exzessiv wie sie in Serien oft dargestellt werden“, resümiert sie.

Die Realität erkennen

Aktuelle Ergebnisse des Internationalen Zentralinstitutes für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) zur Mediennutzung  von Jugendlichen in Deutschland zeigen, dass der Fernsehkonsum der 14- bis 19-Jährigen im Jahr 2020 etwa 88 Minuten am Tag betrug. „Da kann es schon sein, dass junge Menschen beim Durchzappen des Fernsehprogramms eine dieser Nachmittags-Anwaltsserien zu Gesicht bekommen, in denen geschrien und geweint wird. Diese sind extrem übertrieben dargestellt“, betont Denise Waelde.

Im Gegensatz zum Fernsehkonsum, der bei den jungen Erwachsenen seit Jahren stetig abnimmt, steigt die Nutzung internetbasierter Streamingdienste sprunghaft an. 26 bis 59 Prozent der 12- bis 19- Jährigen nutzen mehrmals pro Woche Netflix oder Amazon Prime und immerhin 17 Prozent die Mediatheken der TV-Sender.

Interesse an fremden Welten

Porträtfoto von Benedikt Braun. (Foto: privat) Porträtfoto von Benedikt Braun. (Foto: privat)

Benedikt Braun

Beim Berufsbild Arzt lässt sich ähnliches beobachten. Laut der Studie „Trust in Professions 2018“ des Markforschungsinstituts GfK sind Ärztinnen und Ärzte auf Platz fünf der Berufe, denen die Gesellschaft am meisten vertraut.

Benedikt Braun (34) ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und Geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der BG Unfallklinik in Tübingen. Darüber hinaus ist er für den Berufsband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC) in der Nachwuchsförderung tätig. Er findet, dass der Arztberuf auch in Serien ein sehr positives Image genießt: „An uns haftet das Bild des Heilers. Das macht den Beruf für die Zuschauer sehr interessant.“ Die Kombination aus Spannung plus Welt der Medizin sei der springende Punkt: „Ich glaube, das macht den Charme von Arztserien aus. Die Fälle, die präsentiert werden, sind dramatisch, es geht um Leben und Tod, und obendrein gibt es oft auch noch Liebesdramen zu sehen – genau das wollen die Zuschauer.“

Was erwartet mich tatsächlich?

Nichtsdestotrotz hat Benedikt Braun bisher noch keinen Medizinstudierenden kennengelernt, der sich aufgrund einer Arztserie für sein Studium entschieden hat: „Ich glaube nicht, dass jemand Medizin studiert, nur weil sie oder er beispielsweise die Serie ‚Dr. House‘ gut findet. Die Zuschauer können da gut differenzieren, was real ist und was eher der Unterhaltung dient.“

Sabine Najib, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Osnabrück, kann das bestätigen: „Ich erlebe die meisten jungen Menschen in der Berufsberatung so vernünftig, dass sie sich selbst versichern, ob ihr Traumberuf tatsächlich so toll ist wie gedacht“.

Dass der Nachwuchs erkennt, wie das Berufsbild von Ärztinnen und Ärzten in Serien dargestellt wird, sei trotzdem wichtig, um eventuelle Erwartungen nicht zu enttäuschen. „In Serien wird nicht gezeigt, wie viel Bürokratie hinter dem Beruf steckt. Ärzte müssen OP-Berichte, Gutachten und Briefe schreiben. Studierende sehen solche Tätigkeiten jedoch erst, wenn sie in die Klinken kommen“, berichtet Benedikt Braun.

Einblicke in die Realität

Porträtfoto von Sebastian Fiedler. (Foto: Bund Deutscher Kriminalbeamter) Porträtfoto von Sebastian Fiedler. (Foto: Bund Deutscher Kriminalbeamter)

Sebastian Fiedler

In Polizeiserien ist ebenfalls zu beobachten, dass unspektakuläre Tätigkeiten wie Berichte verfassen oder Verdächtige über ihre Rechte aufklären der Spannungskurve weichen müssen. „Ich schaue selbst Serien, aber mit einer inneren Distanz und zur Unterhaltung und nicht, weil ich mir denke, dass der Beruf von Polizisten oder Kommissaren gut abgebildet wird“, sagt Sebastian Fiedler, der Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK). Er fügt hinzu: „Es gibt immer wieder Situationen, zum Beispiel im ‚Tatort‘, bei denen ich mir denke: ‚Ach, du meine Güte‘, weil Charaktere oder Szenen sehr überzeichnet sind“.

