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Arbeiten am Südpol/auf einem Forschungsschiff: „Man sollte nicht schwer krank werden“

Theresa Thoma ist studierte Elektrotechnikerin und Informatikerin und arbeitet seit Dezember 2020 als Funkerin und IT-Administratorin auf der Neumayer-Station in der Antarktis. Im Interview erzählt die 26-Jährige vom Arbeitsalltag am anderen Ende der Welt und verrät, welche Eigenschaften man mitbringen sollte, um dort zu bestehen.

abi» Frau Thoma, während wir telefonieren, sitzen Sie in der Antarktis – also von Deutschland aus gesehen am Ende der Welt. Sind Sie wirklich so alleine dort, wie man sich das vorstellt?

Theresa Thoma: Tatsächlich ist die Anzahl der Menschen, die hier lebt, überschaubar. Bei uns ist gerade Winter und wir sind nur eine sehr kleine Gruppe von zehn Personen – die sogenannten „Überwinterer“. Dazu gehören neben mir ein Meteorologe, zwei Geophysiker, eine Botanikerin, eine Luftchemikerin, zwei Techniker, ein Koch und ein Arzt. Im Sommer wird es hier enger, denn dann reisen viele Techniker und Wissenschaftler an, zum Beispiel Pinguin-Forscher oder Meeresbiologen. Dann können schon mal 60 Leute hier sein.

abi» Wie schwierig ist es, eine Stelle auf der Neumayer-Station zu bekommen?

Theresa Thoma: Die Stellen für die Überwinterer werden jedes Jahr neu ausgeschrieben und richten sich in erster Linie an Naturwissenschaftler und Menschen mit einer technischen Ausbildung, etwa Geophysiker, Mathematiker, Schiffsingenieure oder Meteorologen. Passt die Ausbildung und kann man mit der schriftlichen Bewerbung überzeugen, wird man erst einmal gesundheitlich von Kopf bis Fuß durchgecheckt. Zwar gibt es auch eine Praxis und sogar einen kleinen Operationssaal hier in der Antarktis, aber man sollte nach Möglichkeit nicht schwer krank werden. Passt alles und man hat keine schwerwiegenden Vorerkrankungen, wird man für zwei Jahre eingestellt. Natürlich geht es nicht sofort auf der Neumayer-Station los, sondern man beginnt mit fünf Monaten Vorbereitung in Deutschland. In Bremerhaven ziehen alle potentiellen neuen Überwinterer zusammen in ein Mehrfamilienhaus, um zu testen, ob sie als Team harmonieren. In dieser Zeit lernt man außerdem alles zu Themen wie Konfliktmanagement, Brandschutz, wir machen einen Überlebenskurs und bekommen viele Schulungen in unseren jeweiligen fachlichen Bereichen.

abi» Ist also nicht jeder für eine solche Stelle gemacht?

Theresa Thoma: Definitiv nicht! Man muss sich vor allem sehr klar darüber sein, dass man ein Jahr lang nicht nach Hause kann. Mal eben schnell Freunde oder Familie besuchen ist unmöglich. Dann halte ich es für äußerst wichtig gut improvisieren zu können und flexibel und anpassungsfähig zu sein. Wir erhalten einmal im Jahr eine Lieferung mit Essen – geht etwas aus, dann ist das eben so.

abi» Haben Sie und Ihre Kolleg*innen einen festen Alltag?

Theresa Thoma: Jeder von uns hat seine festen Aufgaben. Als Techniker wartet man beispielsweise die Stromgeneratoren, unsere Luftchemikerin besucht einmal am Tag das Spurenstoffobservatorium, der Meteorloge muss alle drei Stunden raus zur Wetterstation. Neben unseren beruflichen Tätigkeiten wird unser Tagesablauf auch durch gemeinsame Unternehmungen strukturiert. Mindestens einmal am Tag essen wir zusammen, außerdem gibt es Spiele-Abende, wir machen Sport oder wir besuchen die Pinguinkolonie.

Ein Foto von Theresa Thoma (Foto: Markus Baden)

Weitere Informationen

AWI

Internetauftritt des Alfred-Wegener-Institus mit umfangreichen Informationen zu Job- und Ausbildungsmöglichkeiten

awi.de

Neumayer III

Internetauftritt der Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis

awi.de/expedition/schiffe/polarstern.html

Leben am Südpol

Blog des Helmholtz-Zentrums

blogs.helmholtz.de/astroteilchen/category/ice-cube/