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Instrumentalmusik: Zwei Stunden Orgelspiel am Tag

Orgel, Klavier, Cembalo, Gesang, Dirigieren: Auf dem Stundenplan des Bachelorstudenten Jonas Schauer dreht sich alles um Musik. Der 20-Jährige studiert im fünften Semester Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig (HMT).

Zwei Hände sind sichtbar, die auf einem Klavier spielen. (Foto: Helge Gerischer)

Sonntagsgottesdienst in der Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig: Es erklingt das berühmte „Lacrimosa“ aus Mozarts Requiem, gesungen vom Propsteichor, der zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie wieder auftritt. An der Orgel sitzt Jonas Schauer.

Bis zu vier Messen begleitet der 20-Jährige jedes Wochenende an der Orgel. In der Regel genügt ihm eine kurze Vorbereitungszeit für die Liedvorspiele und die Improvisationen zum Ein- und Auszug. Anders bei diesem besonderen Gottesdienst: „Ihn begleiten zu dürfen und zuvor bei den Proben dabei sein zu können, war sehr bereichernd“, erzählt Jonas Schauer. Das Orgelspiel hatte es ihm schon als kleiner Junge angetan, als er mit seinen Eltern in die Kirche ging. Mit 13 Jahren nahm er Unterricht und begann bereits als Schüler, Gottesdienste zu begleiten. Er entschied sich, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen und bewarb sich an der HMT für den Studiengang katholische Kirchenmusik mit den Kernfächern Orgel und Dirigieren.

Umfangreiche Aufnahmeprüfung

Porträt von Jonas Schauer (Foto: Kilian Homburg) Porträt von Jonas Schauer (Foto: Kilian Homburg)

Bei der Aufnahmeprüfung musste Jonas Schauer unter anderem sein Können an Klavier und Orgel sowie im Gesang unter Beweis stellen. Auch im Dirigieren wurde er geprüft. „Da hatte ich gar keine Erfahrung und lediglich einen kurzen Workshop an der Hochschule gemacht.“ Die Prüfung sei ein Sprung ins kalte Wasser gewesen – doch er hat es geschafft: Zusammen mit nur einem weiteren Studenten wurde er im Wintersemester 2019/20 aufgenommen. „Durch die geringe Studierendenzahl herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre an unserem Institut“, findet er.

Nachdem Jonas Schauer dieses Jahr seine Zwischenprüfungen abgelegt hat, befindet er sich nun im fünften Semester. Die Abschlussprüfungen folgen nach dem achten. Der 20-Jährige begrüßt es, dass sein Bachelorstudium zwei Semester länger ist als viele andere, da es so umfangreich sei. Musikgeschichte, Choralkunde, Komposition, Formenlehre und Instrumentenkunde stehen unter anderem auf dem Modulplan. Dazu kommt die zeitintensive Praxis: Orgel, Klavier, Cembalo, Gesang, Chor- und Orchesterdirigieren, Partitur- und Continuo-Spiel sowie Tonsatz und Gehörbildung.

Ohne Disziplin geht nichts

Zum Studium gehört neben vielen Einzel- und Gruppenunterrichtsstunden kontinuierliches Üben – da sei Selbstdisziplin sehr wichtig. Zum Klavierspielen fährt Jonas Schauer an die Hochschule, zu Hause hat er eine digitale Kirchenorgel. „Ich versuche, mir jeden Tag zwei Stunden nur für die Orgel freizuräumen“, erklärt er. Wobei ihm natürlich auch seine Tätigkeit als Organist viel Praxiserfahrung verschafft. Am liebsten und häufigsten spielt er in der Propsteikirche. „Es gibt hier in Leipzig unglaublich viele tolle historische Instrumente“, schwärmt der 20-Jährige und verweist auf die größte Orgel der Stadt in der Nikolaikirche.

Nach seinem Bachelor will Jonas Schauer noch seinen Master of Music an der HMT absolvieren – und sich parallel nach einer festen Stelle als Organist umschauen.