Ein verlässliches Berufsbild könnten sich Abiturientinnen und Abiturienten, die sich für eine Karriere bei der Polizei interessieren, machen, indem sie Kontakt zu Einstellungsberatern suchen, die es für jedes Bundesland gibt. „Das sind Polizisten, mit denen man Detailfragen besprechen kann, beispielsweise wie ein möglicher Karriereweg bei der Polizei aussehen kann“, weiß Sebastian Fiedler.

Berufsberatung, Praktika und Selbsttests

Porträtfoto von Sabine Najib. (Foto: privat) Porträtfoto von Sabine Najib. (Foto: privat)

Sabine Najib

„Der Ausgangspunkt für die eigene Studien- und Berufswahl sind immer die Interessen und Fähigkeiten, die jemand mitbringt“, erklärt Sabine Najib. „Je besser sich Abiturienten selbst kennen, desto leichter finden sie den Beruf, der zu ihnen passt. Deswegen empfehle ich anfangs immer erst die Beschäftigung mit sich selbst.“ Dafür bietet die Bundesagentur für Arbeit das Erkundungstool Check-U an, das mit Hilfe von Tests die Interessen und Fähigkeiten von jungen Menschen ermittelt. „Wenn man danach eine genaue Vorstellung hat, in welche Richtung es gehen soll, rate ich den Abiturienten in die Berufspraxis zu schnuppern, oder im Falle eines Studiums zur Teilnahme an Vorlesungen des jeweiligen Fachs, derzeit auch virtuell möglich. Wenn sie diese Aspekte berücksichtigen, ist das Risiko sich falsch zu entscheiden, schon sehr minimiert“, berichtet die Berufsberaterin.

Besonders häufig wird in der Beratung von Sabine Najib nach Berufen wie Staatsanwalt/-anwältin oder Gerichtsmediziner/in gefragt. „Nachdem zirka ein Viertel der Sendezeit im Fernsehen Krimis gezeigt werden, ist es kein Wunder, dass junge Menschen nach diesen Berufen fragen“, findet die Beraterin. Ebenso kommt der Beruf des Profilers immer wieder zur Sprache: „Die jungen Menschen sehen darin eine Mischung aus Psychologie und Magie, mit deren Hilfe sie Serientätern auf die Spur kommen, und das ist für sie extrem spannend.“ Sabine Najib würde sich jedoch wünschen, dass in Serien öfter unterrepräsentierte Berufe gezeigt werden, zum Beispiel Handwerksberufe – denn „diese sind vielfältig und abwechslungsreich“.

Weitere Informationen

Check-U – das Erkundungstool

Das Erkundungstool der Bundesagentur für Arbeit ist eine kostenfreie, bundesweite Online-Anwendung zur beruflichen Orientierung. Teilnehmerinnen und Teilnehmer können vier Module bearbeiten (Fähigkeiten, soziale Kompetenzen, Interessen und berufliche Vorlieben) und erhalten eine Übersicht über passende Studienfelder und Ausbildungsberufe.
www.check-u.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.arbeitsagentur.de/berufenet

studienwahl.de

Hier findest du alles zu den Themen Studienorientierung, Studienfelder und Hochschultypen.
www.studienwahl.de

Studiensuche

Mit der Studiensuche der Bundesagentur für Arbeit findest du Studienfach und Studienort.

www.arbeitsagentur.de/studiensuche

JOBSUCHE der Bundesagentur für Arbeit

arbeitsagentur.de/jobsuche

Berufsverband der Deutschen Chirurgen

Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC) ist Europas größte Chirurgenvereinigung. Vertreter sämtlicher chirurgischer Disziplinen setzen sich dafür ein, die berufspolitischen Belange von Chirurgen zu vertreten.
bdc.de

Chirurg werden

Die Seite des Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC) versorgt junge Menschen, die Chirurg/in werden wollen, mit nützlichen Informationen für die Karriere in der Chirurgie.
www.chirurg-werden.de

Bund Deutscher Kriminalbeamter

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) ist der gewerkschaftliche Berufsverband der Angehörigen der deutschen Kriminalpolizei und aller in der Kriminalitätsbekämpfung Beschäftigter im öffentlichen Dienst.
www.bdk.de

Geschäftsstelle des Bayerischen Landespersonalausschusses

Hier finden Schülerinnen und Schüler Informationen über ein Studium zum/r Kommissar/in bei der bayerischen Polizei an der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern
www.Ipa.bayern.de

Bundespolizei

Hier findest du ausgewählte Karrierechancen bei der Bundespolizei.
www.komm-zur-bundespolizei.de

Deutscher Journalisten-Verband

Hier finden Interessierte Informationen zu verschiedenen Aspekten rund um die Journalistenausbildung.
www.djv.de/startseite